„Risk in Focus“ eruiert Personalmangel als Top-Risiko 2022 für Unternehmen

© Institut für Interne Revision Österreich

Gottfried Berger, IIA Austria

08.04.2022 | 3 min

„Risk in Focus“ eruiert Personalmangel als Top-Risiko für Unternehmen

Hier nimmt die Interne Revision eine Schlüsselrolle ein, um aus der Krise eine Chance zu machen.

Die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern und Nachwuchstalenten steigt sprunghaft an. Längst ist der Fachkräftemangel nicht nur im IT-Bereich zum Problem geworden, sondern überall. Der aktuelle Report „Risk in Focus“ identifiziert Humankapital, Diversität und Talentemanagement als eines der größten Risiken für Unternehmen in diesem Jahr. Das Institut für Interne Revision Österreich, das maßgeblich am Bericht beteiligt war, zeigt die Gefahren, aber auch Chancen in diesem Bereich auf.

Der aktuelle Bericht „Risk in Focus 2022“, der gemeinsam von den Instituten für Interne Revision in Österreich und weiteren elf europäischen Ländern sowie dem Dachverband ECIIA erstellt wurde, kommt zu diesem Schluss: 40% aller Revisionsleiter in Europa zählen Humankapital, Diversität und Talentemanagement zu den größten Risiken in diesem Jahr.

Interne Revision in Schlüsselposition

Gottfried Berger, Vorstandsvorsitzender des Instituts für Interne Revision Österreich: „Know-how-Verlust durch hohe Fluktuation und ein Mangel an qualifizierten Mitarbeitern können nicht nur ein Hemmschuh für das Wachstum von Unternehmen, sondern mitunter sogar ein existenzielles Risiko sein. Auch die Interne Revision ist nicht immun gegen dieses Problem, sie nimmt aber zugleich eine Schlüsselrolle ein, um aus der Krise eine Chance zu machen. Denn sie kann Risiken bezüglich Humankapital rechtzeitig aufzeigen, als Schnittstelle zwischen Abteilungen wie HR, Marketing und IT das Management entsprechend beraten und Pläne zur Durchführbarkeit und Zielerreichung erstellen.“

Bewusstsein schärfen

Wichtig ist das Bewusstsein für die Problematik bei den Führungskräften – auch bezüglich der Außenwahrnehmung auf dem Jobmarkt. Ein guter Ruf, flexible Arbeitsmodelle, Aus- und Weiterbildungsangebote sowie ESG-Themen (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) werden immer wichtiger, um für Nachwuchstalente attraktiv zu sein. Im Rahmen des Berichts zeigte sich jedoch, dass dieses Bewusstsein im Management häufig nicht ausreichend vorhanden ist – zumindest nicht genug, um das HR-Thema und umsichtige Nachfolgeplanung ganz oben auf die Risiko-Agenda zu setzen.

Digitales Wissen und Soft Skills

Wurden IT-Fachkenntnisse früher vor allem in einschlägigen Funktionen und Sektoren benötigt, kommt spätestens seit der Pandemie kaum noch jemand um dieses Know-how herum: Es gilt, neue digitale Werkzeuge – von Big-Data-Systemen bis hin zu Künstlicher Intelligenz – zu beherrschen.

Die in Zukunft meistgefragten Fähigkeiten werden laut „Risk in Focus“ zudem jene sein, die den Wandel eines Unternehmens unterstützen – und das sind vielfach Soft Skills wie Problemlösungskompetenz, Kreativität oder Selbstmanagement.

Gibt es nicht genügend Revisoren, ist dies zugleich ein großes Risiko für Unternehmen und Organisationen.

© PantherMedia/Andriy Popov

Revisions-Nachwuchs entscheidend für Unternehmenssicherheit

Gemäß internationaler Normen sind Revisionsleiter (CAEs) ausdrücklich dafür verantwortlich, dass ihre Ressourcen „angemessen und ausreichend“ sind, um die Aufgaben der Internen Revision zu erfüllen. Gibt es nicht genügend Revisoren, ist dies zugleich ein großes Risiko für Unternehmen und Organisationen – denn dann kann das nötige und von Stakeholdern gewünschte Maß an Sicherheit in Bezug auf geschäftskritische Risiken nicht gewährleistet werden.

„Diese Tatsache untermauert unsere Forderung nach einer personellen Stärkung der Internen Revision“, betont Gottfried Berger vom Institut für Interne Revision. „Wir brauchen verpflichtend einen Vollzeit-Revisor pro 500 Mitarbeitern – und das ist das absolute Minimum, um Unternehmen vor Risiken schützen zu können.“

Mehr Information notwendig

Zugleich kündigt das Institut für Interne Revision eine Informations- und Nachwuchsoffensive an. Denn um personelle Ressourcen sichern und den Talentepool erweitern zu können, muss der Beruf potenziellen Mitarbeitern bekannt sein und attraktiv erscheinen – nicht nur bei jungen Talenten, sondern auch und gerade bei Fachkräften, die ihn noch nie in Erwägung gezogen haben. „Wenn die Menschen nicht wissen, was die Interne Revision tut und warum, dann werden sie sich auch nicht für diese Laufbahn interessieren oder sich bewerben. Deshalb starten wir als Institut noch in diesem Jahr eine Informations- und Nachwuchsoffensive“, kündigt Berger an.

Über Risk in Focus

Den kompletten Bericht „Risk in Focus 2022“, der gemeinsam von den Instituten für Interne Revision in Österreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden und Spanien sowie dem Dachverband ECIIA (European Confederation of Institutes of Internal Auditors) erstellt wurde, können Sie hier abrufen.

Über das Institut für Interne Revision Österreich – IIA Austria

Das Institut für Interne Revision zielt auf die Förderung und Entwicklung der Internen Revision in Österreich ab. Die Tätigkeiten des Instituts mit Sitz in Wien sind nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern gemeinnützig und unpolitisch. Zu seinen Hauptaufgaben zählen der nationale und internationale Erfahrungsaustausch, die Information über Interne Revision, die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis, sowie die Erarbeitung und laufende Adaptierung von Grundsätzen und Methoden. Ein wesentliches Ziel ist auch die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Internen Revision im Rahmen der Akademie für Interne Revision. Das Institut zählt derzeit rund 2.000 Mitglieder aus allen Sparten der österreichischen Wirtschaft.

https://www.internerevision.at