Der Rechnungshof hat in seinem veröffentlichten Bericht „E-Commerce: Umsatzsteuer bei grenzüberschreitendem Versandhandel“ schwarz auf weiß bestätigt, wovor schon jahrelang gewarnt wird.
Es wird darin auf ein hohes Steuerausfallrisiko im grenzüberschreitenden E-Commerce hingewiesen. Umsätze aus dem europäischen OSS-System blieben über Jahre nahezu ungeprüft. Besonders hohes Missbrauchspotenzial weist der Import Onlinehandel bei Sendungen unter der Zollfreigrenze von 150 Euro auf.
Verlust der Kaufkraft
Eine der Kernaussagen des 136-seitigen Berichts ist, dass der grenzüberschreitende Onlinehandel rasant wächst und der Kaufkraft-Abfluss ins Ausland Jahr für Jahr zunimmt.

Für das Steueraufkommen in Österreich ist deshalb entscheidend, die Richtigkeit und Vollständigkeit aller gemeldeten Umsätze etwa von Fernost-Plattformen zu überprüfen. Der Rechnungshof mahnt auch ein, sicherzustellen, dass alle Unternehmen steuerlich gleichbehandelt werden. Dazu sollen risikoadäquate Kontrollen durchgeführt und angemessene Ressourcen bereitgestellt werden.

„Der Rechnungshof hat mit seinem heutigen Bericht die Warnungen des Handelsverbands klipp und klar bestätigt. Österreich kämpft im grenzüberschreitende Onlinehandel mit massiven Steuerausfällen in Milliardenhöhe. Der scheinbar günstige Warenbezug über Fernost-Plattformen wie Temu oder Shein kommt uns allen also letztlich teuer zu stehen. Millionen falsch deklarierter Pakete entziehen Städten und Gemeinden wichtige Kommunalsteuereinnahmen. Weniger lokale Jobs bedeuten auch weniger Steueraufkommen“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands.
Mangelhafter Vollzug von EU-Regularien
Die von der österreichischen Bundesregierung versprochenen strengeren Zollkontrollen sind ein wichtiger Schritt, ebenso die EU-weite Einhebung eines festen Zollsatzes von 3 Euro auf Lieferungen unter 150 Euro Warenwert aus Drittstaaten ab Juli 2026 sowie eine in Aussicht gestellte EU-weite Handling Fee ab November 2026.
Neue Regelungen allein reichen jedoch nicht. Das Hauptproblem im europäischen E-Commerce ist der mangelhafte Vollzug von EU-Regularien.

Obwohl große Plattformen wie Temu und Shein nach ihrer Benennung als „Very Large Online Platforms“ gemäß Digital Services Act (DSA) der Aufsicht der EU-Kommission unterliegen, umgehen sie EU-Vorgaben, Produktsicherheitsregeln und Verordnungen wie REACH (Chemikalien) meist ohne Konsequenz.
„Entscheidend ist, dass gesetzliche Vorgaben auch eingehalten und kontrolliert werden. Im Falle des europäischen One-Stop-Shop-Systems passiert dies laut Rechnungshof-Bericht nicht ausreichend. Eine Aufstockung der personellen Ressourcen und damit der Kontrollmöglichkeiten hat hier oberste Priorität“, unterstreicht Rainer Will.
Paketflut aus Fernost
Laut offiziellen Zahlen der EU-Kommission werden pro Stunde mehr als 500.000 Pakete mit online bestellten Warensendungen aus Drittstaaten in die EU eingeführt. Ohne Unterlass, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Von den 5,8 Milliarden Paketen mit Warenwert unter 150 Euro, die 2025 aus Fernost in die Europäische Union geliefert wurden, sind laut EU-Kommission zwei Drittel falsch deklariert, um Zollgebühren zu umgehen. 91% aller Pakete mit einem Wert unter 150 Euro kommen aus China.
Der 150- Euro-Schwellenwert für die Zollbefreiung von Waren wird von Betrügern systematisch ausgenutzt, unter anderem durch die Stückelung der Sendungen in Teillieferungen, so dass kein Zoll und zu wenig Einfuhrumsatzsteuer anfällt.
„Der direkte und indirekte Schaden für den heimischen Handel liegt bei bis zu 4,5 Milliarden Euro“, ergänzt Rainer Will.
Nähere Informationen zum „E-Commerce Aktionsplan 2026“ des Handelsverbands (HV) finden Sie hier.
