Die Wiener Börse verzeichnete 2025 ein dynamisches Handelsjahr, geprägt von geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten und der Aussicht auf ein Ende des Ukraine-Krieges. Die Aktienumsätze werden sich zum Jahresende auf rund 71 Mrd. EUR belaufen und machen 2025 – nach 2022 und 2023 – zum drittstärksten Handelsjahr seit 2012.

Der letzte Handelstag im Kalenderjahr 2025 fand am 30. Dezember statt und wurde mit einer vorgezogenen Schlussauktion um 14:15 Uhr beendet. Das Börsenjahr 2025 umfasste 253 Handelstage, im kommenden Jahr wird in Wien ebenfalls an 253 Tagen gehandelt.
Leitindex im internationalen Spitzenfeld
Der ATX inklusive Dividenden (Total Return) befindet sich auf historischem Höchststand und überschritt heuer erstmalig die Marken von zehn-, elf- und zwölftausend Punkten. Bis zum Handelsschluss gewann der ATX Total Return seit Jahresbeginn 49,93 % und erreichte dabei mit 12.799,31 Punkten auch das aktuelle Allzeithoch (ATX ohne Dividenden: 43,27 %, 5.247,96 Punkte).

Im selben Zeitraum lag das Plus des deutschen Leitindex DAX – der wie der ATX Total Return die Dividenden berücksichtigt – bei 22,38 %, beim MSCI World bei 20,64 % und beim Euro Stoxx bei 17,58 %. Die Marktkapitalisierung der in Wien notierten heimischen Unternehmen belief sich per 22. Dezember auf rund 177 Mrd. EUR.
Wachstum in allen Bereichen
Mit der Steyr Motors AG, REPLOID Group AG und Gallmetzer HealthCare S.p.A. wurden drei Unternehmen in den direct market plus aufgenommen. Bei den Anleihen verzeichnete die Wiener Börse bis zum 29. Dezember 31.490 Primärlistings, mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2024 (13.443).
Dabei hat die Wiener Börse ihre globale Reichweite auch in diesem Jahr weiter erhöht, unter anderem durch neue Emittenten aus Zentral- und Ostasien, der Türkei, Australien, Mexiko sowie Nordafrika. Wurden 2020 Listings von 191 Emittenten aus 17 Ländern aufgenommen, waren es 2025 682 neue Emittenten aus 43 Nationen. Insgesamt werden aktuell 1.369 aktive Anleihe-Emittenten aus 50 Ländern betreut. Rund 90 Prozent der Schuldverschreibungen sind internationaler Herkunft.
Auf robustem Niveau befinden sich auch die Aktienumsätze im internationalen Segment global market, das 2025 um rund 100 Titel erweitert wurde und derzeit über 900 Wertpapiere aus 28 Ländern umfasst.

„Österreichs Aktienmarkt und auch der Wertpapierbesitz haben sich zuletzt sehr erfreulich entwickelt. Weniger agil ist leider der politische Diskurs, wenn es darum geht, diese Entwicklungen nachhaltig zu stützen. Während europäische Länder wie Deutschland und Polen aktuell Maßnahmen setzen, um den Kapitalmarkt stärker für Wirtschaft und Gesellschaft zu nutzen, herrscht in Österreich wenig Aktivität. Dieser kostet uns nachweislich Wohlstand“, unterstreicht Wiener Börse CEO Christoph Boschan in Bezug auf Reformen der Altersvorsorge diverser EU-Länder.
Anreize für private Altersvorsorge?
Deutschland richtet derzeit die dritte Säule des Pensionssystems mit geförderten Altersvorsorgedepots neu aus. Auch Polen startet 2026 mit steuerbegünstigen persönlichen Investitionskonten („OKI“) und folgt damit dem Modell des „Investeringssparkonto“ (ISK) Schwedens, wo rund 40 % der Bevölkerung daran teilhaben und die gesamten Sparbeträge rund einem Drittel des BIP entsprechen.
„Der geplante Generalpensionskassenvertrag ist sinnvoll umgesetzt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, darf aber nicht zum Feigenblatt werden. Eine Rückkehr zur Behaltefrist für Wertpapiere oder ein steuerbegünstigtes Investitionskonto, wie es viele andere Länder bereits haben, wäre für die private Vorsorge entscheidender“, ergänzt Christoph Boschan abschließend.
