Künstliche Intelligenz (KI) verändert nicht nur Software und Dienstleistungen, sondern stellt auch die weltweite Nachfrage nach physischen Rohstoffen strukturell neu auf: von Kupfer und Seltenen Erden (Rare Earth Elements, REEs) bis zu Uran und Silizium.
Bisher galten vor allem die Energiewende und die zunehmend energieintensive Transformation hin zu Anwendungen wie Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen (gemeinsam als „Elektrifizierung“ bezeichnet) sowie der grüne Umbau der Energieerzeugung als Haupttreiber für den stetig wachsenden Rohstoffhunger.
Mit dem Ausbau KI-fähiger Rechenzentren, einer Modernisierung der Stromnetze und einer umfassenden Elektrifizierung erfährt die Nachfrage nach äußerst dringend benötigten Metallen und Rohstoffen nun eine bisher nicht gekannte Dimension.
Rohstoffe und Lieferketten
Als zentrales Metall der Elektrifizierung bildet Kupfer das unverzichtbare Rückgrat moderner Energie- und Digitalsysteme: Es ist essenziell für Stromnetze, Hochspannungsleitungen, Transformatoren, Kühlsysteme und die gesamte Infrastruktur, die KI-Rechenleistung überhaupt erst ermöglicht.
Mit der Beschleunigung globaler Elektrifizierungstrends durch KI steht Kupfer nun im Zentrum zweier sich überlappender Megazyklen: dem KI-Infrastrukturboom und dem weltweiten Übergang zur Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten KI-fokussierte Rechenzentren allein bis 2030 jährlich mehr als 500.000 Tonnen Kupfer und etwa 75.000 Tonnen Silizium benötigen. Diese zusätzlichen Bedarfe kommen zu einer bereits sehr hohen Ausgangsbasis hinzu: Die weltweite Nachfrage nach raffiniertem Kupfer liegt heute bei rund 28 Millionen Tonnen pro Jahr und dürfte bis zum Ende des Jahrzehnts auf über 31 Millionen Tonnen steigen. In vielen Anwendungen bleibt die Nachfrage selbst bei kurzfristigen Preisspitzen nahezu unempfindlich, da der Metallanteil an den Gesamtkosten gering ist und politische Ziele den Ausbau forcieren.
Gleichzeitig bleiben die Lieferketten für Kupfer, Aluminium, Silizium, Seltene Erden und Gallium stark geografisch konzentriert – wodurch westliche Volkswirtschaften zunehmend anfällig für geopolitische, klimatische und regulatorische Störungen werden.
Mit langen Vorlaufzeiten im Bergbau und strukturellem Unterinvestieren entlang der Wertschöpfungskette steuert die Welt auf einen dauerhaft engen, tendenziell aufwärtsgerichteten Kupferpreiszyklus zu, der von KI und Elektrifizierung angetrieben wird. Rund 60 % der weltweiten Produktion von raffiniertem Kupfer entfallen auf nur drei Länder – China, Chile und die Demokratische Republik Kongo –, wobei China allein etwa 42 % stellt. Bei Aluminium, Silizium, magnetischen Seltenen Erden und Gallium ist die Konzentration noch ausgeprägter: Über 90 % werden von einer kleinen Zahl an Produzenten kontrolliert, vor allem aus China.
Eine derart hohe Konzentration schafft systemische geopolitische Risiken: Exportbeschränkungen, Großmachtrivalität, Sanktionen, klimabedingte Produktionsstörungen und Energieschocks können das Angebot jederzeit abrupt verknappen. Mit dem Anstieg der KI- und Elektrifizierungsnachfrage wächst die strukturelle Verwundbarkeit westlicher Unternehmen, insbesondere in einer Phase zunehmender geopolitischer Spannungen und verschärftem Rohstoff-Nationalismus.
Elektrifizierung als Super-Treiber
Elektrifizierung ist der zweite zentrale Nachfragetreiber nach Kupfer sowie Seltenen Erden und strukturell ebenso wichtig wie KI. Im Rahmen des erhöhten Rohstoffbedarfs stechen drei zentrale Säulen hervor:
- Elektrifizierung des Verkehrs: Die schnelle Verbreitung von Elektrofahrzeugen, der Ausbau leistungsstarker Schnellladekorridore und die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs erzeugen einen erheblichen Kupferbedarf. Elektroautos benötigen drei- bis viermal mehr Kupfer als ein Verbrennungsmotor. Aufgrund der hohen Leitfähigkeit von Kupfer ist dieses zentral für Batterien, Motoren, Verkabelung und Ladeinfrastruktur.
- Transformation des Energiesystems: Die Integration großer Solar- und Windparks sowie die Modernisierung von Umspannwerken sind von Natur aus kupferintensiv. Eine Windkraftanlage benötigt etwa 25 Tonnen. Der Bedarf ist im Vergleich zu konventionellen Kraftwerken um den Faktor acht höher. Zudem zieht jedes zusätzliche Gigawatt erneuerbarer Energie und Speicherkapazität, das ans Netz geht, Transformatoren, Schaltanlagen, Stromschienen und Verkabelung nach sich – alle diese Komponenten haben einen hohen Kupferanteil.
- Elektrifizierung von Wärme und Industrie: Wärmepumpen, elektrisch betriebene Kessel und Prozesselektrifizierung in der Schwerindustrie sorgen für stetige, politisch gestützte Kupfernachfrage und verstärken zugleich den Bedarf an Seltenen Erden in industriellen Antrieben und Motoren.
Anders als zyklische Nachfrageimpulse ist die Elektrifizierung politisch verankert (CO2-Netto Null-Ziele, Industriepolitik, Energiesicherheitsvorgaben) und auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt. Dadurch wird das Nachfrageprofil stabiler und weniger preissensitiv.
Mit anderen Worten: Unabhängig vom KI-getriebenen Rechenzentrumsboom steigt die Grundnachfrage nach Kupfer kontinuierlich – gemeinsam mit der Zunahme des Einsatzes Seltener Erden in Motoren und hocheffizienten Systemen.
Kupfer als zentrales Bindeglied
Kupfer steht im Zentrum der globalen Elektrifizierungsarchitektur. Das „rote Gold“ ist ein entscheidender Baustein der KI-Ökonomie. S&P Global prognostiziert, dass der weltweite Stromverbrauch bis 2040 um nahezu 50 % steigen wird. Praktisch jede Ebene der Elektrifizierung – von erneuerbaren Erzeugungskapazitäten und Hochspannungsleitungen über Umspannwerke bis zu rasant wachsenden Hyperscale-Rechenzentren – ist stark kupferabhängig.
S&P Global schätzt, dass die installierte Rechenzentrumskapazität bis 2040 auf rund 550 Gigawatt bzw. auf das Fünffache des Niveaus von 2022 steigen könnte. Zusammen mit höheren Verteidigungsausgaben und der globalen Modernisierung der Stromnetze könnte dies einen zusätzlichen Kupferbedarf von rund vier Millionen Tonnen pro Jahr auslösen.

Ohne große Investitionen in Recycling, neue Minen und den Ausbau der Raffineriekapazitäten könnte die Welt in den 2030er-Jahren mit einem jährlichen strukturellen Kupferdefizit von mehr als zehn Millionen Tonnen konfrontiert sein.
Die enorme Dynamik auf der Nachfrageseite wirkt entsprechend preistreibend. Analysen der Weltbank, der UNCTAD (Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung) und der IEA (Internationale Energieagentur) beschreiben eine Kupferpreisentwicklung, die über Jahre hinweg hoch bleiben wird.
Die Weltbank erwartet steigende Preise bis mindestens Ende 2027, während die UNCTAD ein Nachfragewachstum von mehr als 40 % bis 2040 prognostiziert. Um eine langfristige Angebotslücke zu vermeiden, schätzt die UNCTAD, dass die Welt bis 2030 rund 80 neue Kupferminen und Investitionen von 250 Mrd. USD benötigen würde. Auch die IEA warnt vor einer möglichen Angebotslücke von rund 30 % bis 2035.
Obwohl die Preisentwicklung volatil bleiben wird, ist die Ertragskraft im Grundstoffsektor – insbesondere bei Kupfer und magnetischen Seltenen Erden – durch strukturelles Nachfragewachstum, lange Projektvorlaufzeiten und hochgradig konzentrierte Lieferketten untermauert.
Risiken für Unternehmen im Grundstoffsektor gibt es dennoch:
Die Raffination Seltener Erden und wichtige Kapazitäten im Kupferschmelzen sind stark auf wenige Länder konzentriert, wodurch Exportkontrollen, Zölle oder Konflikte Lieferketten schnell stören können. Für Unternehmen entstehen dadurch Risiken aus eingeschränkter Verfügbarkeit und hoher Preisvolatilität – je nachdem, ob Preis- oder Versorgungseffekte dominieren. Auch lange Entwicklungszeiten von über zehn bis zwölf Jahren, Umweltauflagen und Wasserknappheit können neue Bergbauprojekte verzögern und strukturelle Angebotsdefizite verlängern. Laut IEA sinken Investitionen und Explorationsaktivitäten trotz hoher langfristiger Nachfrage, was die zeitliche Lücke zwischen Projektzyklen und den Bedürfnissen der Endmärkte vergrößert.
Solche Entwicklungen könnten das Wachstum und Momentum in KI sowie Elektrifizierung bremsen und gleichzeitig steigende Rohstoffpreise bewirken, die den Grundstoffsektor unterstützen. Ein möglicher Belastungsfaktor für den Sektor wären höhere reale Zinsen, die insbesondere Junior-Miner und Projektentwickler in frühen Phasen betreffen würden.
Ausblick
Zusammenfassend hellen sich die Ergebnisaussichten für den Rohstoffsektor zunehmend auf: Die weitgehend preisunelastische Nachfrage aus KI- und Elektrifizierungstrends stärkt Umsätze und Margen insbesondere bei Kupfer- und Seltene-Erden-Produzenten. Gleichzeitig sorgt die knappe Angebotslage – zunächst preisgetrieben bis 2028, anschließend volumengetragen – für ein hohes Preisniveau, was starke Cashflow Generierung und steigende Ausschüttungsquoten ermöglicht. Das stützt nachhaltig die Gewinnentwicklung und Bewertungsmultiplikatoren des Sektors.
Anleger:innen haben vielfältige Möglichkeiten, von den Chancen im Rohstoffsektor zu profitieren. Der Grundsatz einer breiten Streuung gilt auch für Rohstoff-Veranlagungen, denn der Fokus auf ein einzelnes Unternehmen oder einen einzelnen Rohstoff kann erhebliche Risiken mit sich bringen. Eine einfache und effiziente Methode für Privatanleger:innen, um breit diversifiziert in den Rohstoffmarkt zu investieren, sind Rohstoff-ETFs bzw. -ETCs. Im Gegensatz zu Aktien-ETFs investieren viele Rohstoff-Produkte nicht in Unternehmen, sondern über Terminkontrakte in die physischen Rohstoffe selbst.
Für Anleger:innen, die sich im komplexen Produktdschungel nicht zurechtfinden und die Titelauswahl professionell gestalten möchten, bieten sich gemanagte Multi-Asset-Lösungen bzw. -Fonds an. Hier entscheiden Expert:innen über die gezielte und sinnvolle Beimischung von Rohstoffen im gesamten Portfolio.
