Das Bildungsniveau der österreichischen Bevölkerung weist im letzten halben Jahrhundert beträchtliche Anstiege auf. Geschlechtsspezifische Unterschiede haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen, bestehen jedoch weiterhin. Im internationalen Vergleich liegt der Bevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss in Österreich im Mittelfeld.
Das Bildungsniveau der Bevölkerung entscheidet mit über den gegenwärtigen und zukünftigen Wohlstand einer Gesellschaft. Wissen und Fähigkeiten werden zunehmend zu ökonomischen Standortfaktoren.

In den letzten Jahrzehnten stieg das Bildungsniveau der Bevölkerung in Österreich im Alter von 25 bis 64 Jahren deutlich an. Hatten 1981 noch 46,0 % der Bevölkerung lediglich einen Pflichtschulabschluss, sank deren Anteil 2022 auf 17,1 % und bleibt auch 2023 auf diesem Niveau. Demgegenüber nahm der Bevölkerungsanteil mit Abschluss einer mittleren oder höheren Schule von 18,4 % auf 30,4 % um 12 Prozentpunkte zu.
Der Anstieg bei Hochschul- oder Akademieabschlüssen hat sich im gleichen Zeitraum nahezu verfünffacht (von 4,5 % auf 21,0 %). Der Anteil der Bevölkerung mit Lehrabschluss erreichte 2001 einen Höchstwert von 39,4 % und ging bis 2023 auf 31,5 % zurück.
Im internationalen Vergleich der OECD liegt im Jahr 2024 der Bevölkerungsanteil der 25- bis 64-Jährigen in Österreich, die höchstens eine Pflichtschulbildung haben, bei 13,1 %. Der Durchschnitt der EU22-Länder zeigt einen höheren Anteil (15,4 %). Den höchsten Bevölkerungsanteil mit nicht über die Pflichtschule hinausgehender Bildung weist unter den EU22-Staaten Portugal mit 38,5 % auf, den niedrigsten Polen mit 5,2 %.

Insgesamt ist, laut Statistik Austria, ein Anstieg des Bildungsniveaus der Bevölkerung festzustellen. Allerdings ist die Bildungsmobilität zwischen den Generationen in Österreich gebremst. Es hängt stark von der sozialen Herkunft ab, welche Ausbildung Kinder und Jugendliche erhalten. Für Kinder, deren Eltern einen niedrigen formalen Bildungsabschluss haben, ist es schwierig, jenen einer höheren Schule oder Universität zu erreichen.
„Das Bildungsniveau der österreichischen Bevölkerung steigt weiterhin. Seit 1981 ist der Anteil von Personen, die höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, auf 17,1 % zurückgegangen. Im selben Zeitraum hat sich der Anteil der Akademiker:innen verfünffacht. Da Bildungskarrieren früh geprägt werden und um Schüler:innen mit ungenügenden Deutschkenntnissen möglichst frühzeitig abzuholen, werden diese seit dem Schuljahr 2018/19 in Deutschförderklassen bzw. -kursen gefördert. Rund jede:r zehnte Volksschüler:in erhält eine Deutschförderung, insgesamt bekommt ein Drittel der Pflichtschüler:innen länger als ein Jahr Unterstützung“, erklärt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.
Deutschförderung
Seit dem Schuljahr 2018/19 werden Schüler:innen mit unzureichenden Kenntnissen der deutschen Unterrichtssprache in Deutschförderklassen oder in unterrichtsparallelen Deutschförderkursen unterrichtet. Die Zuteilung erfolgt auf Basis eines österreichweit einheitlichen, standardisierten Testverfahrens, dem MIKA-D (Messinstrument zur Kompetenzanalyse – Deutsch).
Schüler:innen mit ungenügenden Deutschkenntnissen werden dabei entweder in reinen Deutschförderklassen oder in ihrer Stammklasse integrativ nach dem Lehrplan der Deutschförderklasse unterrichtet. Schüler:innen mit mangelhaften Deutschkenntnissen erhalten, parallel zum Unterricht in der Stammklasse, eine Deutschförderung in Form eines Deutschförderkurses im Ausmaß von sechs Wochenstunden.
In der Regel können Deutschförderklassen und Deutschförderkurse maximal zwei Jahre lang besucht werden.

Die Maßnahmen zur Deutschförderung im Pflichtschulbereich entfallen überwiegend auf Kinder im frühen Bildungsalter, beginnen bereits in der Vorschulstufe und finden mit 84 % hauptsächlich an Volksschulen statt.

Im Schuljahr 2024/25 erhielten rund 62 % der Vorschulkinder eine entsprechende Unterstützung. In der ersten Schulstufe der Volksschulen besuchten im Schuljahr 2024/25 rund 23,3 % der Schüler:innen eine Deutschförderklasse oder -kurs. In höheren Schulstufen verringert sich der Anteil der Kinder in Deutschförderung kontinuierlich. In Mittelschulen lag der Anteil bei 3,0 %.
Deutschförderung findet häufiger in den Städten statt, in Wien betrifft es 15,4 % der Pflichtschüler:innen, gefolgt von Oberösterreich (7,5 %), Vorarlberg (6,3 %) und Steiermark (6,1 %).

Im Schuljahr 2022/23 begannen im Pflichtschulbereich rund 13 800 Schüler:innen erstmals eine Deutschförderklasse. Nach einem Jahr bekamen 13,4 % davon keine Deutschförderung mehr und 42,6 % wechselten in einen Deutschförderkurs. Knapp jede:r Dritte besuchte nach einem Jahr weiterhin eine Deutschförderklasse.
Stabilisierung bei Ausbildungsabbrüchen
Von den mehr als 1 Million Schüler:innen in Österreich waren insgesamt rund 50 000 am Ende des Schuljahres 2023/24 nicht aufstiegsberechtigt. Diese Zahl ist – mit Ausnahme rund um die Corona-Jahre – langfristig stabil und in der Sekundarstufe II in der Regel höher (z. B. AHS-Oberstufe 9 %). Schüler werden dabei häufiger negativ beurteilt als Schülerinnen.
In den Schultypen Mittelschule, AHS, BMS und BHS wiederholt insgesamt etwa die Hälfte aller nicht Aufstiegsberechtigen die Klasse und etwa ein Drittel wechselt in eine andere Ausbildung. Rund ein Fünftel ist nicht mehr im formalen Schulsystem erfasst.

Die Ausbildungsverläufe von Neueinsteiger:innen in die AHS-Oberstufe oder eine BHS zeigen, dass der Anteil jener, die nach dem ersten Jahr die Ausbildung wechseln bzw. abbrechen, an BHS deutlich höher ist als an AHS (7,9 % vs. 14 %). In der Regelzeit haben von diesen Neueinsteiger:innen 63,5 % die AHS-Oberstufe und 53,9 % die BHS erfolgreich abgeschlossen.
Betrachtet man im Hochschulbereich die Studienverläufe von Erstimmatrikulierten in Bachelor und Diplomstudien an öffentlichen Universitäten zeigt sich, dass etwa ein Viertel der Studierenden nach 4 Jahren einen Abschluss erzielt hat. Nach 10 Jahren haben 64,5 % ihr Studium an einer Hochschule erfolgreich abgeschlossen, weitere 27,6 % haben ihr Studium abgebrochen oder unterbrochen.
Erwerbstätigkeit immer mehr im Fokus
Im Rahmen des AKE-Moduls 2024 „Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt“ wurden Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 34 Jahren ebenso zu Ausbildungsabbrüchen befragt.
Hochgerechnet gaben 469 800 Personen an, mindestens eine formale Ausbildung im Schul- und Hochschulwesen oder eine Lehrausbildung vorzeitig abgebrochen zu haben. Das entspricht einem Anteil von 22,3 % aller 15- bis 34-Jährigen.

Als Hauptgrund für den Abbruch der Ausbildung nannten 52,2 % der Befragten, dass ihnen die Ausbildung nicht zugesagt habe bzw. diese zu anspruchsvoll gewesen sei. 21,8 % begründeten den Abbruch der Ausbildung mit dem Wunsch nach Erwerbstätigkeit bzw. mit finanziellen Gründen. Andere persönliche Gründe, etwa gesundheitliche Einschränkungen oder Behinderungen, führten bei 13,7 % zum Abbruch der Ausbildung; 4 % – hauptsächlich für Frauen – gaben andere familiäre Gründe an, etwa die Pflege von Angehörigen oder Kindern.
Deutliche Zusammenhänge lassen sich auch zwischen den Arbeitslosenquoten und den Bildungsabschlüssen erkennen. Während 2025 die Arbeitslosenquote insgesamt bei 5,7 % lag, betrug diese für Personen mit Hochschulabschluss nur 4,0 %. Unterdurchschnittlich war die Arbeitslosenquote mit 3,2 % bei Personen mit einem BMS-Abschluss, einem BHS-Abschluss (4,4 %) sowie einer abgeschlossenen Lehre (5,0 %). Demgegenüber lag 2025 die Arbeitslosenquote von Personen mit AHS-Matura als höchstem Bildungsabschluss mit 6,8 % über dem Durchschnitt.
Die Arbeitslosenquote von Personen mit höchstens einem Pflichtschulabschluss war bereits in den 2000er-Jahren deutlich überdurchschnittlich. 2004 lag diese bei 10,3 %, stieg weiter stark an und erreichte 2021 mit 14,2 % den bislang höchsten Wert. 2025 lag diese bei 13,1 %.
Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.
