Kreislaufwirtschaft nimmt innerhalb der österreichischen Industriestrategie eine zentrale Rolle ein. Eine aktuelle Untersuchung des KONTEXT Instituts verdeutlicht, wie Österreich seine Vorreiterrolle weiterentwickeln und zu einem maßgeblichen Impulsgeber auf europäischer Ebene werden kann.
Gleichzeitig werden Wettbewerbspotenziale, sowie notwendige Maßnahmen, um diese zu heben, aufgezeigt.
Pulsgeber entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Ein Export-Boost bei Recyclingtechnologien und -materialien durch die Steigerung der inländischen Recyclingleistung kann bis zum Jahr 2030 insgesamt 2,2 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung und 20.300 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Das zeigt eine Modellierung, die das KONTEXT Institut beim Umweltbundesamt in Auftrag gegeben hat.
Die positiven Effekte entfalten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Besonders profitieren Abfallwirtschaft, Maschinenbau, industrielle Zuliefererbranchen sowie handels- und dienstleistungsnahe Bereiche. Die Kreislaufwirtschaft wirkt damit nicht als isolierter Nischensektor, sondern als gesamtwirtschaftlicher Pulsgeber.
„Die Wegwerf-Wirtschaft, wie wir sie bisher kennen, wirft erhebliche wirtschaftliche Chancen weg. Die Kreislaufwirtschaft kann das ändern. Österreich ist in vielen Feldern bereits Pionier. Mit den richtigen politischen Maßnahmen können wir das Wettbewerbspotenzial heben und damit Innovationen, Exporte sowie heimische Wertschöpfung und Arbeitsplätze steigern“, erörtert Katharina Rogenhofer, Vorständin und Sprecherin des KONTEXT Instituts für Klimafragen.
Starke Ausgangsposition im Recycling
Bereits heute verfügt Österreich im Bereich der Kreislaufwirtschaft über eine hohe Innovationsleistung, wie die überdurchschnittliche Patentaktivität zeigt.

Gleichzeitig gibt es eine Vielzahl an Unternehmen mit technologischer Führungsposition in ausgewählten Nischen sowie eine breite industrielle Basis entlang der relevanten Wertschöpfungsketten. Diese Kombination begünstigt, dass technologische Spezialisierung in reale Exporterfolge und Wertschöpfung übersetzt werden.

„Trotz dieser Pionierstellung kann Österreichs Wirtschaft derzeit dieses Wettbewerbspotenzial nicht voll nutzen. Strukturelle Preisnachteile von Sekundärrohstoffen gegenüber Primärmaterialien, fehlende Standardisierung sowie regulatorische Ungleichbehandlungen bremsen die Skalierung kreislauforientierter Geschäftsmodelle“, verdeutlicht KONTEXT-Analystin und Studienautorin Johanna Roniger.
Politisches Maßnahmenpaket
Um das zu ändern sind verlässliche politische Rahmenbedingungen entscheidend. Eine eigens für die Studie durchgeführte Umfrage unter federführenden Kreislaufwirtschaftsunternehmen sowie Expert:inneninterviews zeigen, welche zusätzlichen Maßnahmen dafür notwendig sind:
- Abfallrecht grundlegend reformieren, um die rechtliche Gleichstellung von qualitätsgesicherten Sekundärmaterialien gegenüber Primärrohstoffen sicherzustellen.
- Mindestanteil an Recyclingmaterial verankern, um verlässliche Nachfrage nach Sekundärrohstoffen zu schaffen und Leitmärkte für zirkuläre Produkte aufzubauen.
- CO₂-Bepreisung weiterführen, um Kostenunterschiede zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen zu verringern und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
„Durch steigende Rohstoffpreise, zunehmende Lieferkettenrisiken und eine wachsende Nachfrage nach CO₂-armen Produkten gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung – in Europa und in Österreich. Dass sie in der Industriestrategie 2035 prominent vorkommt, zeigt, dass die Bundesregierung ihr Potenzial erkannt hat. Ohne konkrete politische Maßnahmen bleibt es jedoch ungenutzt. Mit einem gezielten Recycling-Boost ist Österreich nicht nur am Puls, sondern wird der Puls der Mehrweg-Zukunft in Europa und der Welt“, ergänzt Katharina Rogenhofer.
Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.
