Der SEC Newgate Impact Monitor 2025 basiert auf einer repräsentativen Befragung von über 20.000 Personen in 20 Ländern. Mit dem Impact Monitor analysiert SEC Newgate jährlich, wie die Gesellschaft Unternehmen, Politik und Institutionen bewerten und welche Erwartungen sie an diese stellen.
Der diesjährige Bericht, der vor dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos veröffentlicht wurde, spiegelt eine Welt wider, in der globale ESG-Frameworks nicht mehr in der Lage sind, wirksame Narrative in lokale Märkte zu vermitteln.

Der Impact einer Organisation wird heute aber vor allem vor Ort definiert – durch Arbeitsplätze, Investitionen, regionale Wertschöpfung sowie den Umgang mit lokalen Umwelt- und Sozialthemen.
Dialog und Engagement
Die Studie unterstreicht eine der zentralen Herausforderungen für international tätige Unternehmen:
Die Erwartungen an Dialog und Engagement sind weltweit hoch, unterscheiden sich jedoch stark von Land zu Land. Die Themen, die als relevant betrachtet werden und die Standpunkte, die als glaubwürdig bewertet werden, unterscheiden sich je nach Markt erheblich.
Der Umgang mit diesen lokalen Erwartungen ist heute von zentraler Bedeutung für das Management der globalen Reputation.

„Das Feld der Unternehmensreputation hat sich im vergangenen Jahr deutlich gewandelt. Unser Impact Monitor zeigt über alle Märkte hinweg ein eindeutiges Muster: Menschen beurteilen Unternehmen nach ihrem tatsächlichen Einfluss auf die Gesellschaft – insbesondere an den Orten, in denen sie tätig sind. Für global tätige Unternehmen besteht die Herausforderung darin, unterschiedliche lokale Erwartungen in eine kohärente globale Strategie zu integrieren. Das erfordert ein tiefes Verständnis der lokalen Gesellschaften, Regulierungsbehörden, Märkte und Medien, in denen sie tätig sind, sowie die Fähigkeit, verschiedene Erwartungen auszubalancieren“, erörtert Fiorenzo Tagliabue, Group CEO von SEC Newgate.
Deutschland als Stimmungsbarometer für Europa
Wie stark sich diese Dynamiken je nach Markt unterscheiden, zeigt sich besonders deutlich in Deutschland.

Die Mehrheit der Bevölkerung blickt hier pessimistisch auf die Entwicklung des Landes: Nur drei von zehn Befragten in Deutschland sind der Meinung, dass sich das Land auf dem richtigen Weg befindet. Dieser Wert ist seit 2024 nahezu unverändert und liegt deutlich unter dem globalen Durchschnitt.
Diese Grundstimmung bildet den Hintergrund für hohe Erwartungen an Politik und Wirtschaft. Gleichzeitig bleibt die Wahrnehmung dahinter zurück.
Danach gefragt, ob diese Institutionen verantwortungsvoll handeln, stellen 43 Prozent der in Deutschland Befragten Regierungsbehörden ein gutes Zeugnis aus.

Bei großen Unternehmen sind es 46 Prozent und bei kleinen und mittelständischen Unternehmen 56 Prozent.
Nichtsdestotrotz zeigen die Ergebnisse eine Trendwende: In den vergangenen zwölf Monaten haben sich die Leistungsbewertungen sowohl für große Unternehmen als auch für Regierungsbehörden verbessert. Dies deutet darauf hin, dass verstärkte Anstrengungen wahrgenommen werden.
Im Vergleich zum globalen Durchschnitt setzt die deutsche Öffentlichkeit außerdem andere inhaltliche Schwerpunkte. Besonders hoch priorisiert wird die Bezahlbarkeit und Verfügbarkeit von Wohnraum, die um acht Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt liegt. Weniger Relevanz als im globalen Durchschnitt haben hingegen bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, das Management des Einsatzes künstlicher Intelligenz sowie die Energiewende.
„Die gesellschaftliche Transformation ist kein linearer Prozess, sondern ein Balanceakt. Die Menschen wollen Klimaschutz, erwarten zugleich aber bezahlbares Wohnen, sichere Arbeitsplätze und niedrige Lebenshaltungskosten – daraus entstehen Zielkonflikte zwischen sozialen und ökologischen Zielen. Selbst innerhalb der ökologischen Dimension gibt es Spannungen, etwa zwischen Umwelt- und Klimaschutz. Für Unternehmen bedeutet das: Diese Zielkonflikte müssen transparent erklärt und im Dialog adressiert werden. Akzeptanz entsteht nicht durch einfache Botschaften, sondern durch nachvollziehbare Entscheidungen und frühzeitige Einbindung der Stakeholder“, verdeutlicht Sebastian Schwark, CEO von SEC Newgate Deutschland.
Globale Trends
76 Prozent der Befragten weltweit erwarten, dass Unternehmen im Interesse aller Stakeholder handeln – nicht nur der Anteilseigner. Auch wenn der Begriff „ESG“, global betrachtet, weiterhin wenig geläufig ist, bleiben die entsprechenden Themen weiterhin relevant.

Die Öffentlichkeit erwartet von Unternehmen, aktives Handeln bei Umwelt- und Sozialfragen, insbesondere bei der Reduzierung von CO2-Emissionen und der Transformation hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung. Die Zustimmung sinkt jedoch, wenn dadurch höheren Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher entstehen.
Bei sozialen Themen ist der Ruf nach stärkerem Engagement von Unternehmen deutlich. Die Öffentlichkeit erwartet, dass Organisationen ihre Werte kommunizieren und Haltung zeigen. Initiativen zu Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion, stoßen auf breite Zustimmung, wobei viele Menschen der Meinung sind, dass Unternehmen mehr tun sollten, um inklusive Arbeitsplätze zu schaffen und soziale Herausforderungen anzugehen.
Im Bereich Unternehmensführung zeigt sich das größte Verbesserungspotenzial.

Ethisches Verhalten und Rechenschaftspflichten gelten als zentral, Transparenz bleibt jedoch die größte Schwachstelle: Nur 38 Prozent halten große Unternehmen für ausreichend transparent – in Deutschland sogar nur 33 Prozent.
Zugleich gewinnt Lokalisierung weiter an Bedeutung. Viele Menschen bevorzugen lokale Produktion, lokale Beschäftigung und lokale Beschaffung – selbst, wenn dies höhere Kosten bedeutet. Konkrete Vorteile für die Gesellschaften vor Ort stärken die positive Wahrnehmung von Unternehmen und erhöhen dadurch den Anpassungsbedarf globaler Strategien.
Die Zukunftsaussichten unterscheiden sich international deutlich: Besonders optimistisch blicken die Menschen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und Indien auf die Entwicklung ihres Landes. Deutlich verhaltener ist die Stimmung in Frankreich, Japan und den Niederlanden.
Der Impact Monitor 2025 liefert damit zentrale Erkenntnisse für Unternehmen, die Reputationsrisiken aktiv steuern und Vertrauen in einem zunehmend fragmentierten, lokal geprägten Umfeld aufbauen wollen.
Nähere Informationen zur vollständigen Studie finden Sie hier.
