Hohe Kündigungsrate bereits im ersten Jahr – eine Analyse der Motive und Erwartungen

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Hohe Kündigungsrate bereits im ersten Jahr – eine Analyse der Motive und Erwartungen

Zu niedriges Gehalt, Unzufriedenheit mit der Führungskraft und Teamkultur zählen zu den Top-Gründen.

Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland waren schon einmal mit einem neuen Job unzufrieden – und jeder zweite Deutsche (50 %) hat als Folge schon einmal in der Probezeit bzw. im ersten Jahr einen neuen Job von sich aus wieder gekündigt. Das geht aus der aktuellen Meinungsumfrage des Jobs-Netzwerks XING in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Appinio hervor.

Ein Blick auf die Geschlechter macht deutlich, Männer gehen diesen Schritt mit rund 52 Prozent tendenziell öfter als Frauen (48%). Dabei ist es insbesondere die Generation Y (58%), die bereits nach wenigen Monaten im neuen Job kurzen Prozess macht – keine Generation kündigt häufiger innerhalb der ersten 12 Monate. Generell zeigt sich, dass jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Unzufriedenheit im neuen Job deutlich kurzentschlossener das Beschäftigungsverhältnis beenden als ältere Beschäftigte (47% Generation X; 44% Babyboomer).

Laut Siegfried Götzinger, Geschäftsführer onlyfy by XING in Österreich, zeigt sich hierzulande ein ähnliches Bild: „Die Ergebnisse der Studie aus Deutschland sind ähnlich dem Feedback von Unternehmen in Österreich. Wir stellen fest, dass Arbeitgeber für dieselben Jobs oft zweimal – oder öfter – pro Jahr passende Kandidatinnen oder Kandidaten über unsere Plattformen und Produkte suchen. Das ist primär darauf zurückzuführen, dass Arbeitnehmer nach nur wenigen Monaten ihren Job wieder kündigen“.

Vergütung und Stress als Motiv für frühzeitige Kündigung

Die Gründe für Beschäftigte nach nur wenigen Monaten im neuen Job wieder zu kündigen sind vielfältig: Insbesondere ein als zu niedrig empfundenes Gehalt (43%), die Unzufriedenheit mit der Führungskraft (43%) und eine unpassende bzw. schlechte Teamkultur (34%) treiben Beschäftigte zur Kündigung innerhalb des ersten Jahres. Aber auch die Unzufriedenheit mit den Arbeitsaufgaben (34%), ein zu hohes Stresslevel (30%) sowie zu viele Überstunden (26%) sind Auslöser für eine frühzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

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„Aus den Ergebnissen geht hervor, dass es meist ein Zusammenspiel aus mehreren Gründen ist, die Beschäftigte dazu bringen nach nur kurzer Zeit einen neuen Job zu kündigen – die Befragten gaben durchschnittlich drei Gründe an“, sagt XING-Arbeitsmarktexperte Julian Stahl.

Während Männer mit Abstand am häufigsten angeben, dass ein zu niedriges Gehalt sie zur Kündigung bewogen hat (49%), fallen die Antworten bei Frauen differenzierter aus. Für sie sind vor allem die Unzufriedenheit mit Personen, also mit der Führungskraft (43%) oder der Teamkultur (35%), Auslöser für eine frühzeitige Kündigung.

Auch mit Blick auf die verschiedenen Generationen zeigen sich Unterschiede. Für die Generation Z waren im Vergleich zu älteren Beschäftigten häufiger ein als zu niedrig empfundenes Gehalt (50% im vgl. 34% der Babyboomer) und die Unzufriedenheit mit der Teamkultur (40% im vgl. 26% der Babyboomer) Gründe für eine frühzeitige Kündigung. In einem Punkt sind sich Jung und Alt einig: Die Unzufriedenheit mit der Führungskraft war für rund 46 Prozent beider Generationen ein Kündigungsgrund.

Beschäftigte bereuen frühzeitige Kündigung nicht

Ist die Entscheidung für eine Kündigung nach nur wenigen Monaten im neuen Job erst einmal getroffen, bereuen Beschäftigte diese in der Regel nicht. Rund 80 Prozent der Befragten empfanden ihre Entscheidung nicht als verfrüht.

Vor allem Frauen sind sich ihrer Sache sicher (85% im vgl. 75% der Männer). Dass ein erneuter Wechsel die richtige Entscheidung für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist, zeigt sich auch daran, dass 91 Prozent der Befragten angeben, im nachfolgenden Job zufriedener zu sein.

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Professionalisierung des Recruiting-Prozesses

Die hohe Anzahl an frühzeitigen Kündigungen in neuen Beschäftigungsverhältnissen hat Folgen, die sowohl für Beschäftigte als auch Arbeitgeber nicht optimal sind.

„Ein erneuter Recruiting- und Onboarding-Prozess ist für beide Seiten mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden. Die Reibungsverluste durch Fehleinstellungen bedeuten im volkswirtschaftlichen Sinne einen Schaden, der sich verhindern lässt“, sagt XING-Arbeitsmarktexperte Julian Stahl.

„Es ist wichtig, dass beide Seiten bestmögliche Transparenz schaffen. Je konkreter Job-Suchende wissen und vor allem auch kommunizieren, worauf es ihnen bei einem potenziellen Arbeitgeber ankommt, desto besser passen sie mit ihren Vorstellungen sowohl fachlich als auch kulturell zusammen“, ergänzt Siegfried Götzinger.

Abschließend sieht der Geschäftsführer von onlyfy by XING in Österreich auch die Unternehmen in der Pflicht: „Für den Arbeitgeber empfiehlt es sich ebenfalls, offen und transparent die Situation am Arbeitsplatz aufzuzeigen. Während des Recruiting-Prozesses sollte es nicht nur um den Lebenslauf gehen, sondern auch darum, sich menschlich besser kennenzulernen. Hierfür kann beispielsweise ein Probetag mit dem potenziellen Team im Vorfeld sinnvoll sein. Auch, wenn es keine hundertprozentige Garantie gibt, dass der Job passt, kann die Zahl der Kündigungen im ersten Jahr durch eine Professionalisierung des Recruiting-Prozesses reduziert werden“.

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