Hohe Energiepreise bringen Österreichs Haushalte zum Umdenken

Wechselwille aus Gas und Öl steigt deutlich – Fernwärme einstweilen Primärquelle in Österreich.
© EY / Christina Häusler
Hohe Energiepreise bringen Österreichs Haushalte zum Umdenken
Christina Khinast-Sittenthaler, Leiterin des Energiesektors bei EY Österreich.

Teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp

Die hohen Energiepreise bleiben weiterhin ein Sorgenkind für die Lebenssituation und Erhaltungskosten der Österreicher:innen – sowohl bei Wärme als auch bei Strom. Derzeit beziehen 77 Prozent der Österreicher:innen ihre Energie immer noch ausschließlich von Stromanbietern. Fernwärme ist mit einer Verbreitung in 36 Prozent der Haushalte die primäre Wärmequelle (2025: 27 %), gefolgt von Gas mit 25 Prozent (2025: 23 %).

Pellets beziehungsweise Holz sind die Quelle der Wahl für 17 Prozent, Luft-, Wasser-, Wärmepumpen für 15 Prozent der Haushalte. Öl wird weiterhin von knapp zehn Prozent bezogen (2025: 10 %), alle anderen Energiequellen wie Solar, Infrarot, Biomasse, Brennstoffzellen oder sonstige werden von deutlich unter fünf Prozent der Befragten genutzt.

Auffällig ist die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg:

2022 nutzten nur knapp neun Prozent eine Luft-, Wasser-, Wärmepumpe und 26 Prozent Fernwärme – diese Energiequellen verzeichnen also einen deutlichen Nutzungsanstieg.

Hohe Energiepreise bringen Österreichs Haushalte zum Umdenken
© EY

Gas (27 auf 25 %) zeigt einen leichten Sinkflug – Pellets und Holz (22 auf 17 %) sind im Vergleich zu 2022 deutlich weniger weit verbreitet. Alternative Methoden wie Luft-/Wasser-/Wärmepumpen sind mittlerweile beliebter – ihre Nutzung ist in einem Jahr von zwölf auf ungefähr 15% gestiegen. Weitere Quellen wie Infrarot oder Biomasse sind aber weit abgeschlagen.

Insbesondere Öl und Gas-Nutzer:innen spüren den Preisdruck und wünschen sich, auch um mehr Unabhängigkeit von ihrer Energiequelle zu erlangen, vermehrt einen Wechsel zu alternativen Energiequellen.

„Der Sorgendruck durch die hohen Energiekosten ist nicht kleiner geworden, und parallel dazu ist der Wechselwille im Bereich Wärme, insbesondere bei den Quellen Öl und Gas, in die Höhe geschossen. Primär wegen der Kosten und der Angst vor Abhängigkeit, weniger wegen des Klimaschutzes. Hier gäbe es, gerade bei alternativen Quellen, noch große Potenziale, die es zu heben gilt – und dafür braucht es Anreize“, erklärt Christina Khinast-Sittenthaler, Leiterin des Energiesektors bei EY Österreich.

Umstieg als Alternative

64 Prozent der Öl-Haushalte wollen gerne auf eine andere Energiequelle umsteigen. 34 Prozent planen kurz- bis mittelfristig den Umstieg auf eine Alternative, 30 Prozent würden gerne wechseln, planen aber derzeit noch nicht konkret.

„Im Vorjahr war es etwas mehr als ein Drittel der Personen mit Ölheizung, das über einen Wechsel auf ein anders System nachdachte oder mitten im Umstieg war. Man kann also sagen, der Wechselwille bei der Energiequelle Öl hat sich verdoppelt – ein klares Zeichen dafür, dass die geo- und marktpolitische Lage rund um fossile Energieträger den Menschen in Österreich durchwegs große Sorgen bereitet“, konstatiert Christina Khinast-Sittenthaler.

© EY

Der vorwiegende Grund, warum Österreicher:innen einen Wechsel vorantreiben wollen, liegt in der Preisentwicklung (60 %), gefolgt vom Wunsch nach Unabhängigkeit vom Ölmarkt (52 %). Immerhin 47 Prozent nennen Klimaschutz als Hauptgrund, umsteigen zu wollen.

Auch viele Gas-Nutzer:innen planen den Umstieg auf eine Alternative, wenn auch etwas weniger als jene mit Ölheizung.

© EY

Mehr als ein Viertel (26 %) ist bereits mitten im Wechsel oder in der Planung. Ein weiteres Viertel (25 %) würde gerne wechseln, ist aber noch nicht in die Gänge gekommen. Insgesamt zeigt sich also die Hälfte der Gas-Haushalte (51 %) als wechselwillig.

Auch hier sind, wie auch bei Öl, die Preisentwicklung (52 %) und der Wunsch nach Unabhängigkeit (49 %) die treibenden Kräfte – Klimaschutz ist hier nur für 38 Prozent der entscheidende Faktor.

Wechselwille bei Strom

Nicht nur bei Wärme, auch bei Strom ist die Kundenzufriedenheit mit dem Anbieter oder Preis ausbaubar: 15 Prozent haben 2026 ihren Stromanbieter gewechselt, mehr als jeder fünfte Haushalt (21 %) zumindest den Tarif beim bestehenden Anbieter.

Insgesamt hat somit mehr als ein Drittel der Haushalte versucht, die Stromkosten durch einen Anbieter- oder Tarifwechsel zu senken.

Dass der Wechsel des Stromanbieters durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ELWG) vereinfacht wurde, hat mittlerweile den Großteil der Bevölkerung erreicht und ist bei 55 Prozent der Österreicher:innen bekannt. Den gesetzlichen Sozialtarif kennen dagegen bisher nur 43 Prozent.

Eigenproduktion noch weit abgeschlagen

Trotz hohem Wechselwillen hat sich Strom aus Eigenproduktion immer noch nicht durchgesetzt.

© EY

Aktuell nutzen 22 Prozent der Österreicher:innen zumindest teilweise Energie aus Eigenproduktion, 2025 waren es 21 Prozent. Fünf Prozent sagen aus, ihren Strom zur Gänze selbst zu produzieren, weitere fünf Prozent beziehen Strom zumindest zur Hälfte aus Eigenproduktion, und der Großteil der Eigenproduzent:innen (12 %) stellt weniger als die Hälfte des Bedarfs selbst her.

Mittlerweile verfügen bereits 55 Prozent der Haushalte über einen Heimspeicher (2025: 48 %), über ein Viertel (26 %) plant die Anschaffung. Zum Vergleich: 2022 setzte nur etwa die Hälfte (23 %) auf die Speicherung überschüssiger Strommengen in den eigenen vier Wänden.

https://www.ey.com

Das könnte Sie ebenfalls interessieren:

Melden Sie sich hier an

Sie sind noch nicht registriert?