Europas Energiewende erfordert strategische Neuausrichtung

Profitabilität und Finanzstärke der Energieversorger reicht nicht aus, um die Energiewende voranzutreiben.
© Roland Berger
Europas Energiewende erfordert strategische Neuausrichtung
Torsten Henzelmann, Managing Director bei Roland Berger.

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Europas Energiewende steht vor einer kritischen Bewährungsprobe. Bis 2030 benötigt das europäische Energiesystem Investitionen von rund 1 Billion Euro – für den Ausbau erneuerbarer Energien, die Modernisierung der Netzinfrastruktur, neue Speicherlösungen, Wasserstoff-Technologien sowie die Digitalisierung des Energiesystems.

Trotz kontinuierlicher Fortschritte verfügen viele führende Energieversorger nicht über die finanzielle Kraft, diese notwendigen Investitionen zu stemmen.

Fehlende Finanzkraft

Da die Margen der Versorger in den vergangenen Jahren unter Druck geraten sind und die Verschuldung steigt, wächst die Lücke zwischen Investitionsbedarf und finanzieller Leistungsfähigkeit.

© Capital IQ, Company information, Roland Berger

Der Roland Berger Transformations Indikator, der Rentabilität des eingesetzten Kapitals (ROCE) und Verschuldungsgrad kombiniert, offenbart ein besorgniserregendes Bild: Nur etwa 55 Prozent der führenden europäischen Versorger erfüllen die Mindestanforderungen für nachhaltige Transformationskraft.

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„Den Unternehmen, die die Energiewende anführen sollen, gehen die finanziellen Kräfte aus. Die Kapitalmärkte haben die intensiven Bemühungen und Investitionen der Versorger in die Energiewende bislang nicht honoriert, sodass die finanziellen Kapazitäten für die Fortsetzung der Transformation begrenzt sind“, erklärt Torsten Henzelmann, Managing Director bei Roland Berger und Co-Autor der Studie.

Strategische Archetypen mit unterschiedlichen Handlungsoptionen

Die Analyse gruppiert europäische Energieversorger in vier Kategorien:

„Transformation Powerhouses“ (39 Prozent) verfügen über starke Finanzkraft und große Anlagenbasen – sie sollten die Transformation aktiv vorantreiben und in neue Technologien diversifizieren.

Die „Locked-in Early Movers“ (36 Prozent) haben bereits massiv investiert, leiden aber unter den sinkenden Margen und der hohen Verschuldung. Ihr Fokus sollte auf der Sanierung ihrer Portfolios und der Entwicklung schlanker, serviceorientierter Geschäftsmodelle liegen.

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„Reinforcers“ (17 Prozent) mit soliden Bilanzen können als strategische Second Mover auftreten und in ausgereifte Technologien investieren. „Restricted Laggards“ (8 Prozent) schließlich müssen sich auf Kostenkontrolle und Effizienzsteigerung konzentrieren und möglicherweise strategische Partnerschaften eingehen.

„Die zentrale Erkenntnis ist eindeutig: Mehr Investitionen sind nicht automatisch besser. Viele Versorger sollten derzeit von groß angelegten Investitionen absehen und stattdessen ihre Profitabilität wiederherstellen. Die finanziell starken Energieversorger müssen die Führung übernehmen – doch selbst ihre Kapazität wird ohne zusätzliche öffentliche Finanzierung nicht ausreichen“, betont Marc Sauthoff, Partner bei Roland Berger und Co-Autor der Studie.

Die Studie zeigt auch, dass integrierte Versorger und unabhängige Stromproduzenten (IPPs) unterschiedlich positioniert sind: 67 Prozent der IPPs gelten als „Transformation Powerhouses“. Alle analysierten Energieversorger wurden als „Locked-in Early Movers“ klassifiziert – ein strukturelles Problem, da regulatorische Rahmenbedingungen nicht mit den Investitionsanforderungen Schritt halten.

Dies sind die zentralen Ergebnisse der neuen Roland Berger Studie „Timing the energy transition“, die erstmals die Transformationskraft der 60 größten europäischen Energieversorger systematisch untersucht hat.

Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.

https://www.rolandberger.com

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