Andreas Holler: Chancen und Herausforderungen am Wiener Wohnungsmarkt

Eine funktionierende städtische Wohnwirtschaft ist sozial, ökologisch und wirtschaftlich bedeutsam.
© BUWOG / Andreas Pohlmann
Andreas Holler: Chancen und Herausforderungen am Wiener Wohnungsmarkt
Andreas Holler, Geschäftsführer der BUWOG Group GmbH.

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Wer wie ich in der Immobilienbranche tätig ist, hat in den vergangenen Jahren nicht nur starke Nerven und strategisches Geschick, sondern unweigerlich auch ein gewisses Maß an Optimismus benötigt.

Besonders in der Projektentwicklung liegen schwierige Jahre hinter uns – und ein Ende dieser Phase ist nach wie vor nicht absehbar. Seit dem rasanten Zinsanstieg im Jahr 2022 und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Abschwung ist das Neubauvolumen in Wien massiv eingebrochen. Nach deutlichen Rückgängen zwischen 2023 und 2025 droht nun auch 2026 sowie im darauffolgenden Jahr ein weiterer Einbruch. Die Zahl der neu errichteten Wohnungen könnte damit auf historische Tiefststände sinken. Bereits heuer wird nur noch etwa 60 Prozent des Fertigstellungsniveaus von 2023 erreicht – und die Prognosen für die Folgejahre fallen noch ernüchternder aus.

Der Produktionsüberhang aus den Boomjahren bis 2022 ist längst aufgebraucht, es gibt so gut wie keine Wohnraumreserven mehr, und die Nachfrage ist ungebrochen stark. Damit verschärft sich das strukturelle Ungleichgewicht am Markt zunehmend.

Auffällig ist zudem eine Entwicklung, die sich heuer erstmals deutlich abzeichnet: Auch im Eigentumssegment kommt es zu spürbaren Verknappungen.

Die Fertigstellungszahlen sind insgesamt auf ein äußerst niedriges Niveau gefallen. In Summe werden voraussichtlich deutlich weniger als 10.000 Wohnungen fertiggestellt. Das stark zurückgegangene Volumen des Wohnungsmarkts stellt nicht nur für die Immobilien- und Bauwirtschaft, sondern natürlich auch für Wohnungssuchende ein gleichermaßen gravierendes Problem dar.

Andreas Holler: Chancen und Herausforderungen am Wiener Wohnungsmarkt
© smarterpix / Gorodenkoff

Vor einigen Wochen habe ich mich im Rahmen einer gemeinsam mit EHL abgehaltenen Pressekonferenz zum Wiener Wohnungsmarkt bereits zu genau diesem Thema geäußert und gemeinsam haben wir auf die Dringlichkeit von Maßnahmen zu dessen Belebung hingewiesen. Steigende Wohnkosten in der Stadt führen dazu, dass immer mehr Menschen ins Umland abwandern. Die Folge sind Zersiedelung, höherer Bodenverbrauch und steigende Infrastrukturkosten. Gleichzeitig nimmt der Pendlerverkehr zu – mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Nachhaltigkeit. Vor allem aber gilt: Ausreichend zur Verfügung stehender Wohnraum ist wichtige Voraussetzung für einen starken Wirtschaftsstandort.

Die entscheidende Frage lautet nun natürlich: Welche Maßnahmen können gesetzt werden, um den Markt zu entlasten und mehr Wohnraum zu schaffen?

Müssen Druck vom Wohnungsmarkt nehmen

Uns allen ist klar, dass es von zentraler Bedeutung ist, genügend Wohnungen auf den Markt zu bringen, um die Nachfrage zu befriedigen. Hierfür braucht es – und ich weiß, ich wiederhole mich, aber es bleibt zentral: Effizientere Widmungs- und Bauverfahren, eine Vereinfachung der Bauvorschriften sowie Anreize für Eigentumsbildung und Investitionen in den Wohnbau. Es gibt genügend praxisnahe und teilweise international bewährte Maßnahmen, die rasch umgesetzt werden könnten. Es ist ausschließlich eine Frage der politischen Prioritäten, das auch in Angriff zu nehmen. Angesichts der eindeutigen Prognosen zur immer weiter aufgehenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage in den österreichischen Großstädten, ist es geradezu fahrlässig, nicht sofort und konsequent zu handeln.

Um hier nicht nur ein negatives Bild zu zeichnen, kann ich auch Positives berichten. Wenngleich dies leider nicht für alle Branchenplayer der Fall ist, setzt die BUWOG wieder in allen Bereichen auf Wachstum.

Trotz der nach wie vor (noch) nicht optimalen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen treiben wir unsere Projektentwicklung wieder mit voller Kraft voran. Als Bauträger tragen wir gesellschaftliche Verantwortung und sehen es deshalb als unsere Aufgabe, aktiv einen Beitrag zur Vermeidung einer Wohnungsnot zu leisten. In Österreich startet in diesem Jahr der Bau von rund 1.500 Wohneinheiten, rund 450 Wohnungen werden 2026 fertiggestellt. Damit leisten wir einen aktiven Beitrag zur Entlastung eines strukturell angespannten Wohnungsmarkts.

Selbstverständlich kann kein einzelnes Unternehmen den Wohnungsmarkt im Alleingang wiederbeleben. Doch jede Baubewilligung, jede erfolgreiche Umwidmung und vor allem jedes fertiggestellte Projekt ist ein Schritt hin zu mehr Wohnraum und damit zu spürbarer Entlastung für Wohnungssuchende.

Autor: Andreas Holler

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