Wie reagieren Familienbetriebe aus der DACH-Region auf aktuelle Spannungsfelder?

Ein Großteil der Unternehmen sieht im technologischen Fortschritt das größte Wachstumspotenzial.
© PwC Österreich
Wie reagieren Familienbetriebe aus der DACH-Region auf aktuelle Spannungsfelder?
Rudolf Krickl, CEO und Family Business Leader von PwC Österreich.

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Die österreichische Wirtschaft ist stark von Familienunternehmen geprägt. 198.800 Betriebe beschäftigen knapp 2,2 Millionen Menschen und erwirtschaften Umsätze von rund 570 Milliarden Euro. Doch angesichts globaler Machtverschiebungen, technologischer Disruptionen und klimabedingter Risiken befinden sie sich an einem historischen Wendepunkt:

Die geopolitische Ordnung nach dem Kalten Krieg zerfällt, neue Allianzen wie Russland, China und Indien gewinnen an Einfluss, imperialistische Strömungen setzen sich durch, das transatlantische Verhältnis ist belastet, die EU ist zunehmend auf sich selbst gestellt. Lieferketten und Märkte müssen über Nacht neu gedacht werden.

Gleichzeitig beginnen Familienbetriebe, Herausforderungen wie globale Krisen oder technologische Umbrüche als Chance zu nutzen. Sie erkennen, dass wahre Resilienz nur mit strategischer Öffnung gelingt, und sehen im technologischen Fortschritt enormes Wachstumspotenzial.

Strategische Neuausrichtung im Fokus

Die Bilanzen der deutschsprachigen Familienunternehmen zeichnen ein gemischtes Bild.

Wie reagieren Familienbetriebe aus der DACH-Region auf aktuelle Spannungsfelder?
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Fast jedes dritte Unternehmen (30 %) musste 2025 Umsatzeinbußen verkraften, doppelt so viele wie im globalen Durchschnitt (15 %). Gleichzeitig geben 41 % ein Umsatzwachstum an, global sind es 57 %. Entsprechend realistisch sind die Erwartungen an die kommenden zwei Jahre: Knapp 60 % rechnen mit einem Wachstum (global 73 %).

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Als größte Herausforderung im letzten Jahr wurde der immense Wettbewerbsdruck (74 %), Talententwicklung (55 %) und hohe Regulierung (34 %) genannt. Auch zukünftig bleibt der Fachkräftemangel für 61 % der deutschsprachigen Familienunternehmen ein großes Problem – ein Bereich, in dem Kooperationen und Netzwerke Abhilfe schaffen können.

„Die traditionellen Stärken von Familienunternehmen – Stabilität und Langfristigkeit – werden auf eine harte Probe gestellt. Die Zahlen zeigen aber auch, dass Unternehmen, die nicht länger allein auf das bisherige Kerngeschäft setzen, gestärkt herauskommen können. Der Druck kommt von allen Seiten und zwingt die Unternehmen, neue Strategien zu entwickeln“, erklärt Rudolf Krickl, CEO und Family Business Leader von PwC Österreich.

Agilität und Entscheidungsgeschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil

Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum verfügen über klare Wettbewerbsvorteile: Allen voran ihre langfristige Perspektive und Beständigkeit (74 %), eine starke Mitarbeiterloyalität (72 %) sowie ein stabiles Wertegerüst (65 %).

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Hinzu kommt eine hohe Agilität, die sich besonders in schnellen Entscheidungen (73 %) und rascher operativer Anpassungsfähigkeit (69 %) zeigt. Um diese Stärken zu bewahren, braucht es gezielt eingesetzte technologische Innovationen. Familienunternehmer im DACH-Raum sind hier ambitioniert: 73 % sehen technologischen Fortschritt und 71 % Automatisierung als zentrale Hebel – deutlich über dem globalen Durchschnitt von 65 % beziehungsweise 64 %.

Doch zwischen Ambition und Realität klafft eine Lücke: Nur 24 % der Befragten bezeichnen sich als „Early Adopter“ neuer Technologien. Um diese zu schließen, sind gezielte Investitionen in digitale Kompetenzen, KI-Anwendungen und Schulungen der Belegschaft gefragt, damit auch Angst und Vorbehalte abgebaut werden.

Resilienz durch Öffnung

Die Studie zeigt, dass sich das Verständnis von Resilienz wandelt. Statt auf Abschottung setzen erfolgreiche Unternehmen auf gezielte Öffnung für externes Know-how.

So planen 39 % der Befragten aus dem DACH-Raum die Geschäftsführung um externe Expert:innen zu erweitern und 35 % wollen ihre Kontrollgremien für mehr Diversität anpassen, um unterschiedliche Perspektiven auf Themen wie Arbeitskultur, Nachhaltigkeit oder KI zu nutzen.

Darüber hinaus können Familienunternehmen verstärkt von Kooperationen mit Startups, anderen Familienunternehmen und Forschungseinrichtungen profitieren. Ebenso wichtig ist ein vorausschauender Nachfolgeplan: Während 53 % am Zeitplan festhalten, hat ein Drittel (34 %) der Unternehmen keinen klaren Nachfolgeplan. Gleichzeitig geben 44 % an, dass immer weniger der jungen Generation bereit ist, den Chefsessel zu übernehmen.

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Für die kommenden fünf Jahre sind die Prioritäten klar: An oberster Stelle stehen der Aufbau langfristiger Resilienz (90 %), die Steigerung der finanziellen Leistungsfähigkeit (82 %) und die Förderung digitaler Transformation (82 %).

„Der Wille ist da, entscheidend wird jetzt aber die Umsetzung sein. Die Botschaft an die Unternehmen lautet: Tempo aufnehmen, sich für neue Wege öffnen und die nächste Generation aktiv einbinden. Denn nur wer Geschwindigkeit, Offenheit und Innovationskraft vereint, kann in einer komplexen Welt als Vorreiter bestehen und die Zukunft seines Unternehmens langfristig sichern“, ergänzt Rudolf Krickl abschließend.

Das zeigt die 12. Global Family Business Survey von PwC. Für die aktuelle Studie wurden 1.325 Familienunternehmen aus 62 Ländern befragt, darunter 150 aus dem DACH-Raum.

Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.

https://www.pwc.at

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