Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen

Welche Branchen sind am stärksten betroffen und welche Maßnahmen werden voraussichtlich umgesetzt?
© Management Factory / David Bohmann
Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen
Julian Wildpaner, Partner der Management Factory im Bereich Financial Advisory.

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Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine große Insolvenz publik wird, neue Zölle die Lieferketten stören oder trübe Wirtschaftsprognosen die Schlagzeilen dominieren. Die aktuell herausfordernde Lage führt für zahlreiche Unternehmen in Österreich zu akutem Handlungs- und Restrukturierungsbedarf, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Österreich bleibt eines der EU-Länder mit den niedrigsten Wachstumsraten. Die Produktivität entwickelt sich schwach und bleibt ein wachstumshemmender Faktor für die Wirtschaft.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage: Wie werden sich die Wirtschaft und die „Restrukturierungslandschaft“ in Österreich im Jahr 2026 entwickeln? Welche Branchen werden besonders betroffen sein? Welche Maßnahmen müssen jetzt rasch umgesetzt werden und wie können sich Unternehmen bestmöglich auf zukünftige externe Schocks wie höhere Zölle, geopolitische Konflikte, steigende Preise oder Ähnliches vorbereiten?

Ansteigende Restrukturierungsfälle

Im Auftrag der Management Factory, Österreichs führendem Anbieter im Executive Interim Management, wurden nun knapp 300 Expertinnen und Experten aus dem Restrukturierungsbereich befragt. Die Studie, die im Oktober und November 2025 von Makam Research durchgeführt wurde, zeigt eine verhaltene wirtschaftliche Stimmung.

Die meisten Befragten blicken pessimistisch in die Zukunft der heimischen Unternehmen. Fast zwei Drittel glauben, dass der Anteil an nötigen Restrukturierungen hierzulande höher sein wird als im EU-Durchschnitt.

Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen
© Management Factory / Makam Research

Relativ einig sind sich die Expertinnen und Experten in einem Punkt: Die Zahl der Restrukturierungsfälle wird innerhalb der nächsten 12 Monate steigen. Fast 40 % rechnen sogar mit einem deutlichen Anstieg, während nur 1 % von einem Rückgang ausgeht.

Ziemlich eindeutig fiel die Einschätzung der Expertinnen und Experten hinsichtlich der Branchen mit dem größten Restrukturierungsbedarf aus: 83% sehen die Automobilbranche unter den Top 3 mit dem größten Restrukturierungsbedarf, gefolgt von der produzierenden Industrie (71%). Weitere Sektoren, die unter signifikantem Druck stehen, sind das Bauwesen und der Immobiliensektor (39%) sowie der Einzelhandel (31%).

Strategie, Kosten und Prozesse stehen im Fokus

Die Umfrage zeigt klar, dass die Unternehmen in diesen Branchen vor tiefgreifenden Herausforderungen stehen, die mehr als nur operative Anpassungen erfordern.

In der Automobilindustrie halten 55 % die Überarbeitung der Strategie für eine der drei wichtigsten Maßnahmen. 47 % sehen Kostensenkungsprogramme und Effizienzsteigerungen unter den Top 3, gefolgt von 40 %, die eine Restrukturierung von Strukturen und Prozessen nennen.

Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen
© Management Factory / Makam Research

Relativ ähnlich fällt das Bild in der produzierenden Industrie aus: 58 % nennen Kostensenkungen und Effizienzsteigerungsprogramme als eine der drei wichtigsten Maßnahmen, 43 % die Restrukturierung von Strukturen und Prozessen und 34 % die Überarbeitung der Strategie. Dieselben drei Hebel werden im Einzelhandel als prioritär angesehen.

Die Ergebnisse dieser drei Branchen Automobil- und produzierende Industrie sowie Einzelhandel machen deutlich, dass Unternehmen vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen stehen: In allen drei Fällen gelten die Überarbeitung der Strategie, Kostensenkungen sowie die Optimierung von Prozessen und Strukturen als die entscheidenden Hebel, um Restrukturierungen erfolgreich zu meistern und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Der Anpassungsdruck ist in einigen Branchen massiv. Viele Unternehmen müssen ihre Strategien komplett überarbeiten und stehen vor tiefgreifenden Kostensenkungen. Zusätzlich müssen sie Prozesse grundlegend neu strukturieren und die Liquidität verbessern. Wichtig ist, dass jetzt nicht nur kosmetische Korrekturen vorgenommen werden: Unternehmen müssen sich neu aufstellen, um auch in sehr volatilen Zeiten ihre Zukunftsfähigkeit zu sichern. Das erfordert hochqualifiziertes und erfahrenes Management und oftmals externe Begleitung“, erörtert Gerhard Wüest, Gründungspartner der Management Factory und Vorstandsmitglied von ReTurn, dem Forum Restrukturierung und Turnaround.

Zentrale Probleme: Bürokratie, Personalkosten, Zölle und Managementfehler

Neben dem allgemein schwierigen Marktumfeld machen aber auch andere Faktoren den Unternehmen zu schaffen:

Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen
© Management Factory / Makam Research

Als Risikofaktor für die wirtschaftliche Entwicklung nennt fast die Hälfte der Expert:innen Bürokratie & regulatorische Anforderungen (48 %). Daneben sind die Entwicklung der Personalkosten (44 %) sowie Handelskonflikte und Zölle (39 %) die häufigsten genannten Faktoren.

Anstehende Restrukturierungswelle erfasst heimische Unternehmen
© Management Factory / Makam Research

Doch viele Probleme sind auch „hausgemacht“: Die befragten Expertinnen und Experten aus dem Restrukturierungsbereich, die naturgemäß viel Einblick in heimische Unternehmen haben, geben vielfach an, dass eine „unklare oder falsche Strategie“ (61%) sowie „Management und Führungsprobleme“ (47%) wichtige Faktoren sind, die zu Restrukturierungsfällen führen.

Fazit

Insgesamt sind Unternehmen in Österreich schlecht oder sehr schlecht auf externe Schocks wie geopolitische Konflikte oder Lieferkettenkrisen vorbereitet (50% Zustimmung). Und ganze 97% der Befragten finden, dass Unternehmen solche Risiken stärker berücksichtigen sollten.

Um die Widerstandsfähigkeit in diesem Bereich zu erhöhen, werden vor allem drei Maßnahmen genannt:

„Unsere Studie zeigt klar: Unternehmen müssen ihre Abhängigkeiten von bestimmten Lieferanten oder einzelnen Absatzmärkten reduzieren. Außerdem sollten sie zusätzliche Reserven aufbauen, insbesondere auf der Liquiditätsseite. Und es braucht eine flexiblere Kostenstruktur, um auf rasche Veränderungen schneller reagieren zu können“, ergänzt Julian Wildpaner, Partner der Management Factory im Bereich Financial Advisory.

https://mf.ag

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