Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereiniung

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Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).

22.03.2021 | 2 min

Die nackten Fakten, und Zahlen im Überblick.

Raus aus der Pandemie, zurück zur Normalität! Selten hatten wir alle ein so unumstrittenes, gemeinsames Ziel vor Augen. Für Österreichs Wohlstandsmotor Export bedeutet das: raschest Schlüsselpersonal impfen und fairen Welthandel nicht bekämpfen, sondern unterstützen!

Der Motor, der uns zum Licht am Ende des Tunnels bringen soll – er stottert, läuft nicht rund, hat Sand im Getriebe. Deutlich wird das beim Impfen. Zu langsam, zu wenig, zu unübersichtlich – letzteres auch dem Föderalismus und seinen 9 Impfstrategien geschuldet. Klar ist: Die rasche Durchimpfung der Bevölkerung ist der einzige Weg, die Corona- Pandemie zu überwinden. Andere Länder sind auf diesem Weg schneller und besser unterwegs. Das ist fatal, denn der internationale Wettbewerb wartet nicht auf die österreichische Gesundheitsbürokratie.

Je länger wir brauchen, desto später können wir am wirtschaftlichen Aufschwung post- Corona partizipieren. Würden die Corona-Maßnahmen bis April beendet werden, wäre ein BIP-Wachstum von 3,9 Prozent möglich. Dauern diese bis Ende Juni, sinkt die BIP-Prognose für 2021 auf 2,9 Prozent. Je länger wir brauchen, desto mehr Wachstum und Arbeitsplätze gehen uns verloren. Wer daran welche Schuld trägt, wird sicherlich irgendwann zu klären sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist aber viel wichtiger, dass mit mehr Tempo geimpft wird und – nach den definierten Risikogruppen – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systemrelevanter Unternehmen aus der Exportwirtschaft so rasch wie möglich den Impfschutz erhalten.

Warum aber ist das so wichtig?

Wohlstand und Arbeitsplätze hängen am Export – eine Tatsache, die durch Corona noch deutlicher geworden ist. Unterbrochene Lieferketten, Reisebeschränkungen und dergleichen haben gezeigt: Ein reibungsloser Marktzugang und faire Wettbewerbsbedingungen sind für Österreich lebenswichtig. Rund 53 Prozent des BIP werden durch Exporte erwirtschaftet, 1,7 Millionen Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt am Erfolg auf den internationalen Märkten. Jedes Prozent mehr an Export bringt 10.000 neue Arbeitsplätze. 659.000 Arbeitsplätze in Österreich werden laut EU-Kommission durch EU-Exporte in Drittstaaten gesichert. Das lässt nur eine logische Konsequenz zu: Der Zugang zu Exportmärkten muss durch rasches Impfen gesichert werden.

Österreich verbaut sich Chancen

Leider entscheidet nicht immer die Logik. Anders ist die hierzulande massive Skepsis gegenüber Freihandel nicht zu erklären, mit der wir bewusst Sand ins Getriebe des Exportmotors streuen. Jüngstes Beispiel ist das Mercosur-Freihandelsabkommen, das zu einer Verdoppelung europäischer Exporte in 7 bis 10 Jahren führen könnte. Schon jetzt sichert der Handel mit der Mercosur-Region rund 32.000 Arbeitsplätze in Österreich – mit Potenzial nach oben. Und nicht nur das: Mercosur könnte als Hebel für (!) den Klimaschutz wirken, mit der klaren Verpflichtung zum Pariser Klimaabkommen, zur Aufforstung des Regenwaldes und zum Vorgehen gegen illegale Brandrodungen. Mit Österreichs „Nein“ zu Mercosur sägen wir nicht nur an dem sprichwörtlichen Ast auf dem wir sitzen. Wir helfen mit, den ganzen (Regen-)Wald abzuholzen und zelebrieren nebenbei voller Überzeugung die Sabotage dessen, worauf sich Österreichs Wohlstand maßgeblich gründet: Freie, faire Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche, wettbewerbsfähige Exportwirtschaft. Logisches Verhalten sieht anders aus.

Autor: Christoph Neumayer