Andreas Holler: Der Wohnungskauf in bewegten Zinszeiten

Warum beim Immobilienkauf nicht der Zins, sondern die Gesamtrechnung im Mittelpunkt stehen sollte.
© BUWOG / Andreas Pohlmann
Andreas Holler: Der Wohnungskauf in bewegten Zinszeiten
Andreas Holler, Geschäftsführer der BUWOG.

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Die vergangenen Jahre haben Kaufinteressent:innen einiges abverlangt. Auf die historische Niedrigzinsphase folgte ab 2022 eine rasche Zinswende, danach eine Phase der Stabilisierung. Erst kürzlich haben sich die Rahmenbedingungen erneut verändert. Mit der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank vom 10. September, wurde der Leitzins um weitere 25 Basispunkte angehoben. Für viele, die einen Wohnungskauf planen, stellt sich damit erneut die Frage, wie mit dieser Entwicklung umzugehen ist.

Verständlich, dass das bei potenziellen Käufer:innen zunächst Verunsicherung auslöst.

Ich möchte an dieser Stelle jedoch für etwas mehr Gelassenheit plädieren – denn die Zahlen und die Marktlage sprechen eine klare Sprache. Aus meiner Sicht lautet die entscheidende Frage dabei weniger, ob das aktuelle Zinsniveau „perfekt“ ist. Entscheidend ist vielmehr, ob Kaufpreis, Eigenmittel, Finanzierungsstruktur und monatliche Belastung langfristig zur eigenen Situation passen. Denn wer auf den perfekten Zeitpunkt für den Immobilienkauf wartet, wartet möglicherweise sehr lange.

Ein wichtiger Punkt, auf den ich hinweisen möchte: Die Finanzierungssituation hat sich gegenüber den Jahren der abrupten Zinswende 2022 und 2023 spürbar stabilisiert und ist deutlich transparenter. Banken bieten heute wieder verlässlichere Konditionen, die Nachfrage nach Wohnbaukrediten zieht an, und mit etwas Weitblick – etwa durch Fixzinsvereinbarungen oder eine vorausschauende Tilgungsplanung – lässt sich ein möglicher Zinsanstieg gut abfedern. Wer sich frühzeitig mit der eigenen Finanzierung auseinandersetzt und realistisch kalkuliert, kann die monatlichen Mehrkosten gut in die eigene Haushaltsplanung integrieren.

Zinsen sollten nicht nur isoliert betrachten werden

Selbstverständlich ist die jüngste Anhebung in einem Haushaltbudget trotzdem spürbar. Konkret bedeutet ein moderater Zinsanstieg für Käufer:innen mit einem Wohnbaukredit von etwa 300.000 bis 400.000 Euro, abhängig von Laufzeit und Finanzierungsstruktur, durchaus eine Mehrbelastung von rund 170 bis über 200 Euro pro Monat. Das ist offensichtlich ein relevanter Betrag und gehört in jede seriöse Haushaltsrechnung.

Gleichzeitig gilt es jedoch, diese Entwicklung richtig einzuordnen: Im Vergleich zu den Zinsniveaus, die wir in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben, bewegen wir uns immer noch in einem moderaten Bereich.

Wer also heute eine solide, gut durchgerechnete Finanzierung aufstellt, muss mit dem neuerlichen Anstieg nicht in Panik verfallen. Zudem sollte der Zins nie isoliert betrachtet werden. Eigenkapitalquote, Laufzeit, Tilgungsstruktur und die Wahl zwischen fixer und variabler Verzinsung bestimmen gemeinsam, wie tragfähig eine Finanzierung über die gesamte Laufzeit ist – nicht die Frage, ob der Zins heute oder in einem Jahr um einige Zehntelprozentpunkte niedriger liegt.

Andreas Holler: Der Wohnungskauf in bewegten Zinszeiten
© smarterpix / alexraths

Eine Frage, die mir in Gesprächen mit Kaufinteressent:innen immer wieder begegnet, lautet: Sollte man nicht besser warten, bis sich die Zinslandschaft wieder beruhigt hat?

Aus meiner Sicht ist genau das Gegenteil der Fall – und das hat einen einfachen Grund: das strukturelle Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Wiener Wohnungsmarkt. Wie ich und zahlreiche andere Branchenexperten bereits mehrfach betont haben, ist das Neubauvolumen in Wien und anderen österreichischen Ballungsräumen in den vergangenen Jahren spürbar zurückgegangen, während die Nachfrage ungebrochen hoch bleibt. Daher darf nicht außer Acht gelassen werden: Wer über den Kauf einer Wohnung nachdenkt, sollte neben der Finanzierung auch die Entwicklung des Angebots im Blick behalten.

Denn die Angebotsknappheit betrifft längst nicht nur den Mietmarkt, sondern zunehmend auch das Eigentumssegment. Mit dem Kauf einer Wohnung sichert man sich somit auch einen Vermögenswert in einem Markt, der aufgrund der anhaltenden Angebotsknappheit in den kommenden Jahren eher moderate Preiszuwächse als Preisrückgänge erwarten lässt. Dass diese Entwicklung längst begonnen hat, zeigen aktuelle Zahlen von Statistik Austria. Laut einer Aussendung von 23. September sind die Preise für Wohneigentum in Österreich im 1. Halbjahr 2026 im Schnitt um 3,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Damit verzeichnete der Häuserpreisindex ein neues Allzeithoch und markiert zudem den höchsten Stand seit 2010. Hinzu kommt: Da Immobilienprojekte mehrjährige Vorlaufzeiten benötigen, wirken sich die niedrigen Projektstarts und Baubewilligungen der vergangenen Jahre erst zeitverzögert aus und beeinflussen das verfügbare Angebot dementsprechend. Erste Anzeichen einer Stabilisierung bei den Baubewilligungen und eine langsam wieder anfahrende Bauaktivität ändern an dieser mittelfristigen Situation daher erstmal wenig.

Stets die Gesamtrechnung vor Augen haben

Niemand kann seriös vorhersagen, wo Zinsen oder Immobilienpreise in zwei oder drei Jahren exakt stehen werden. Wer also gleichzeitig auf deutlich niedrigere Zinsen und auf spürbar günstigere Neubaupreise wartet, spekuliert auf zwei Entwicklungen, die keineswegs gemeinsam eintreten müssen. Eine langfristige Kaufentscheidung allein vom Versuch abhängig zu machen, den perfekten Marktzeitpunkt zu treffen, halte ich daher für wenig zielführend.

Wer über den Kauf einer Wohnung nachdenkt, sollte meiner Meinung nach deshalb nicht die Frage „Steigen oder fallen die Zinsen noch?“ in den Mittelpunkt der Überlegung stellen, sondern eine nüchterne Gesamtrechnung durchführen:

Wie hoch ist der Kaufpreis im Verhältnis zu Lage und Qualität der Immobilie? Wie viel Eigenkapital steht zur Verfügung? Welche monatliche Belastung ergibt sich über die gewählte Laufzeit – auch bei einem etwas höheren Zins? Und passt die Immobilie zu den eigenen langfristigen Wohn- oder Anlagebedürfnissen?

Wer diese Fragen für sich beantworten kann, muss eine Kaufentscheidung nicht allein davon abhängig machen, wo der Kreditzins in den kommenden Monaten steht. Denn eine Immobilie ist für die meisten Menschen ohnehin eine langfristige Wohn- und Vermögensentscheidung.

Leistbarkeit beim Wohnungskauf bleibt eine zentrale Herausforderung

Selbstverständlich spielt beim Wohnungskauf auch die Frage der individuellen Leistbarkeit eine große Rolle. Grundstückskosten, Baukosten, Finanzierungskosten und regulatorische Anforderungen bestimmen gemeinsam, zu welchem Preis neuer Wohnraum entstehen kann. Rahmenbedingungen, die Investitionen in zusätzlichen Wohnraum erleichtern und Herstellungskosten senken, würden hier langfristig helfen, das Angebot zu vergrößern und den Markt für eine breitere Zielgruppe zu öffnen.

Genau hier setzt auch das Engagement der BUWOG an. Als Bauträger sehen wir uns hier in der Verantwortung, Käufer:innen konkret zu unterstützen. So sehen wir es als unsere Aufgabe, Käufer:innen nicht nur mit Wohnraum, sondern auch mit finanziellen Hilfestellungen zu versorgen.

Bereits in der Vergangenheit haben wir Wohnungskäufer:innen mit Aktionen wie dem „Wohnbonus“ oder der „Wohnpreisschmelze“ Ermäßigungen angeboten. Derzeit können Käufer:innen mit der „BUWOG Blitzaktion“ während des Aktionszeitraums 5 % und teilweise sogar 10 % des Kaufpreises auf ausgewählte Wohnungen sparen, wenn sie sich innerhalb von 14 Tagen nach der Erstbesichtigung für den Kauf entscheiden und deren Kaufanbot angenommen wird.

Solche Maßnahmen ersetzen natürlich keine solide Finanzierungsplanung – sie können aber helfen, die Einstiegshürde zu senken.

Autor: Andreas Holler

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