Wirtschaftliche Stabilisierung der Eurozone bleibt fragil und uneinheitlich

Geopolitische Spannungen im Nahen Osten erhöhen Risiken für Wachstum und Inflation.
© Creditreform Rating
Wirtschaftliche Stabilisierung der Eurozone bleibt fragil und uneinheitlich
Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Rating.

Teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp

Die Wirtschaft im Euroraum tritt 2026 in eine Phase moderater Erholung ein. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Jahr um 1,2 Prozent wachsen und sich 2027 auf rund 1,5 Prozent beschleunigen.

© Creditreform Rating

Das Wachstum dürfte vor allem durch ansteigende Realeinkommen und EU-finanzierte öffentliche Investitionen getragen werden. Strukturelle Faktoren wie schwaches Produktivitätswachstum, eine zunehmende Fragmentierung des Welthandels und geopolitische Unsicherheiten begrenzen die Stärke der Erholung.

„Europa hat die Phase akuter Inflationssorgen hinter sich gelassen. Die wirtschaftliche Stabilisierung ist sichtbar, doch der Aufschwung bleibt fragil und uneinheitlich. Entscheidend wird nun sein, ob Investitionen und Strukturreformen ausreichen, um das Wachstumspotenzial nachhaltig zu erhöhen“, erörtert Benjamin Mohr, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Rating.

© Creditreform Rating

Gleichzeitig hat sich der Inflationsdruck deutlich abgeschwächt: Die Gesamtinflation im Euroraum lag im Februar 2026 bei 1,9 Prozent und damit nahe dem Zielwert der Europäischen Zentralbank.

Vor diesem Hintergrund hat die EZB ihren Lockerungszyklus beendet und dürfte den Einlagensatz im Jahr 2026 bei 2,0 Prozent stabil halten.

„Das Jahr 2026 wird zu einem wichtigen Test für die Glaubwürdigkeit angekündigter Reformen in Europa. Nur eine konsequente Umsetzung kann langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken“, unterstreicht Benjamin Mohr.

Unsicherheitsfaktor Geopolitik

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten erhöht jedoch die Unsicherheit für die globale Konjunktur. Insbesondere mögliche Störungen von Öl- und Gaslieferungen aus der Golfregion könnten kurzfristig zu höheren Energiepreisen führen und damit erneut Inflationsdruck erzeugen.

Ein großer Teil des weltweiten Ölhandels wird über die Straße von Hormus abgewickelt, einen zentralen Engpass im globalen Energiesystem.

„Sollte der Konflikt zu länger anhaltenden Störungen im Energiehandel führen, könnten steigende Öl- und Gaspreise die Inflation wieder erhöhen und die geldpolitischen Perspektiven verändern. Ob daraus ein nachhaltiger makroökonomischer Effekt entsteht, hängt jedoch maßgeblich von der Dauer und Intensität der geopolitischen Spannungen ab“, verdeutlicht Benjamin Mohr.

Stabilisierung in Deutschland

Für Deutschland rechnet Creditreform Rating mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent im Jahr 2026 und 1,5 Prozent im Jahr 2027. Nach mehreren Jahren schwacher Dynamik deutet dies auf eine zyklische Stabilisierung der deutschen Wirtschaft hin.

Wirtschaftliche Stabilisierung der Eurozone bleibt fragil und uneinheitlich
© Creditreform Rating

Steigende Reallöhne unterstützen den privaten Konsum. Gleichzeitig könnten das Infrastrukturprogramm sowie höhere Verteidigungsausgaben zusätzliche Investitionsimpulse setzen. Erste Frühindikatoren sprechen zudem für eine Stabilisierung der Industrie.

© Creditreform Rating

Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen erheblich. Demografischer Wandel, Fachkräfteengpässe, steigende Lohnstückkosten und eine zunehmende Fragmentierung des Welthandels belasten insbesondere exportorientierte Branchen. Der Arbeitsmarkt dürfte sich moderat abkühlen, bleibt im historischen Vergleich jedoch robust.

Heterogene Erholung im Euroraum

Die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum bleibt uneinheitlich. Spanien entwickelt sich weiterhin dynamischer, während Deutschland und Frankreich eine schrittweise Stabilisierung zeigen.

© Creditreform Rating

Gleichzeitig differenzieren Investoren an den europäischen Staatsanleihemärkten zunehmend stärker nach fiskalischer Glaubwürdigkeit der einzelnen Länder.

Vereinigtes Königreich im Balanceakt zwischen Kosten und Wachstum

Die britische Wirtschaft steht vor der Herausforderung, steigende gesetzliche Lohnkosten und eine schwache Binnennachfrage zu bewältigen. Während die Geldpolitik zunehmend wachstumsorientierter wird, bleibt die mittelfristige Entwicklung stark von Produktivitätsfortschritten im Dienstleistungssektor abhängig.

US-Wachstumsdynamik lässt nach

In den USA belastet eine Kombination aus handelspolitischer Unsicherheit, schwächerem Konsum und steigenden fiskalischen Ungleichgewichten die wirtschaftliche Dynamik. Die US-Notenbank agiert derzeit abwartend und dürfte weitere Zinsschritte von der Entwicklung des Arbeitsmarktes abhängig machen.

https://creditreform-rating.de

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Melden Sie sich hier an

Sie sind noch nicht registriert?