Welterschöpfungstag – Ressourcenverbrauch und Postwachstumspolitik

Endliche Ressourcen und unendliches Wachstum – ist es Zeit für eine neue Wirtschaft?
© BMK
Welterschöpfungstag – Ressourcenverbrauch und Postwachstumspolitik
Anna Leitner, Expertin für Ressourcen und Lieferketten bei GLOBAL 2000.

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Der österreichische Welterschöpfungstag war dieses Jahr bereits am 7. April, am selben Tag, an dem auch ein neuer trauriger Rekord für den frühesten 30-Grad-Tag in Österreich seit Beginn der Messgeschichte aufgestellt wurde.

Die Folgen der übermäßigen Belastung unseres Planeten und dem Überkonsum von Ressourcen werden immer deutlicher spürbar. GLOBAL 2000 sieht hier nun die Bundesregierung am Zug, endlich ins Handeln zu kommen, denn mit dem frühen Welterschöpfungstag liegt Österreich im globalen Spitzenfeld. Ein Vorantreiben der Energiewende allein ist hier nicht genug.

Ressourcenraubbau

Der österreichische Ressourcenverbrauch betrug 2018 167 Millionen Tonnen (Mt) pro Jahr oder 19 Tonnen pro Kopf und Jahr. Der konsumbasierte Materialfußabdruck lag im Jahr 2017 sogar bei 33 Tonnen pro Kopf und Jahr.

In der 2022 beschlossenen Kreislaufwirtschaftsstrategie haben Klimaschatzministerium, Landwirtschaftsministerium, Finanzministerium und Ministerium für Arbeit und Wirtschaft ein Ziel von 7 Tonnen Materialfußabdruck pro Person und Jahr für 2050 festgelegt.

„Wir leben im wahrsten Sinne des Wortes über unsere Möglichkeiten hinaus. Nur in 12 Ländern ist der Welterschöpfungstag früher als in Österreich! Doch noch immer setzt die Regierung zu wenige Maßnahmen, um den Ressourcenverbrauch zu senken. Stattdessen wird am Wirtschaftswachstum festgehalten, egal ob es den Bedürfnissen der Menschen dienlich ist oder den Ressourcenverbrauch für unnötigen Konsum ankurbelt“, erklärt Anna Leitner, Expertin für Ressourcen und Lieferketten bei GLOBAL 2000.

Wachstum um jeden Preis?

Würden alle Menschen weltweit so leben, wie wir in Österreich, dann wären die Ressourcen weltweit bereits Anfang April vollends aufgebraucht. Global 2000 setzte sich mit dieser Thematik detaillierter auseinander und stellte sich, gemeinsam mit Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrats, die Frage, ob die unendliche Wachstumstheorie ausgedient hat.

Welterschöpfungstag – Ressourcenverbrauch und Postwachstumspolitik
Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrats.
© Alexander Müller

Der Wirtschaftsexperte stellt klar fest, dass die Wirtschaft kein isoliertes System ist, sondern immer im sozialen und ökologischen Kontext betrachtet werden muss.

„Wir können nicht die Umweltbedingungen und die sozialen Bedingungen ignorieren. Ein naives Festhalten am Wachstum um jeden Preis ist nicht mehr zeitgemäß”, stellt Christoph Badelt fest.

Ein Erklärvideo beschäftigt sich mit eben diesen Themen – wie unter anderem der Konflikt zwischen unendlichem Wachstum und endlichen Ressourcen.

Ressourcenwende als Erfolgsrezept

Um ein Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen zu ermöglichen, sind umfassende Maßnahmen notwendig. Willi Haas vom Institut für soziale Ökologie an der Universität für Bodenkultur Wien stellt klar, dass ein ganzheitlicher Ansatz notwendig ist:

„Die notwendige starke Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wirtschaftswachstum ist nicht absehbar. Erst eine Abkehr vom wirtschaftlichen Wachstum als zentralem politischen Ziel und eine Zuwendung zu einem guten Leben als zentrale gesellschaftliche Entwicklungsrichtung macht die Ressourcenwende zu einem attraktiven Erfolgsprojekt.“

Stephan Lutter vom Institut für ökologische Ökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien sagt dazu:

„Die Erreichung der Klimaziele und Ressourcenschonung sind eng miteinander verknüpft. Nur auf alternative Energiequellen zu setzen, genügt nicht, denn eine drastische Reduktion unseres Ressourcenverbrauchs ist unumgänglich.”

Welterschöpfungstag – Ressourcenverbrauch und Postwachstumspolitik
© PantherMedia / yay_lmrb (YAYMicro)

EU-Rechtsrahmen und Beyond Growth Konferenz

Gemeinsam mit mehr als 100 anderen Organisationen, Thinktanks und Unternehmen sowie Wissenschafter:innen fordert GLOBAL 2000 deshalb in einem offenen Brief einen neuen EU-Rechtsrahmen für nachhaltiges Ressourcenmanagement.

„Im Gegensatz zu den Klimazielen gibt es auf EU-Ebene keine Strategie, wie wir den Ressourcenverbrauch in allen Sektoren eindämmen. Stattdessen gehen der EU Green Deal und der kürzlich beschlossene Critical Raw Materials Act von steigendem Ressourcenverbrauch aus und der Reduktion wird nur wenig Beachtung geschenkt. Wir fordern deshalb eine EU-Richtlinie, die verbindliche Ziele für die Verringerung des materiellen Fußabdrucks in der EU auf 5 Tonnen pro Kopf bis 2050 festlegt, in Einklang mit der Wissenschaft und mit stufenweisen Zielen”, verdeutlicht Anna Leitner.

Die Reduktion des Ressourcenverbrauchs in Österreich und Europa hätte viele Vorteile für alle Menschen: sie bringt strategische Autonomie, mehr Frieden und Sicherheit, Ressourcengerechtigkeit und ermöglicht die Erreichung unserer Klima- und Biodiversitätsziele.

Welche Wege in einen nachhaltigen Wohlstand ohne Wachstumsdruck bestehen, wird auch Thema der Beyond Growth Konferenz (13. – 15. Mai 2024) im österreichischen Parlament sowie im Billrothhaus sein.

Die Konferenz wird von GLOBAL 2000 gemeinsam mit Umweltdachverband, Degrowth Vienna und Doughnut Vienna organisiert und von dutzenden zivilgesellschaftlichen Organisationen wie der Volkshilfe und Wachstum im Wandel, Instituten und der Arbeiterkammer Wien sowie dem ÖGB unterstützt. Die Eröffnung findet im österreichischen Parlament statt, die restliche Konferenz im Billrothhaus. Namhafte Speaker:innen sind neben vielen anderen Christoph Badelt (Präsident des Fiskalrats und Vorsitzender des Produktivitätsrats), Sigrid Stagl (Institutsvorständin, Institute for Ecological Economics, WU Wien), Silvia Angerbauer (Bundesministerium für Landesverteidigung) und Kate Raworth (Doughnut Economics).

Nähere Informationen zur Beyond Growth Konferenz Austria 2024 finden Sie hier.

Die Anmeldung zur Konferenz finden Sie hier.

https://www.global2000.at

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