Top oder Flop: Österreichs Leistungsfähigkeit auf dem Prüfstand

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Sabine Herlitschka, Vorstandsvorsitzende der Infineon AG und stellvertretende RFTE-Vorsitzende

14.06.2022 | 2 min

Top oder Flop: Österreichs Leistungsfähigkeit auf dem Prüfstand

Neuer FTI-Monitor eruiert Stärken als auch Schwächen hinsichtlich Forschung, Technologie und Innovation.

Mit dem „Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2022“ startet der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) den digitalen FTI-Monitor. Ziel von FTI-Monitor und Bericht ist es, den Akteur:innen die Grundlage für strategisch-systemische Handlungen zu liefern und sie in die Lage zu versetzen, Österreichs Leistungsfähigkeit im internationalen Kontext und in Vergleich zu den Innovation Leaders (2022: Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien) einordnen zu können.

„Mit dem FTI-Monitor leistet der Rat einen wesentlichen Beitrag für science-based policymaking in Österreich. Indem erstmals die Indikatorik zur Messung der Leistungsfähigkeit des österreichischen FTI-Systems mit den Zielen der FTI-Strategie 2030 und den Wirkungszielen der Bundesregierung verknüpft wurde, werden die innovationspolitischen Zusammenhänge und Wirkungen sicht- und nachvollziehbar“, erläutert Sabine Herlitschka, stellvertretende Ratsvorsitzende.

Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs 2022 und FTI-Monitor des RFTE

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Gemischte Performance 2022

In der Leistungsperiode 2022 lieferte Österreich im internationalen Vergleich eine gemischte Perfomance: Auf oder über dem Niveau der Innovation Leaders liegt Österreich u.a. bei Finanzierung, Umwelt und Klima und der internationalen Verflechtung. Während Themen wie (tertiäre) Bildung, akademische Forschung sowie Regulierung und Steuern eine gute Leistung aufweisen, bleiben Digitalisierung und die Gründungsdynamik Problembereiche: „Aus gegenwärtiger Sicht ist es nicht wahrscheinlich, dass Österreich hier bis 2030 das Niveau der Innovation Leaders erreichen wird“, so Sabine Herlitschka.

Für die erstmals im Bericht behandelte Kreislaufwirtschaft hat der RFTE in Antizipation der österreichischen Kreislaufstrategie eine eigene Indikatorik entwickelt, die zwar zeigt, dass es technologisch und kommerziell relevante Erfindungen gibt, sie im österreichischen Innovationssystem allerdings von geringer Bedeutung sind. „Damit sich der erreichte Status quo rasch positiv weiterentwickelt, benötigt es eine enge Verzahnung mit der österreichischen Industriepolitik“, ergänzt Herlitschka.

Radikaler Wandel erforderlich

Aus Sicht des Rats ist es notwendig, einen „Sense of Urgency“ (entsprechend der Empfehlung des Rats von November 2021) in der österreichischen FTI-Politik zu etablieren. Beschleunigt durch die Pandemie legt der tiefgreifende Strukturwandel die Schwächen des FTI-Systems deutlich offen. Es genügt also nicht mehr, nur an einzelnen Stellschrauben zu drehen. Es liegt in der kollektiven Verantwortung, die notwendige systemische Veränderung unter Wahrung der europäischen Werte rasch anzugehen. Wie in anderen Staaten öffnen Krisen und Strukturwandel für Österreich ein window of opportunity, um geeignete Maßnahmen zu setzen, die auf einen radikalen Wandel abzielen und eine stärkere Interaktion zwischen den unterschiedlichen Akteur:innen erreichen.

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