Nutzen wir unsere Chancen – weltweit!

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Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV)

19.11.2022 | 2 min

Christoph Neumayer: Nutzen wir unsere Chancen – weltweit!

Mehr als die Hälfte der Wertschöpfung erwirtschaften wir außerhalb unserer Grenzen.

Wer die österreich-zentrierten Debatten in heimischen Medien aller Art verfolgt, der könnte den Eindruck gewinnen, die Zukunft des Landes entscheidet sich in U-Ausschüssen oder bei auf Fahrbahnen festgeklebten Klimaschützern. Dabei wird oft vergessen, dass Österreich den Großteil seines Wohlstands seiner Einbettung in den internationalen Handel verdankt. Der Blick über den Tellerrand macht also Sinn: Mehr als die Hälfte der Wertschöpfung erwirtschaften wir außerhalb unserer Grenzen und rund jeder fünfte Arbeitsplatz hängt am Handel mit anderen Ländern. Heuer werden wir voraussichtlich Waren im Wert von 180 Milliarden Euro aus Österreich exportieren. Unsere (Hidden) Champions haben “Made in Austria” auf der ganzen Welt etabliert. Dieses Image und diese Handelsbeziehungen sollten wir pflegen und ausbauen – gerade in Zeiten, in denen der Wind auf den Weltmärkten rauer weht und der Wettbewerb – siehe Energiekosten – härter wird. 

Das Beispiel CETA zeigt eindrucksvoll, wie ideologisch aufgeladen und unbegründet viele Ängste oftmals sind, die bei Handelsabkommen oft ins Treffen geführt wurden und werden. Fünf Jahre nachdem der Pakt mit Kanada geschlossen wurde, gab es weder Klagen kanadischer Unternehmen gegen europäische Regierungen, noch hat es “Hormon- oder Chlorfleisch” über Kanada in österreichische Supermärkte geschafft – und die Wasserversorgung ist auch nicht in die Hände ausländischer Privatinvestoren geraten. Im Gegenteil: Attestierten Kritiker dem Abkommen nur “äußerst geringe ökonomische Effekte”, entpuppt sich der Pakt aus heutiger Perspektive als kleines Außenhandelswunder. 2021 waren die österreichischen Exporte nach Kanada um satte 48 Prozent (!) höher als vor der Anwendung von Ceta (2017 in Kraft getreten).

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Dieses Beispiel sollte uns wachrütteln – und zu einer klugen Handelspolitik motivieren, die das Zeug hat, unseren Wohlstand auch in Zukunft nachhaltig zu sichern. In Brasilien werden die politischen Karten neu gemischt und es ist vielleicht ein historisches Fenster, um die Mercosur-Region als Markt für europäische und österreichische Unternehmen weiter zu öffnen – in einem fairen Abkommen, das auch Umweltschutz sowie Sozial- und Menschenrechtsstandards berücksichtigt, versteht sich. 2021 erreichten die heimischen Warenexporte nach Mercosur einen Wert von 930,3 Millionen Euro. Hier gibt es noch viel Luft nach oben. 

Gegeben der geänderten geopolitischen Rahmenbedingungen und der Neuordnung der Weltwirtschaft mit erstarkenden autokratischen Wirtschaftsmächten lohnt es sich auch, die Handelsbeziehungen mit den USA weiter zu stärken und auszubauen. Damit wir den Aufschwung nach den Krisenzeiten in seinem vollen Potenzial für den Standort Österreich und seine Bürgerinnen und Bürger ausschöpfen können – denn das war schon immer die Stärke der heimischen Industrie und der mit ihr verbundenen Sektoren.

Autor: Christoph Neumayer