„Great Resignation“ in weiten Teilen der Welt angekommen

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Nicole Prieller, New World New Skills Leader bei PwC Österreich

17.06.2022 | 3 min

„Great Resignation“ in weiten Teilen der Welt angekommen

So lautet das Kernergebnis der „Global Workforce Hopes and Fears“ Studie von PwC.

Die „Great Resignation“, also die große Kündigungswelle, die in den USA ihren Anfang genommen hat, ist mittlerweile auch in weiten Teilen der Welt angekommen. Denn eine:r von fünf Beschäftigten weltweit hält es für wahrscheinlich, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitsplatz zu wechseln. Das besagt die „Global Workforce Hopes and Fears“ Studie von PwC unter 52.000 Arbeitnehmer:innen in 44 Ländern, eine der größten je durchgeführten Umfragen zur Arbeitsmarktentwicklung.

Zentral: Mehr Gehalt

Die Studie zeigt zudem auf, dass 35% planen, ihren Arbeitgeber in den nächsten zwölf Monaten um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Dabei ist der Druck auf die Gehälter im Tech-Sektor am höchsten, wo 44% der befragten Studienteilnehmer:innen eine Gehaltsverhandlung planen – am niedrigsten liegt dieser Wert mit 25% im öffentlichen Sektor. Der Wunsch nach einem höheren Gehalt ist für 71% der Befragten auch der Hauptgrund für einen Jobwechsel. Danach zählen die Suche nach einem erfüllenden Job (69%) sowie das Bedürfnis bei der Arbeit „man selbst sein zu können“ (66%) zu den Top 3 Voraussetzungen, die Arbeitnehmer:innen suchen. Für knapp die Hälfte (47%) ist zudem die Wahl des Arbeitsortes entscheidend.

„Neben dem enormen Bedarf an Möglichkeiten zur Weiterbildung, sind Beschäftigte auch auf der Suche nach angemessener Entlohnung. Sie wollen außerdem mehr Kontrolle darüber, wie sie arbeiten und sie versuchen größeren Sinn in ihrer Arbeit zu finden. Führungskräfte müssen sich anpassen, um mit den aktuellen und künftigen Herausforderungen und Chancen erfolgreich umgehen zu können,“ erklärt Nicole Prieller, New World New Skills Leader bei PwC Österreich. 

© panthermedia/Rabanser (YAYMicro)

Die polarisierte Belegschaft

Frauen gaben mit einer um 7% geringeren Wahrscheinlichkeit als Männer an, dass sie sich angemessen entlohnt fühlen, während Frauen wiederum um 7% weniger wahrscheinlich um eine Gehaltserhöhung bitten werden. Bei der Beförderung zeigt sich ein ähnliches Bild: 8% weniger Frauen planen, ein entsprechendes Gespräch zu führen, da sie sich auch weniger von ihren Vorgesetzten gehört fühlen als ihre männlichen Kollegen. 

Die Studie verdeutlicht auch signifikante Unterschiede zwischen Generationen: Arbeitnehmer:innen aus der Gen Z sind weniger zufrieden mit ihrem Job und machen sich doppelt so häufig Sorgen, in Zukunft durch Technologie ersetzt zu werden als Baby Boomer. 

Spaltender Faktor Qualifikation 

Einer der Hauptgründe der Polarisierung sind Qualifikationen. Die Daten zeigen, dass Personen mit gefragten Qualifikationen eher mit ihrem Job zufrieden sind als jene, mit weniger gefragten Fähigkeiten (70% vs. 52%). Das äußerst sich auch in dem Befinden, dass ihre Vorgesetzten ein offenes Ohr für sie haben (63% vs. 38%).

„In einem hart umkämpften Arbeitsmarkt ist es umso wichtiger, dass Unternehmen einen menschengeführten, technologiegetriebenen Ansatz wählen. Das bedeutet sowohl in digitale Transformation als auch in Fertigkeiten der Mitarbeiter:innen zu investieren. Der Fokus sollte dabei auf die Stärkung der Fähigkeiten von qualifizierten Arbeitnehmer:innen, dem Bereitstellen von Zugangsmöglichkeiten für jene, denen es an Qualifikationen mangelt und der Automatisierung, die Menschen entlastet, liegen. Es geht sowohl um die Ausbildung von Lehrlingen als auch die Einstellung von Uniabsolvent:innen, wobei eine Verpflichtung zu kontinuierlicher Weiterbildung benötigt wird“, so Expertin Prieller.

Täglicher Austausch über gesellschaftliche Probleme 

Die Studie zeigt, dass 65% der Arbeitnehmer:innen soziale und politische Themen mit ihren Kolleg:innen besprechen, wobei der Prozentsatz für jüngere Beschäftigte (69%) und ethnische Minderheiten (73%) höher ist. Während Führungskräfte beunruhigt sind, wenn die Belegschaft solche potenziell polarisierenden Themen am Arbeitsplatz besprechen, ist die Auswirkung positiv: 79% gaben mindestens ein positives Resultat solcher Gespräche an. Mit politischen und gesellschaftlichen Themen am Arbeitsplatz liegt es an Unternehmen, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die eine positive offene Gesprächskultur sichert und gleichzeitig die negativen Auswirkungen eindämmt.

„Eine diverse Belegschaft bringt unvermeidbar unterschiedliche Meinungen über wesentliche gesellschaftliche Probleme mit an den Arbeitsplatz. Es liegt an den Führungskräften sicherzustellen, dass Teams von diesen Diskussionen eher profitieren anstatt von ihnen gespalten werden. Arbeitnehmer:innen, vor allem jüngere und ethnische Minderheiten, spüren die Vorteile von respektvollen und toleranten Gesprächen“, so Nicole Prieller.

Hybrid Work bevorzugt 

Ein erheblicher Teil der weltweiten Belegschaft kann nicht remote arbeiten. Es sind 45% der Befragten in der PwC Umfrage und sie sind weniger zufrieden mit ihrer Arbeit als diejenigen, die hybrid oder vollständig remote arbeiten (50% gegenüber 63%). Arbeitnehmer:innen, die nicht remote arbeiten können, geben auch weitaus seltener als andere an, dass sie ihre Arbeit als erfüllend empfinden, dass ihr Team an ihrem Wohlergehen Interesse hat, oder dass sie finanziell fair entlohnt werden.

Über die Studie

Für diese Studie über Veränderungen in der modernen Arbeitswelt hat PwC im März 2022 mehr als 52.000 Personen in insgesamt 44 Ländern befragt. Die Stichprobe wurde darauf ausgelegt, eine Reihe von Branchen, demographischen Charakteristiken und Arbeitsmuster widerzuspiegeln. Die Stichprobengröße wurde skaliert, um den Anteil am globalen BIP eines jeden Landes darzustellen. Die Altersklassen werden unterteilt in Gen Z (18-25 Jahre), Millenials (26-41 Jahre), Gen X (42-57 Jahre) und Baby Boomer (58-76 Jahre).

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

https://www.pwc.at