„Einzelne können viel – aber erst im Zusammenspiel entsteht echte Stärke“

Exklusivinterview mit Anita Frauwallner, Geschäftsführerin der Institut AllergoSan Pharma GmbH Österreich, über die Gründung und Weiterentwicklung des Instituts, den globalen Wettbewerb im Marktsegment u.v.m.
© Foto Fischer Graz
„Einzelne können viel – aber erst im Zusammenspiel entsteht echte Stärke“
Anita Frauwallner, Geschäftsführerin der Institut AllergoSan Pharma GmbH Österreich.

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Frau Frauwallner, Sie sind studierte Sprachwissenschafterin und haben 1991 das Institut AllergoSan, mit Sitz in Graz, gemeinsam mit einer Gruppe integrativ denkender Ärzte und Apotheker gegründet. Welche strategische Vision haben Sie für das Institut in den nächsten zehn Jahren?

Meine Vision ist es, die zentrale Bedeutung, die der Darm für unsere Gesundheit hat, noch viel stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Darmbakterien sind kleine Superhelden mit enorm viel Können, und ich wünsche mir, dass Menschen überall auf der Welt ihre Unterstützung am eigenen Körper spüren. Ich werde also auch weiterhin intensiv mit internationalen Experten aus Medizin, Biologie, Pharmazie und Biochemie an den renommiertesten Universitäten weltweit zusammenarbeiten und die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet vorantreiben.

Dieses Konzept hat sich enorm bewährt, OMNI-BIOTIC® steht heute international an der Spitze: Nr. 1 Probiotika Marke in Europa und die Nr. 3 weltweit. Und natürlich möchte ich OMNI-BIOTIC® Schritt für Schritt in jenen Ländern etablieren, in denen es derzeit noch nicht erhältlich ist. Ein echtes Herzensanliegen bleibt für mich, Probiotika fest in unsere Gesundheitssysteme zu integrieren. Denn wenn wir die Kraft unserer Darmbakterien bewusst nutzen, können wir Gesundheit bewahren, lange bevor Krankheit entsteht – und sie sind die kostengünstigste Möglichkeit dafür!

Das Institut AllergoSan entwickelte sich von einem Kleinstinstitut zu einem Unternehmen mit Ärzten, Apothekern, Biologen und Ernährungswissenschaftern. Wie haben Sie diesen Übergang von einer Gründerstruktur zu einem forschungsgetriebenen Wachstumsunternehmen organisatorisch und finanziell gemeistert?

In den ersten zehn Jahren nach dem Tod meines Mannes habe ich das Institut AllergoSan vor allem aus persönlichem Interesse geführt. Ab 2002 entwickelten sich umfangreiche Forschungskooperationen mit niederländischen Universitätskliniken, aus denen international beachtete Grundlagenstudien hervorgingen, die unter anderem im „American Journal of Gastroenterology“ publiziert wurden, etwa zur Erkenntnis, dass speziell entwickelte Probiotika schwere Durchfälle nach Antibiotikagaben verhindern können.

In den Folgejahren entwickelte sich das Institut AllergoSan in Graz immer mehr zu einem internationalen Kompetenzzentrum für Mikrobiomforschung. Dieser Weg war stets von der tiefen Überzeugung getragen, dass unsere Arbeit wichtig ist, sowie vom Mut, weiterzugehen, auch wenn es finanziell manchmal sehr schwer war. Viele Jahre habe ich alles selbst finanziert, sogar unsere Apotheke verkauft, um die Forschung voranzutreiben. Es gab Momente, in denen ich nicht wusste, wie wir die nächsten Gehälter zahlen sollen. Aber der Gedanke an die Menschen, denen wir mit unserer Arbeit helfen können, hat mich immer wieder motiviert.

„Einzelne können viel – aber erst im Zusammenspiel entsteht echte Stärke“
© smarterpix / alexraths

Heute stehen hinter dem Institut AllergoSan 500 großartige Mitarbeiter, die meine Vision und unsere Werte teilen. Entscheidend für unser organisatorisches Wachstum war und ist dieses starke Miteinander, bei dem sich jeder Einzelne als Teil einer großen Familie versteht. Dieses Gefühl hat für uns alle einen unschätzbaren Wert.

Welche Ziele hatte Anita Frauwallner um das Jahr 1991 und was würden Sie ihr raten, wenn Sie ihr drei Ratschläge geben dürften?

1991 wollte ich Möglichkeiten finden, den Darm mit natürlichen, nebenwirkungsfreien Methoden zu stärken. Schon damals hat mich mein Bauchgefühl geleitet – dieses tief empfundene Wissen, dass unsere Darmbakterien grundlegend wichtig für die Gesundheit der Menschen sind. Jeder Schritt in der Forschung hat mich darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass Prävention viel früher beginnen muss als viele es ahnen.

Drei Ratschläge würde ich meinem damaligen Ich heute geben:

Erstens: Höre immer auf dein Bauchgefühl, selbst wenn andere den Wert deiner Idee noch nicht sehen.

Zweitens: Bleib mutig und vertraue darauf, dass Qualität und ehrliche Überzeugung die Schlüssel zum Erfolg sind.

Drittens: Umgib dich mit Menschen, die deine Leidenschaft teilen – denn echter Fortschritt entsteht dort, wo starke Persönlichkeiten gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die schwere Krankheit Ihres Ehemannes (Dickdarmkrebs – Anm. d. Red.), der Behandlungsverlauf und natürlich der frühe Tod, mit erst vierzig Jahren, gilt als persönlicher Wendepunkt. Wie kamen Sie zu der wissenschaftlichen Überzeugung, dass im Darm – und vor allem in seinem bakteriellen Ökosystem – ein unerforschtes Innovationsfeld liegt?

Als ich miterleben musste, wie mein Mann trotz aller Bemühungen so jung an Darmkrebs verstarb, war mir klar: Im Darm muss etwas liegen, das wir bis dahin übersehen hatten. Als ich das erste Mal beim Blick durch das Mikroskop, an der Universität in Wageningen, die Welt der Bakterien sah, da wusste ich es einfach, dass hier ein riesiges, unterschätztes Potenzial liegt.

Diese winzigen Organismen beeinflussen so viele zentrale Funktionen unseres Körpers – hätten wir dieses Wissen früher gehabt, hätte es vielleicht eine Chance für meinen Mann gegeben weiterzuleben.

Der Blick durchs Elektronenmikroskop wurde für mich zum Wendepunkt – es war „Liebe auf den ersten Blick“. Die Welt der Bakterien ist bis heute mein Leben.

Als Sie damals begannen, nach Lösungen zu suchen, ob die gezielte Veränderung der Bakterienwelt Menschen mit Darmerkrankungen helfen könnte – welche frühen wissenschaftlichen Indizien haben Sie damals identifiziert, die andere noch übersehen haben?

Für mich war schon früh klar: Wenn es im Darm so viele unterschiedliche Bakterienstämme gibt, dann dürfen wir sie nicht isoliert einsetzen. Deshalb habe ich ein Produkt mit einem aufeinander abgestimmten „Bakterienteam“ entwickelt – das allererste Multispezies-Probiotikum. Dieses Team funktioniert wie eine Weltklasse Mannschaft: Nicht die Menge der Spieler zählt, sondern das perfekte Zusammenspiel. Jeder Bakterienstamm bringt seine besonderen Fähigkeiten ein, und gemeinsam sind sie stark. Auf diese Weise werden Höchstleistungen möglich, ohne einander zu behindern.

Anfangs wurde dieser Ansatz noch belächelt. Doch später hat die Wissenschaft eindrucksvoll bestätigt, was mein Bauchgefühl mir schon damals sagte: Im richtigen Team arbeiten Mikroben zu 95 % besser als ein einzelner Stamm es könnte.

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© smarterpix / sdecoret

Sie berichten häufig davon, dass Probiotika früher belächelt wurden. Wie haben Sie die Phase von Ablehnung, Skepsis und sogar Widerstand gemeistert – und was war der (auch wirtschaftlich) härteste Kampf?

Als Frau in einer männerdominierten Branche wurde ich anfangs oft belächelt. Trotzdem blieb ich meinen Ideen treu, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, mit großer Begeisterung und enormer Ausdauer.

Die Erforschung des Mikrobioms steckte vor 30 Jahren noch in den Kinderschuhen, die Entwicklung hochwertiger Probiotika schien für niemanden wichtig. Ich habe jedoch früh die Chancen erkannt, die diese rund um die Uhr arbeitenden Organismen für unsere Gesundheit bieten. Mittlerweile ist das auch in zigtausenden Studien bewiesen.

Meine größte Herausforderung war, mich gegen die großen Pharma-Konzerne durchzusetzen. Sie bekämpften unser Unternehmen massiv, als unsere Mission – das Leben von Menschen mit natürlichen Mitteln zu verbessern – erfolgreich zu werden begann. Aber meine feste Überzeugung, Menschen durch unsere großartigen Mitbewohner im Darm ohne schwere Nebenwirkungen helfen zu können, das hat mich meinen Weg unbeirrt weitergehen lassen.

Mit Hilfe externer Experten entwickelten Sie das Produkt OMNi-BiOTiC® 6, welches eigentlich nur für den Vertrieb in der eigenen Apotheke gedacht war. Wie lange hat die Entwicklung des Probiotikums gedauert und was hat die starke Nachfrage über das Marktpotenzial ausgesagt?

Die Entwicklung von OMNi BiOTiC® 6 war echte Pionierarbeit. Keine Behandlung konnte damals die Neurodermitis meines Sohnes lindern, und als Mutter kann man da nicht einfach zusehen. Also suchte ich nach Forschern mit innovativen Ideen und entwickelte gemeinsam mit ihnen – basierend auf ihrem Wissen und meinen innovativen Ideen innerhalb ganz kurzer Zeit mein erstes Probiotikum.

Die begeisterten Rückmeldungen der Anwender erlebte ich direkt in meiner Apotheke. Rasch zeigte sich, wie richtig unser Ansatz war: Bereits fünf Jahre später hatte sich OMNi BiOTiC® 6 in Österreich durchgesetzt – ausgehend nicht von einem großen Konzern, sondern von einer hochmotivierten Frau, die andere Forscher für ihre Vision begeistern konnte. Für mich war das der klare Beweis, wieviel Potenzial in wissenschaftlich entwickelten Probiotika steckt und dass echte Qualität den Unterschied ausmacht.

Seither haben wir mehr als 20 indikationsspezifische Probiotika entwickelt, die heute in mehr als 40 Länder exportiert werden und zahlreiche Auszeichnungen erhalten haben, etwa den renommierten „NutraIngredients-USA Award“ oder den „Nicholas Hall Award“ als „Most Innovative European New Product of the Year“ für OMNi BiOTiC® Hetox, unserem Probiotikum für die Darm-Leber-Achse.

Sie entschieden sich später, Ihre Apotheke dann ganz aufzugeben und sich ausschließlich auf das Institut AllergoSan zu konzentrieren. War das eine wirtschaftliche Notwendigkeit, ein kalkuliertes Risiko – oder vor allem eine Vision?

Ich wusste: Wenn ich Forschung wirklich vorantreiben möchte, brauche ich dafür die Zeit und die Freiheit, aber auch die finanziellen Mittel, um mich ganz dieser Aufgabe widmen zu können.

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© Institut AllergoSan / www.christianjungwirth.com

Deshalb habe ich meine Apotheke verkauft – es war eine wirtschaftlich erforderliche Entscheidung, getrieben von einer starken Vision. Ich wollte zeigen, welchen Stellenwert Probiotika haben können – und wie sie die Lebensqualität vieler Menschen verbessern. Dieser Schritt war ein großes Risiko, aber heute wird mir jeden Tag bestätigt, dass dieser Weg der richtige war. Wir haben in 30 Jahren das fundierteste Knowhow für Wirksamkeit entwickelt, das von führenden Forschern der besten Universitäten weltweit geschätzt wird – und so entwickeln wir gemeinsam Probiotika von allerhöchster Qualität.

2008 gelang Ihnen ein wissenschaftlicher Durchbruch: Die Vermehrungsfähigkeit Ihrer OMNi-BiOTiC®-Bakterienstämme konnte erstmals nachgewiesen werden. Was hat diese Studie offenkundig verändert – etwa im Hinblick auf Marktvertrauen, Skalierung, Finanzierung oder internationale Expansion?

Das hat eigentlich alles verändert: Als diese Studie von der „World Gastroenterology Organisation” als eine der zwölf besten Mikrobiom Studien weltweit gerankt und in die globalen Leitlinien aufgenommen wurde, war das ein echter Ritterschlag. Plötzlich wurde ich zu Vorträgen auf der ganzen Welt eingeladen – ein völlig neues Vertrauen in unsere Arbeit war entstanden. Das hat den Weg für weitere wichtige Forschungs-Kooperationen geöffnet, die in den Jahren danach ganz neue Wirkmechanismen sichtbar hat werden lassen.

Wie beurteilen Sie heute den globalen Wettbewerb im Marktsegment und wo sehen Sie Positionierungsstärken oder -risiken für das Institut AllergoSan?

Der weltweite Markt für probiotische Produkte wächst rasant: Viele Anbieter springen auf den Trend auf, bringen jedoch leider völlig ungeprüfte Präparate mit beliebigem Inhalt ohne wissenschaftliche Forschung in den Verkauf – aus rein wirtschaftlichen Gründen. Das schmerzt, wenn man selbst sich die Anerkennung der Wirkungsweisen mit OMNi-BiOTiC® durch 30 Jahre Forschung erkämpft hat. 150 Studien, die exakt belegen, wo im Körper diese Bakterien tätig sind und was sie für unsere Gesundheit bewirken – dafür sind uns viele Kliniken weltweit dankbar.

Globale Expansion bringt aber natürlich auch Herausforderungen mit sich – unterschiedliche gesetzliche Anforderungen etwa, oder Standards wie „koscher“ und „halal“. Gerade hier zeigt sich die Qualität unserer Arbeit, denn unsere Produkte lassen sich problemlos in die Gesundheits-Systeme anderer Länder integrieren. Risiken entstehen immer dort, wo Qualität verhandelbar wird – aber genau das lassen wir niemals zu.

Das Unternehmen ist international erfolgreich. Welche Märkte halten Sie in den kommenden Jahren für die wirtschaftlich bedeutendsten – und wo investieren Sie derzeit besonders stark?

Besonders spannend ist, aufgrund des Bevölkerungswachstums, Asien: In China und Südostasien gibt es ein enormes Bedürfnis nach wissenschaftlich geprüfter Qualität bei Produkten für ein gesundes Leben. Mit den führenden Gesundheitsunternehmen in diesem Raum schaffen wir für die Menschen in diesen sich enorm rasch entwickelnden Ländern Zugang zu Produkten, die spürbaren Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen – und zwar ohne Nebenwirkungen. Genau hier entsteht eines unserer stärksten Zukunftsfelder.

Themenwechsel: Erst im November 2024 haben Sie mit der „OMNi-BiOTiC® WORLD“ ein eigenes Ökosystem geschaffen. Was erwartet Kund:innen dort und wie unterscheidet sich dieses Konzept von klassischen Apotheken?

Mit der OMNi-BiOTiC® WORLD auf der Wiener Mariahilfer Straße möchten wir erreichen, dass Menschen Darmgesundheit auf eine neue, umfassende Weise erleben. Oft hören wir den Satz: „Jetzt verstehe ich endlich, was mein Darm damit zu tun hat, ob es mir gut geht oder nicht, ob ich schlafen kann oder nicht.“

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© Institut AllergoSan / Josef Maier

Genau diese Aha-Erlebnisse möchten wir in der OMNi-BiOTiC® WORLD schaffen. Von umfassender Beratung durch ein bestens geschultes Team, das maßgeschneiderte Lösungen für persönliche Gesundheitsanliegen der Besucher findet bis hin zur Präsentation neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse im Rahmen von Vorträgen. Ergänzt wird dieses Angebot durch die Expertise der Kolleginnen und Kollegen in der angeschlossenen Essenz Apotheke Mariahilf. Denn Apotheken sind und bleiben für uns unverzichtbar: Sie sind oft die erste Anlaufstelle, wenn jemand Orientierung bei gesundheitlichen Fragen sucht.

Die OMNi-BiOTiC® WORLD ergänzt dieses wichtige Angebot, indem hier Wissen spezifisch vertieft wird und wir Menschen bestärken, aktiv Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Hippokrates sagte: „Im Darm sitzt der Tod oder das Leben.“ Inwiefern beeinflusst diese medizinische Grundannahme heute das Konsumentenverhalten? Gibt es Unterschiede bei der Herangehensweise zwischen Männern und Frauen und wie nutzen Sie dieses wachsende Gesundheitsbewusstsein strategisch im Markt?

Der Darm rückt im Bewusstsein der Menschen zunehmend ins Zentrum, und zwar zu Recht: Hier sitzt fast 80% unserer Immunabwehr, hier entscheidet sich, wie viel Energie wir haben, wie gut gelaunt wir sind. Was mich besonders freut: Immer mehr Menschen wollen nicht erst reagieren, wenn etwas weh tut, sondern ihre Gesundheit proaktiv stärken, bevor gesundheitliche Probleme auftreten. Genau dieses Ziel verfolgen wir mit allen unseren Produkten.

Was die Herangehensweise betrifft, sind Frauen in gesundheitlichen Fragen oft Vorreiterinnen als Gesundheitsmanagerinnen ihrer Familie. Aber das Bewusstsein wächst zum Glück auch bei Männern. Unser Beitrag: Probiotika zu entwickeln, die nicht einfach nur irgendwelche Versprechen machen, sondern jeweils für spezifische Problemstellungen entwickelt wurden. Denn Migräne benötigt ein anderes Probiotikum als eine Arthritis oder starkes Übergewicht. Genau darin liegt der Kern moderner Prävention.

Wie schätzen Sie den österreichischen Apothekenmarkt ein – insbesondere hinsichtlich Preisgestaltung, Digitalisierung, Rabattmodelle und Regulierung?

Der österreichische Apothekenmarkt birgt ein enormes Potenzial – und gleichzeitig spüren wir alle den steigenden Druck. Wenn laut IGEPHA hierzulande nur 21 % der geringfügigen Krankheitsfälle mit rezeptfreien Produkten behandelt werden (in Deutschland sind es 47 %), zeigt das: Wir haben kein Sättigungs-, sondern ein Bewusstseinsproblem. Denn jeder Euro, den Menschen in ihre Gesundheit investieren, spart unserem Gesundheitssystem richtig Geld!

Dieses Wissen müssen wir als Branche viel deutlicher sichtbar machen – gemeinsam mit den Apotheken, die für viele Menschen die erste vertrauensvolle Anlaufstelle sind.

Gleichzeitig verändert der Online-Handel das Verhalten der Konsumenten. Wir sehen, dass der Online-Markt für rezeptfreie Medikamente gewachsen ist, während der Consumer-Health-Absatz in der Apotheke leicht rückläufig war. Der Preisdruck durch ausländische Versandapotheken ist real, und regulatorische Rahmenbedingungen verschärfen das Problem. Umso wichtiger ist es, jene Stärken zu fördern, die nur die Apotheke vor Ort bieten kann: persönliche Beratung, kompetente Co-Medikationsempfehlungen und eine spürbare Nähe zum Menschen.

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© Shutterstock

Natürlich müssen wir auch neue, hybride Wege gehen. Modelle wie Click & Collect oder Omnichannel-Konzepte, bei denen die lokale Apotheke eingebunden bleibt, können die Brücke zwischen digitaler Bequemlichkeit und der Kompetenz der Apotheke schlagen. Entscheidend ist, dass der Online-Kanal nicht gegen, sondern für die stationäre Apotheke arbeitet. Genau hier liegt die Aufgabe für uns als Branche: Verantwortung übernehmen, Orientierung geben und Perspektiven schaffen, die langfristig Vertrauen und Gesundheit stärken.

Frau Frauwallner, wir möchten Sie gerne auch als Privatperson etwas näher kennenlernen – daher noch ein paar persönliche Fragen:

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie verfolgen?

Mein Lebensmotto ist sehr einfach: dankbar zu sein für jeden einzelnen Tag. Diese Dankbarkeit öffnet den Blick für die kleinen Wunder des Lebens. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch eine Aufgabe braucht, für die sein Herz brennt. Meine ist die Forschung für Gesundheit und Lebensqualität. Wenn man spürt, dass die eigene Arbeit anderen Menschen hilft, trägt einen dieses Gefühl auch durch lange Tage. Dann gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Arbeit und Leben – es ist ein einziges, sinnvolles Ganzes.

Mit welcher Person, aus der Gegenwart oder Vergangenheit, würden Sie gerne einen Tag verbringen und wie würde sich dieser Tag gestalten?

Ich würde gerne einen Tag mit Martin Luther King verbringen. Sein Mut, gegen alle Widerstände an das Gute zu glauben, berührt mich bis heute. Ich würde mit ihm darüber sprechen, wie man Menschen echte Hoffnung schenkt, eine Hoffnung, die Zweifel und Angst überwindet.

Martin Luther King hat gezeigt, dass ein einzelner Mensch etwas bewegen kann, wenn er seinen Traum lebt.

Welche unmittelbaren Vorhaben des Institut AllergoSan möchten Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?

Ein zentrales Thema unserer aktuellen Forschung ist der Bereich der Onkologie. Ich bin unglaublich dankbar, dass wir in diesem Zusammenhang seit Jahren bereits mit den zwei wichtigsten Universitäten Europas, nämlich mit der Charité in Berlin und mit dem Universitätsspital in Zürich zusammenarbeiten. Besonders wichtig ist mir die Entwicklung von Begleittherapien zu den starken Krebs-Medikamenten, um deren Nebenwirkungen abzumildern und den Erfolg der therapeutischen Maßnahmen zu optimieren.

Gibt es etwas, das Sie schon immer ausprobieren wollten, sich bisher aber nicht getraut haben?

Ehrlich – nein.

Denn mich zieht es seit jeher ins Abenteuer: im Fallschirm über Französisch-Polynesien schweben, nachts im afrikanischen Busch unter einem Sternenhimmel liegen, der einen sprachlos macht, oder im kristallklaren Meer neben Mantas zu schwimmen und hinhören, wenn die Welt ganz still wird. Was ich mir öfter erlauben möchte, ist genau dieses bewusste Eintauchen in die Natur, spontan den Koffer packen und diese Momente der Freiheit zulassen.

Wie beschreiben Sie Ihr Leadership?

Mein Führungsstil wurzelt in einer tiefen Überzeugung, die uns auch in der Mikrobiomforschung täglich begegnet: Einzelne können viel – aber erst im Zusammenspiel entsteht echte Stärke.

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© smarterpix / BiancoBlue

So wie Darmbakterien im Team arbeiten und gemeinsam etwas leisten, das weit größer ist als die Summe ihrer Teile, lebt auch unser Institut AllergoSan von diesem Miteinander. Jeder bringt seine individuellen Stärken ein, und genau darin liegt unsere Kraft.

Führung bedeutet für mich, ein klares Ziel vor Augen zu haben aber Mitarbeiter kreativ sein zu lassen, ihren Ideen Raum zu geben. Dass Mitarbeiterinnen seit über 20 Jahren Teil unseres Teams sind, das selbst jene, die in Pension sind, immer noch zu Besuch kommen, das sagt mehr über unsere Kultur aus als jedes Leitbild. Qualität ohne Kompromisse ist dabei mein innerer Kompass – und dieser Anspruch gilt konsequent, auch wenn der Weg dorthin manchmal unbequem ist.

Sie können EIN globales Problem lösen – welches wäre das?

Wenn ich ein weltweites Problem lösen könnte, dann wäre es der ungleiche Zugang zu Gesundheit. Es darf nicht vom Gehalt abhängen, ob jemand kraftvoll und gesund leben kann. Ich habe in vielen Ländern gesehen, wie groß die Sehnsucht nach verlässlichen, wissenschaftlich geprüften Produkten ist, und wie wenige davon verfügbar sind.

Unsere Vision ist deshalb klar: Probiotische Medizin muss fixer Bestandteil des Gesundheitssystems werden, und zwar weltweit. Denn diese winzigen Mitbewohner in unserem Darm haben den größten Anteil daran, ob Menschen jeden Alters gesund, vital und selbstbestimmt sein können.

Frau Frauwallner, wir wünschen Ihnen viel Erfolg, Glück sowie Gesundheit für die Zukunft und herzlichen Dank für das Interview.

Danke Ihnen!

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