Wir leben auf einem Kraftplatz, aus dem wir immer wieder neue Energie schöpfen können BioGut Bio Natur Resort Hotel Retter

© Hotel Retter

Ulrike und Hermann Retter

28.01.2022 | 4 min

„Wir leben auf einem Kraftplatz, aus dem wir immer wieder neue Energie schöpfen können“

Exklusivinterview mit Familie Retter vom Bio-Natur-Resort und BioGut Retter.

Familie Retter, Sie betreiben das gleichnamige, klimaneutrale Bio-Natur-Resort in der Oststeiermark und haben sich schon für nachhaltiges Leben und Wirtschaften engagiert, als „Bio“ noch nicht in aller Munde war. So ist etwa Ihre Landwirtschaft und Küche seit knapp 30 Jahren bio-zertifiziert. Was hat Sie schon damals dazu inspiriert, diesen Weg einzuschlagen?

Hermann Retter: Für uns war es inmitten vom Naturpark Pöllauer Tal praktisch eine Selbstverständlichkeit! Unser Betrieb ist aus einer Landwirtschaft entstanden und wir haben uns einfach auf unsere Wurzeln besonnen.

Unzählige Auszeichnungen zeugen davon, dass Sie sich nicht auf Erreichtem „ausruhen“, sondern Freude an ständiger Verbesserung und Weiterentwicklung haben. Woraus schöpfen Sie die Kraft, immer wieder Neues zu schaffen?

Ulrike Retter: Wir haben unser Haus gemeinsam im Dialog mit unseren Gästen entwickelt und sehen es als lebenden Organismus, der sich im Sinne der Evolution permanent verändert.

Hermann Retter: Ich denke, wir leben auf einem Kraftplatz, aus dem wir immer wieder neue Energie schöpfen können – es ist uns bewusst, dass nichts von allein geht, im ständigen Tun entsteht Weiterentwicklung.

Seminarraum Jelinek und Frischmuth

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Sie verfügen über eine „Seminar-Landschaft“. Was ist das Besondere daran und für wie viele Personen ist sie geeignet?

Hermann Retter: Wir haben 20 verschieden große Seminarräume, lichtdurchflutet und in direkter Verbindung mit der Natur, geeignet für bis zu 200 Personen mit ausreichend Platz sowie Gruppenräumen. Gerade der Tapetenwechsel ist für viele unserer Gäste die Voraussetzung für den Seminarerfolg.

Ihr Wellnessreich erstreckt sich über 1.100 m², es gibt einen Naturbadeteich, einen „Garten der Sinne“ und einen Fitnessraum – in Ihrem Resort scheinen keine Wünsche offen zu bleiben, oder ist wieder etwas Neues in Planung?

Hermann Retter: Ja, es ist einiges in Planung! Es wird eine Investition in die Qualität geben, mehr Platz für unsere Gäste, gepaart mit einigen Innovationen – lassen Sie sich überraschen!!

In Ihren Zimmern und Suiten lässt es sich klimaneutral Urlauben. Welche Maßnahmen machen dies möglich?

Ulrike Retter: Unsere Klimaneutralität haben wir uns hart erarbeitet! Es war ein Prozess, der beim energieeffizienten Bau mit Naturmaterialien, Regenwasser-Toilettenspülung, Lehmwänden, Betonkernaktivierung begonnen hat und sich mit Mitarbeitern aus der Region und einer 100% biozertifizierten Küche fortsetzt.

Sie betreiben auch das „BioGut“ samt Bio-Laden und es werden nur mehr im Freiland gehaltene Bio-Tiere wertschätzend im Ganzen verarbeitet. 100% Bio ist also tatsächlich zutreffend, oder gibt es noch einen verbesserungswürdigen Bereich?

Ulrike Retter: Nach oben ist immer Luft. Das sehen wir bei den jährlichen Audits zum Green-Globe, dem weltweiten Umweltgütezeichen. Hier sollten wir immer besser werden und mit diesem Vorsatz wird der Geist weit und die Ideen flattern nur so herein. So werden ab Mai zusätzlich zu unseren Streuobstschafen, noch viele glückliche Legehennen bei uns in den Streuobstgarten einziehen.

Hermann Retter: Wir sind sehr stolz auf 100% Bio! Da sind wir absolut kompromisslos!

Verfolgen Sie neben Ihrem Resort noch andere Projekte?

Ulrike Retter: Eines meiner größten Anliegen ist es, jungen Menschen Sinn zu vermitteln. So haben wir über 20 Lehrlinge im Team, welchen wir die Freude an Dienstleistung und die Liebe zur Natur vermitteln und ihnen Geborgenheit in unserer großen Retter-Familie geben. Ebenso beschäftigen wir 5 Mitarbeiter mit Behinderung, die wir bestmöglich und erfolgreich integriert haben.

Hermann Retter: Ja, zu uns gehört auch ein Reise- und Eventunternehmen, öffentlicher Nahverkehr in den Regionen – zertifiziert mit dem österreichischen Umweltzeichen, denn Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist auch hier der rote Faden. Und wir unterstützen junge Start-ups und bleiben so als Unternehmer hellwach.

Sie verfügen über ein starkes Team – was bieten Sie Ihren MitarbeiterInnen, wie binden Sie diese an Ihr Unternehmen?

Ulrike Retter: Unsere langjährigen Mitarbeiter schätzen die 100% Bio-Verpflegung, das Vertrauen und die Anerkennung von unseren Gästen und im Team, sowie die Nähe zum Arbeitsplatz. Wir haben 70 Mütter in unserem 110-köpfigen Team und versuchen, ihnen optimale Arbeitszeiten zu bieten. Gemeinsam wird gearbeitet und gemeinsam wird gefeiert!

Hermann Retter: Wir gehen sehr auf die verschiedenen Persönlichkeiten ein, bieten je nach Bedürfnis maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle und unterstützen die Mobilität mit E-Fahrzeugen. Wir sind ein tief in der Region verwurzelter Familienbetrieb und identifizieren uns mit unserer Philosophie 100% Bio!

Wie gehen Sie mit den coronabedingten Einschränkungen/Einbußen um?

Ulrike Retter: Wir haben die ruhigere Zeit intensiv mit Schulungen verbracht und EDV-Systeme sowie die Homepage auf den neuesten Stand gebracht. Mit unseren Mitarbeitern haben wir wöchentlich Wanderungen unternommen und unsere Lehrlinge intensiv trainiert und betreut.

Hermann Retter: Wir versuchten die Zeit zu nutzen, Entwicklungen voranzutreiben, unsere Stärken auszubauen und investieren bewusst in die Zukunft.

Hermann und Ulrike Retter

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Wir würden Sie gerne auch als Privatpersonen etwas näher kennenlernen, abschließend daher noch ein paar persönliche Fragen:

Welches berufliche Erlebnis hat sie am meisten geprägt?

Ulrike Retter: Die Chance und das Vertrauen von meinem Mann erhalten zu haben, sein Elternhaus weiter entwickeln zu dürfen. Der Weg zu 100% Bio war kompromisslos, aber das Ergebnis sorgt für Wohlbefinden und tut uns und unseren Gästen gut.

Hermann Retter: Der Sprung ins (eis-)kalte Wasser, von 0 auf 100 die volle Verantwortung zu übernehmen.

Welche Persönlichkeit inspiriert Sie?

Ulrike Retter: Der Dalai Lama

Hermann Retter: Niki Lauda.

Worüber haben Sie zuletzt gelacht?

Ulrike Retter: Über unseren coolen Hotelkater Moritz. 

Hermann Retter: Über mich selbst!

Mit wem würden Sie gerne einen Tag lang tauschen?

Ulrike Retter: Mit dem Glücksminister von Bhutan.

Hermann Retter: Mit der Verkehrsministerin.

Worauf könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?

Ulrike Retter: Auf meinen Mann und die Kinder und auf den Sonnenaufgang mit Weitblick bei uns.

Hermann Retter: Auf die Familie und unsere Region als Kraftplatz.

Sie können EIN globales Problem lösen – welches wäre das?

Ulrike Retter: Den Einsatz von Glyphosat und das damit verbundene Artensterben.

Hermann Retter: CO2-Bindung, Hungersnot.