Realisierbare Ausbaupotenziale erneuerbarer Energien in Österreich

Ausbaupotenziale in allen relevanten Technologien ermöglichen Österreich das Erreichen der Klimaziele 2040.
© Klaus Ranger
Realisierbare Ausbaupotenziale erneuerbarer Energien in Österreich
Bernd Vogl, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds Österreich.

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Das AIT Austrian Institute of Technology hat gemeinsam mit führenden Forschungspartnern eine der bislang umfassendsten Analysen zu den erneuerbaren Energiepotenzialen in Österreich vorgelegt.

Die im Auftrag des Klima- und Energiefonds durchgeführte Studie liefert erstmals eine methodisch einheitliche und räumlich hochauflösende Bewertung bis auf Gemeindeebene und stellt damit eine zentrale wissenschaftliche Grundlage für strategische Entscheidungen in Energiepolitik, Infrastrukturplanung und Wirtschaft dar.

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Das AIT brachte insbesondere seine Expertise in den Bereichen Energiesystemmodellierung, Infrastrukturplanung und integrierte Analyse von Szenarien ein. Die Studie berücksichtigt Wechselwirkungen zwischen Strom-, Wärme- und Energiesektoren sowie unterschiedliche Entwicklungspfade („Low“, „Medium“, „High“), die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln.

„Durch die Kombination aus technologischer Detailanalyse, räumlicher Verortung und der Einbettung in allgemeine Rahmenbedingungen bietet sie eine fundierte Basis für den zielgerichteten Ausbau erneuerbarer Energien in Österreich“, informiert Klima- und Energiefonds Geschäftsführer Bernd Vogl.

Ausbaupotenzial über alle Technologien hinweg

Die Studie zeigt, dass Österreich bis 2030 und 2040 über erhebliche realisierbare Potenziale bei erneuerbaren Energien verfügt. Die Mobilisierung dieser Potenziale ist weniger durch technische Grenzen als durch Rahmenbedingungen wie Energieinfrastruktur, Flächenverfügbarkeit und Akzeptanz bestimmt.

„Mit dieser Studie haben wir erstmals gezeigt, welches konkrete Potenzial erneuerbare Energien in Österreich haben – und zwar nach einer einheitlichen Methode und sehr detailliert bis auf regionale Ebene. Wichtig ist dabei nicht nur, was technisch möglich ist. Entscheidend ist auch, unter welchen Voraussetzungen diese Energien tatsächlich genutzt werden können – etwa in Bezug auf Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen und die Akzeptanz in der Gesellschaft“, erörtert Gustav Resch, Projektleiter und Thematischer Koordinator am AIT.

Strom

Im Strombereich weisen Photovoltaik und Windenergie die größten zusätzlichen Ausbaupotenziale auf.

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Photovoltaik kann bis 2040 einen Beitrag von bis zu rund 50 TWh pro Jahr leisten, mit einem klaren Schwerpunkt auf Gebäuden und bereits versiegelten Flächen. Die Windenergie erreicht je nach Entwicklungspfad bis zu rund 42 TWh pro Jahr. Die Wasserkraft bleibt eine tragende Säule der Stromversorgung; zusätzliche Beiträge ergeben sich vor allem durch die Optimierung bestehender Anlagen und liegen insgesamt bei bis zu rund 10 TWh pro Jahr.

Wärme

Im Wärmesektor identifiziert die Studie besonders große und systemisch zentrale Potenziale bei Umwelt- und Umgebungswärme sowie bei der oberflächennahen Geothermie.

Diese Quellen können – vor allem in Kombination mit Wärmepumpen – jeweils realisierbare erneuerbare Beiträge von bis zu rund 20 TWh pro Jahr leisten und zählen damit zu den wichtigsten Bausteinen einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Ergänzend tragen Abwärme, Solarthermie und – standortabhängig – tiefe Geothermie zur Wärmewende bei.

Bioenergie

Bioenergie ist bereits heute ein zentraler Pfeiler der österreichischen Energieversorgung.

Realisierbare Ausbaupotenziale erneuerbarer Energien in Österreich
ANMERKUNG: Die Kategorie „Biomethan“ beinhaltet nur erneuerbare Gase auf Basis Vergärung. Mengen, die durch Vergasung holzartiger Biomasse erzeugt werden, sind in der Kategorie „SNG“ (Synthetic Natural Gas) zusammengefasst. *Angaben zum Status Quo beziehen sich auf das Jahr 2023.
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Das realisierbare Gesamtpotenzial liegt im Jahr 2040 bei rund 59 bis 72 TWh pro Jahr, wobei die untere Bandbreite in etwa dem heutigen energetischen Nutzungsniveau entspricht. Eine Ausweitung der Gesamtmenge ist möglich, eine veränderte Nutzung erscheint hingegen aus systemischer Sicht sinnvoll wie zum Beispiel ein Fokus auf die Nutzung von Prozesswärme.

Gebäude und Energieinfrastruktur

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Schlüsselrolle von Gebäuden und bestehender Infrastruktur für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Realisierbare Ausbaupotenziale erneuerbarer Energien in Österreich
© Klima- und Energiefonds
Realisierbare Ausbaupotenziale erneuerbarer Energien in Österreich
© Klima- und Energiefonds

Insbesondere bei der Photovoltaik liegt der Großteil der realisierbaren Potenziale auf Dächern, Fassaden sowie auf bereits versiegelten oder vorbelasteten Flächen wie Betriebsarealen, Parkplätzen und Infrastrukturanlagen.

Diese flächenschonende Nutzung ermöglicht einen substanziellen Ausbau bei hoher Akzeptanz und geringeren Nutzungskonflikten. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass der weitere Ausbau von Photovoltaik und Windenergie zwingend mit einem konsequenten Ausbau und einer Weiterentwicklung der Stromnetze sowie mit zusätzlichen Speicher- und Flexibilitätsoptionen verknüpft sein muss, um die fluktuierende Erzeugung systemverträglich integrieren zu können.

Auch im Wärmesektor kommt Gebäuden und Infrastruktur eine zentrale Rolle zu: Die Nutzung von Umwelt- und Abwärme, oberflächennaher Geothermie sowie weiterer erneuerbarer Wärmequellen hängt wesentlich vom Sanierungsstand der Gebäude, von niedrigen Systemtemperaturen und vom gezielten Ausbau effizienter Nah- und Fernwärmenetze ab.

Eine integrierte Planung von Gebäuden, Energie- und Netzinfrastruktur ist damit ein zentraler Hebel für eine effiziente und sozial verträgliche Energiewende.

„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass eine nahezu vollständige Versorgung mit erneuerbarer Energie bis 2040 technisch möglich ist – vorausgesetzt, der Ausbau erfolgt koordiniert und systemisch integriert. Insbesondere die Kopplung von Gebäuden, Energieinfrastruktur und regionalen Ressourcen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor“, so Gustav Resch.

„Die Studie zeigt klar: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist untrennbar mit einer modernen, leistungsfähigen Infrastruktur verbunden. Nur durch den konsequenten Ausbau und die Weiterentwicklung unserer Strom- und Wärmenetze sowie durch zusätzliche Speicher- und Flexibilitätslösungen können wir die vorhandenen Potenziale tatsächlich nutzen“, ergänzt Infrastrukturminister Peter Hanke.

Nähere Informationen zur Kurz- oder Langfassung der Studie finden Sie hier.

https://www.klimafonds.gv.at

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