Luftfahrtindustrie ringt aufgrund geopolitischer Unsicherheit um Stabilität

Iran-Krieg stellt Lieferketten auf die Probe – trotz struktureller Risiken beweist die Branche Resilienz.
© Roland Berger
Luftfahrtindustrie ringt aufgrund geopolitischer Unsicherheit um Stabilität
Stephan Baur, Partner bei Roland Berger.

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Der anhaltende Krieg im Nahen Osten könnte die angespannte Lage mit Blick auf die globalen Lieferketten weiter verschärfen und die Luftfahrtindustrie zusätzlich beanspruchen.

Während die unmittelbaren operativen Auswirkungen bislang begrenzt geblieben sind, könnte eine länger anhaltende Phase geopolitischer Instabilität laut der Roland-Berger-Analyse „The global aerospace supply chain in 2026“ sowohl die Lieferketten als auch die Flugzeugproduktion langfristig beeinflussen:

Steigende Kerosinpreise, Umleitungen im Flugverkehr und eine schwächere Nachfrage auf betroffenen Strecken könnten die wirtschaftliche Situation einzelner Airlines stark beeinträchtigen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnten finanziell schwächere Airlines Bestellungen verschieben oder stornieren, mit zeitverzögerten Auswirkungen auf die Produktionsraten der Hersteller.

Roland Berger skizziert drei Szenarien:

  1. Bei einer baldigen Beilegung des Konflikts sind keine nennenswerten Auswirkungen auf die Flugzeugproduktion zu erwarten. Der Krieg hat bislang vor allem die Logistik beeinflusst, indem einige Zulieferer von Seefracht auf teurere Luftfracht umstellen mussten. Im Ergebnis heißt das: Steigende Kosten, aber ohne spürbare Auswirkungen auf Flugzeugauslieferungen.

  1. Ein erhöhtes Risiko ergibt sich mittelfristig aus einer eingeschränkten Verfügbarkeit bestimmter chemischer Produkte aus dem Nahen Osten. Wegen der langen Vorlaufzeiten in der Luftfahrt würden sich diese erst Monate später auf die Produktion auswirken.

  1. In einem anhaltenden oder eskalierenden Konfliktszenario könnte der Rückgang der Profitabilität von Airlines weitreichende Auswirkungen auf Produktionsraten und Investitionsentscheidungen haben.

Geopolitische Entwicklungen und Lieferketten

Eine kurz vor Beginn des Iran-Kriegs durchgeführte Befragung von 95 Luftfahrtunternehmen in Europa in Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sowie den Luftfahrtverbänden aus UK (ADS) und Frankreich (GIFAS) zeigt, dass die Branche weiterhin erhöhtes Optimierungspotenzial bei Resilienz und Skalierungsfähigkeit sieht:

Zwar fühlen sich mehr als 70 % der Unternehmen für den aktuellen Produktionshochlauf gut aufgestellt, doch rund ein Drittel sieht weiterhin akuten Handlungsbedarf entlang der Lieferketten und Produktionsprozesse. Externe Störungen könnten diese zusätzlich verstärken.

„Geopolitische Entwicklungen fügen einem ohnehin schon herausfordernden Umfeld eine neue Komplexitätsebene hinzu. Die Branche hat ihre Resilienz verbessert. Für einen stabilen Produktionshochlauf müssen jedoch weitere Engpässe adressiert werden“, erörtert Stephan Baur, Partner bei Roland Berger.

© Roland Berger

Zwar haben sich die Lieferketten im Vergleich zu den Vorjahren stabilisiert, bleiben aber in einzelnen Bereichen angespannt: 55 % der Unternehmen berichten weiterhin von relevanten Störungen und rund 80 % erwarten Engpässe bei kritischen Rohstoffen wie Titan, Stahl oder seltenen Erden.

Ausblick

Die Luftfahrtindustrie tritt in eine neue Phase ein, in der geopolitische Risiken, Materialengpässe und Herausforderungen beim Produktionshochlauf parallel adressiert werden müssen.

© Roland Berger

Um zukünftige Produktionsraten abzusichern, sind eine engere Zusammenarbeit zwischen OEMs, Zulieferern und Politik sowie zusätzliche Investitionen in resilientere und transparentere Lieferkettenstrukturen entscheidend.

„Unsere Industrie zeigt aktuell große wirtschaftliche und technologische Stärke. Gleichzeitig machen die geopolitischen Entwicklungen deutlich, wie wichtig robuste Lieferketten und langfristige industriepolitische Rahmenbedingungen geworden sind“, ergänzt Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des BDLI.

Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.

https://www.rolandberger.com

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