Die Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. Quartal 2022

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Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform und TL-Stimme der Gläubiger

03.06.2022 | 2 min

Die Creditreform Privatinsolvenzstatistik für das 1. Quartal 2022

36 Insolvenzen pro Werktag, die Privatinsolvenzen stiegen um 22%.

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die endgültigen Zahlen bei den Privatinsolvenzen für das 1. Quartal 2022 in Österreich analysiert. Deren Gesamtzahl steigt um rund 22% auf 2.301 Verfahren weiter an und bewegt sich in Richtung Vor-Pandemie-Niveau. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist dabei um 19,4% auf rund 2.100, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen sind um 57,8% auf 183 Verfahren angestiegen.

Zu den Gründen meint Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform: „Die im Juli 2021 beschlossenen Reformen im Insolvenz- und Exekutionsrecht haben zu einer Trendumkehr geführt. Die schnelleren Entschuldungsmöglichkeiten finden immer größere Akzeptanz.“

Allgemein liegen die Insolvenzursachen in einem Zusammentreffen vieler Faktoren, die sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut haben: im Verlust des Arbeitsplatzes, in der gescheiterten Selbständigkeit sowie generell im zu sorglosen Umgang mit Geld. Auslöser sind dann oftmals zusätzliche Faktoren wie Krankheit und Scheidung. Gut ein Drittel der Schuldner sind gescheiterte Selbständige. Die Durchschnittsverschuldung liegt bei rund 60.000 Euro.

Quelle: Creditreform

Bundesländervergleich

Der Bundesländer-Vergleich zeigt den stärksten Zuwachs in Tirol (+103,9%), gefolgt von Niederösterreich (+48,2%) und der Steiermark (+31,8%). Sinkende Insolvenzen verzeichneten Vorarlberg (-5,4%), Salzburg (-4,8%) und Kärnten (-4,7%). Mehr als ein Drittel aller Privatinsolvenzen ereigneten sich in der Bundeshauptstadt, die traditionell sowohl Spitzenreiter bei der absoluten Zahl an Insolvenzen (809 Fälle) als auch bei der relativen Insolvenzbetroffenheit ist: 6 von 10.000 erwachsene Wiener mussten Insolvenz anmelden. Damit ist ein Bewohner Wiens doppelt so stark insolvenzgefährdet wie der Durchschnittsösterreicher, denn österreichweit waren lediglich etwas mehr als 3 von 10.000 Erwachsene zahlungsunfähig.

Quelle: Creditreform

Conclusio und Ausblick 2022

Beginnend mit der Covid-19-Pandemie im Frühjahr 2020 bis zum Spätsommer 2021 ging die Zahl der Privatinsolvenzen stark zurück und erreichte den Tiefststand seit 14 Jahren. Stundungen, Kurzarbeit und eine sich 2021 rasant erholende Wirtschaft sorgten für Entspannung am Arbeitsmarkt. Die angestiegene Sparquote ließ die Finanzreserven der Österreicher anwachsen.

Ab dem Sommer 2021 hat sich dieser Trend geändert. Die Zahl der eröffneten Privatinsolvenzen hat schon fast das Vorkrisenniveau erreicht. Dank der Erleichterungen in der Restschuldbefreiung im Zuge der letzten Reform des Insolvenzrechts stellen wieder mehr Personen einen Insolvenzantrag und nutzen die schnellere Entschuldung. Anstatt von fünf Jahren kann man sich seiner Schulden nun in drei Jahren, und ohne eine Mindestquote an die Gläubiger bezahlen zu müssen, entledigen.

Für das Gesamtjahr 2022 rechnet Gerhard M. Weinhofer mit einem Anstieg auf über 9.000 Insolvenzen: „Die Preissteigerungen in fast allen Lebensbereichen – vor allem beim Wohnen, bei Treibstoffen und Energie – wird zu einem Anstieg der Privatinsolvenzen führen. Unabhängig davon bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen der weitere Verlauf des Ukraine-Kriegs auf die allgemeine Wirtschaftsentwicklung sowie die Digitalisierung und Klimawende auf den Arbeitsmarkt und damit auf die Insolvenzen haben werden.“ Steigende Zahlen bei den Privatinsolvenzen werden aber wieder zum Normalfall werden.

Autor: Gerhard M. Weinhofer