Ich wiederhole: endlich! In Zukunft werden wir nicht mehr so viel Zeit haben und rascher entscheidungs- und handlungsfähiger sein müssen. Wenn tatsächlich Indien jetzt folgt, ist das ein außerordentlich positives Signal!
Ich verstehe, dass jemand, insbesondere aus einer Interessenvertretung heraus, Positionen vertreten muss. Aber wenn eine größere ganzheitliche Sichtweise damit nicht mehr eingenommen werden kann, wenn Betroffenen Ängste statt Chancen vor Augen geführt werden, wenn man sich selbst aus dem Verhandlungsspiel herausnimmt und fundamental dagegen ist, dann ist das nicht mehr nachvollziehbar.
Exportnation Österreich
Die Exportnation Österreich verdient 6 von 10 Euro ihres Wohlstandes im Export und mehr noch: Wo wir Europäer Partnerschaften als Europa geschlossen haben, sind wir stärker geworden, nicht schwächer. Was wurde alles über das CETA-Abkommen mit Kanada geschrieben. Welche Befürchtungen wurden geäußert und wie viele Untergangsszenarien, als Drohbotschaften, wurden in die Welt gesetzt?

Was war das Ergebnis?
Europäische Warenexporte nach Kanada legten um 65 % zu! Das war fast doppelt so viel wie der Anstieg der Exporte in den Rest der Welt mit 37 %. Pro Jahr wuchs die europäische Wirtschaftsleistung dadurch um durchschnittlich 3,2 Milliarden Euro.
Mag sein, wird mir vielleicht jetzt entgegnet, aber das betrifft ja doch wohl Industriegüter und nicht die arme Landwirtschaft, die am Altar industrieller Interessen geopfert wird. Aber wie sieht hier das Ergebnis aus?
Die Exporte von Fleisch und Fleischprodukten nach Kanada stiegen um 188 %, jene von Milchprodukten um 62 %, wobei die Zunahme von Käseexporten mit 77 % besonders stark war. Österreich liefert Fruchtsäfte, Energy Drinks, Schokolade, Fleisch und Wein in alle Welt. Hallo, liebe Agrarier, ist dies nicht ein Grund, stolz auf unsere Betriebe zu sein, die all das in bester Qualität herstellen und erfolgreich vermarkten?
Angst oder mutiger Fortschritt?
Auch Donald Trump hat es nicht geschafft, Österreich von seiner sturen Nein-Politik zu Mercosur abzubringen. Soll doch China oder die USA, die die Region ohnehin als ihren Hinterhof betrachten, in Lateinamerika dominieren – wir Österreicher klammern uns lieber an unsere Ängste. Wovor fürchten wir uns eigentlich?
In Wahrheit fürchten wir uns vor uns selbst und was in Frankreich Marine Le Pen ist, ist bei uns Herbert Kickl.
Wer aber hat bei den Mercosur Verhandlungen positive Ergebnisse erreicht, dann dem Abkommen zugestimmt und es somit ermöglich? Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni! Sie gibt Italien damit mehr europäisches Profil als man von einer Populistin hätte erwarten können. Sie gleicht aus, wo Länder wie Österreich versagen – aus Angst vor sich selbst.
Autor: Christoph Leitl
