Deloitte Austrian Tax Survey 2022: Steuerlandschaft bremst heimische Wirtschaft

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Herbert Kovar, Managing Partner Tax & Legal bei Deloitte Österreich

01.09.2022 | 2 min

Deloitte Austrian Tax Survey 2022: Steuerlandschaft bremst heimische Wirtschaft 

Hohe Kosten und komplexe Regelungen – seit Jahren verunsichert die österreichische Steuerlandschaft hier ansässige Unternehmen.

Laut aktuellem Deloitte Austrian Tax Survey 2022, für den österreichweit 225 Führungskräfte befragt wurden, hat sich die Stimmung in den Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr noch weiter verschlechtert: Fast 90% sehen das heimische Steuerumfeld mittlerweile als Herausforderung. Vor allem häufige Gesetzesänderungen (63%), unklare oder widersprüchliche Interpretationen durch die Finanzverwaltung (58%) und unsichere politische Verhältnisse (43%) bereiten den Unternehmen Kopfzerbrechen. 

Klarer Standortnachteil 

„Das komplexe Steuersystem und die hohen Abgaben erschweren das Wirtschaften hierzulande schon lange und sind ein klarer Standortnachteil. Aufgrund der geopolitischen Lage sind die Unternehmen zusätzlich verunsichert“, betont Herbert Kovar, Managing Partner Tax & Legal bei Deloitte Österreich. „Stabilität und Planungssicherheit wären jetzt essenziell. Gerade in Krisenzeiten braucht es vorausschauende Maßnahmen und spürbare Erleichterungen.“ 

Entlastungspaket nur teilweise überzeugend 

Die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung zur Abfederung der Teuerungen stoßen auf gemischte Reaktionen. Die Abschaffung der kalten Progression sowie die Senkung der Lohnnebenkosten decken sich mit den kurzfristigen Handlungsforderungen seitens der Unternehmen und werden dementsprechend von rund 40% mit „Sehr gut“ bewertet. Maßnahmen wie die Valorisierung der Sozialleistungen, die steuerfreie Teuerungsprämie für Arbeitgeber sowie die Strompreiskompensation werden ebenfalls überwiegend mit „Gut“ beurteilt. Der Verschiebung der CO2-Bepreisung von Juli auf Oktober 2022 haben hingegen fast ein Viertel der Studienteilnehmer ein „Nicht genügend“ ausgestellt. 

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Problem Klimawandel  

Generell unterstützt der Großteil der Befragten eine expansive Geldpolitik. Nur 27% sind der Meinung, dass die Staatsschulden in den aktuellen Krisenzeiten durch Steuererhöhungen reduziert werden sollten. Wenn es aber Erhöhungen braucht, geht die Präferenz der Unternehmen klar in Richtung ökologisch sinnvoller Maßnahmen: „Diese Einstellung verdeutlicht das zunehmende Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutzthemen in der Wirtschaft“, sagt Herbert Kovar. 

Während Maßnahmen zur Ökologisierung des Steuersystems vor drei Jahren noch als eher unwichtig betrachtet wurden, halten diese mittlerweile 55% der Befragten generell für notwendig. Vor allem die Förderung ökologisch sinnvoller Maßnahmen sowie die Förderung von Innovation als Hebel zur Ökologisierung werden klar befürwortet. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer, der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer oder die Bemautung von Straßen werden hingegen keine Priorität zugemessen. 

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Akuter Handlungsbedarf  

Die Aussichten für den Steuerstandort Österreich sind aufgrund anhaltender Krisen weiter gedämpft. Nur 18% blicken positiv in die Zukunft – das sind um 6% weniger als im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte hat lediglich mittelmäßige Erwartungen an die weitere Entwicklung, mehr als ein Viertel ist diesbezüglich überhaupt pessimistisch gestimmt. 

Getrübte Stimmung 

„Die Stimmung heimischer Führungskräfte hinsichtlich der steuerlichen Entwicklung ist sehr getrübt“, resümiert Herbert Kovar. „Die Unternehmen formulieren aber auch klar, was es jetzt braucht: Steuerliche Entlastungen für die Wirtschaft und eine Transformation des Steuersystems in Richtung Nachhaltigkeit.“ 

Studie Deloitte Austrian Tax Survey 2022