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Wirtschaftsstandort Österreich: Durchstarten nach Corona

Österreich wird die Krise meistern, sagen heimische Führungskräfte. Die Hausaufgaben dafür müssen aber erst erledigt werden. Ein Überblick zu Soll und Haben aller neun Bundesländer.

Lesezeit: ca. 2 min

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Wie lang wird der heimische Wirtschaftsstandort mit den Auswirkungen der Pandemie kämpfen müssen? Fast zwei Drittel der Führungskräfte sind grundsätzlich zuversichtlich, dass Österreich die Krise rasch und gut meistern wird. Das zeigt eine Umfrage von Deloitte unter 211 Top-Führungskräften im Mai dieses Jahres. Das dies kein Selbstläufer wird, ist allerdings klar. Denn an rascher finanzieller und administrativer Unterstützung für Betriebe mangelte es laut den Umfrageteilnehmern teilweise bereits zu Beginn der Krise. Diese Unzufriedenheit hat in der Re-Start-Phase weiter zugenommen. Bei einer Analyse der Vor- und Nachteile des Wirtschaftsstandortes zeigt sich: Mit der Unternehmensbesteuerung sind lediglich 24 Prozent der Unternehmensvertreter zufrieden, bei der Digitalisierung des Bildungssystems fällt die Benotung nur bei sechs Prozent „Sehr gut“ bis „Gut“ aus.

Klare Forderungen der Wirtschaftsbosse

Welche Maßnahmen das Hochfahren der Wirtschaft jetzt am besten unterstützen können, darüber sind sich die Wirtschaftsbosse großteils einig. So sehen 90 Prozent die Senkung der Lohnnebenkosten als zentralen Hebel. Auch die Digitalisierung der Verwaltung (86 Prozent) und des Schulsystems (82 Prozent) stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Gefragt sind auch Investitionsförderungen im Nachhaltigkeitsbereich und eine verstärkte geographische Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Trotz wirtschaftlicher Krisenzeiten zeigen sich gerade jetzt aber auch die Vorteile, die Österreich zu bieten hat. „Österreich punktet nach wie vor mit hoher Produktivität sowie hoher Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter. Durch seine zentrale Lage ist Österreich Standort Nummer eins, wenn es um den Aufbau von Geschäftsbeziehungen mit Ost- und Südosteuropa geht“, erklärt Marion Biber, Managing Director bei der Betriebsansiedelungsagentur ABA – Invest in Austria. Hinzu kommen laut Biber Faktoren wie politische Stabilität und ein verlässliches Rechtssystem sowie hohe persönliche Sicherheit, die bei der Standortwahl immer wichtiger werden. 
Attraktiver Forschungsstandort Punkten kann Österreich auch als Forschungsstandort. Nur Österreich und Schweden haben europaweit Forschungsausgaben von über drei Prozent des BIP. „Globale Player wie BMW, Bosch, Infineon oder Novartis bündeln F&E-Aktivitäten in Österreich. Sie werden ergänzt von innovativen Spin-offs und einer lebendigen Startup-Szene in einem kreativen, interdisziplinären Ökosystem. Die Forschungsprämie von 14 Prozent macht Forschung in Österreich für alle Unternehmen – unabhängig von Größe und Branche – attraktiv“, so Biber.

Ein Überblick der Voraussetzungen und Eigenheiten von Österreichs Bundesländern verrät, wo Firmen welche Vorteile winken und welche Industrien zum Andocken einladen.

Kärnten: Land der Gründer und Forscher

Der Gründerspirit im südlichsten Bundesland ist groß. Im Vorjahr wagten hier knapp 1.900 Neugründer den Schritt in die Selbstständigkeit – immerhin das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Doch nicht nur Einzelpersonen setzen in Kärnten auf Innovation. Die Kärntner Forschungslandschaft hat zuletzt deutlich Auftrieb bekommen: Fraunhofer hat das Institut „KI4Life“ mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz gegründet, das ehemalige Carinthian Tech Research wird zu einem der Kernstandorte der Silicon Austria Labs in Villach. Dort werden ab 2023 160 Forscher im Bereich Sensorik und Leistungselektronik arbeiten. Das Robotics-Institut von ­Joanneum Research in Klagenfurt ist am neuen Standort im Lakesidepark deutlich gewachsen. Die Forschungsquote steigt seit 2009 merklich an und liegt aktuell mit 3,15 Prozent an vierter Stelle im Bundesländervergleich. Dabei hat Kärnten mit 75 Prozent einen außergewöhnlich hohen Anteil an betrieblicher Forschung.

HighTech weiter im Aufwind

Maßgeblich für die Technologiekompetenz sind international erfolgreiche Leitbetriebe wie Infineon Technologies Austria, Lam Research oder KapschTrafficCom. Nicht überraschend also, dass die Sachgüterproduktion hier laut dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) von allen Bundesländern mit 18,6 Prozent den höchsten Anteil an Hightech-Beschäftigten hat. Die Industrie ist Hauptmotor des Kärntner Exports. Im Jahr 2018 wurden Waren im Wert von 8,108 Mrd. Euro exportiert, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber 2017. Die wichtigsten Exportdestinationen sind Deutschland vor den USA sowie den Nachbarländern Italien und Slowenien. Eine Überraschung folgt ganz knapp dahinter: China weist ein Exportvolumen von 331 Mio. Euro aus.

Größte Drohnenhalle Europas

Was Mikroelektronik für Villach ist, sind die Informations- und Kommunikationstechnologien für Klagenfurt. Knapp 80 Unternehmen haben sich mittlerweile im 34.000 Quadratmeter großen Lake­side Park angesiedelt, der noch weiter ausgebaut wird. Eines der jüngsten Highlights ist die mit 1.300 Kubikmetern größte Drohnenhalle Europas, die den Forschern der Universität ­Klagenfurt nun zur Verfügung steht. „Die Babeg als Miteigentümer der Lakeside Science und Technology Park GmbH sieht die Entwicklung einer zukunftsweisenden Forschungsinfrastruktur als wesentlichen Standortfaktor für Kärnten“, erklärt dazu Markus Hornböck, Geschäftsführer der Kärntner Betriebsansiedelungs- und Beteiligungs-GmbH (Babeg)

Daten Kärnten

Einwohner: 2019: 561.062
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 264.900
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +6,3 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 8,8 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 2.409
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 2,89

Niederösterreich: Begehrter Headquarter-Standort

Die Wirtschaft in Niederösterreich muss weder den nationalen noch den internationalen Vergleich scheuen. Mit einer Wirtschaftsleistung von 57 Mrd. Euro überholt das größte Bundesland Österreichs sogar Kroatien (51 Mrd. Euro). Seit 2005 ist die Wirtschaft immerhin um 47 Prozent gewachsen. Im Hidden Champions-Ranking lässt das Bundesland Schweden oder auch Norwegen hinter sich. Rund 20 Prozent aller Unternehmensgründungen in Österreich finden hier statt. Im Vorjahr waren dies mehr als 8.000 Neugründungen. Ein Grund dafür liegt sicher auch darin, dass Niederösterreich für Fachkräfte-Nachwuchs sorgt. Mit insgesamt 14 Hochschulen – von Fachhochschulen bis hin zu Privatuniversitäten – legt das Bundesland eine gute Basis für gut ausgebildete Arbeitskräfte. 

Etablierte treffen auf Newcomer

Das schätzen auch etablierte Unternehmen wie Agrana, Rewe International, Umdasch Group und Welser Profile, aber auch innovative Newcomer wie MedAustron und Diamond Aircraft Industries, die in Niederösterreich ihren Hauptsitz haben. Von den rund 380 regionalen Unternehmenszentralen ausländischer Unternehmen in Österreich sind etwa fünfzig in Niederösterreich angesiedelt. Ostösterreich wird von den internationalen Konzernen immer häufiger als Headquarter­-Standort gewählt. Diese profitieren von der zentralen Lage und der Verkehrsinfrastruktur. Der Flughafen Wien fungiert als Drehscheibe im Passagier- und Cargo-Bereich zwischen West und Ost. Die Bahn-Schnellverbindungen nach Westen sowie der geplante Semmeringbasistunnel schaffen Verbesserungen für Pendler und den Güterverkehr. Auch bei alternativen Verkehrswegen wie Wasserstraßen punktet das Land. Mit den beiden Donauhäfen Krems und Ennsdorf ist Niederösterreich an die internationale Wasserstraße, den Rhein-Main-Donau-Kanal, angebunden.

Wirtschaftsparks zum Andocken

Damit neben dem physischen Transfer auch der Wissenstransfer klappt, betreibt ecoplus, die Wirtschaftsagentur des Landes, insgesamt 18 Wirtschaftsparks. Dort stehen den Unternehmen Büro- und Produktionsflächen, Grundstücke und Gewerbeimmobilien zur Verfügung. Über 1000 nationale und internationale Firmen mit rund 22.500 Mitarbeitern sind derzeit dort aktiv. „Als Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich hat ecoplus ein breites Portfolio maßgeschneiderter Angebote und Services und unterstützt die heimische Wirtschaft bei so gut wie allen Themen und Herausforderungen, mit denen sich zukunftsorientierte Unternehmen heutzutage beschäftigen“, sagt ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki.

Daten Niederösterreich

Einwohner: 2019: 1.680.588
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 823.000
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +11,6 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 7,5 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 7.975
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 1,83

Oberösterreich: 1.400 neue Jobs trotz Krise

Dass das erste Halbjahr 2020 für viele wirtschaftlich schwierig war, ist keine Überraschung. Umso mehr sticht die Ansiedlungsbilanz dieses Zeitraums in Oberösterreich hervor. Mit einem Investitionsvolumen von über einer halben Milliarde Euro und rund 1400 neuen Jobs entwickelte sich diese ausgesprochen positiv. So startet zum Beispiel der Fördertechnik-Spezialist motion06 erneut eine Expansion in Lengau und investiert rund 4 Mio. Euro in den Ausbau seiner Betriebsfläche. „Auch im derzeit schwierigen Umfeld werden aktuell rund 500 Ansiedlungs- und Erweiterungsprojekte unterstützt“, sagt Business Upper Austria-Geschäftsführer Werner Pamminger.

Führend in der Industrieproduktion

Als Industrieregion ist das Land führend in Österreich. Rund ein Viertel der Industrieproduktion und der Exporte Österreichs kommen aus Oberösterreich. Um die Innovationsfähigkeit der Unternehmen durch Kooperationen weiter zu stärken, wurden seit 1998 mehrere Cluster- und Netzwerk-Initiativen eingerichtet. Über 2000 Partner arbeiten bereits in diesen insgesamt acht Kompetenzzentren zusammen – in Bereichen wie Mechatronik, Umwelttechnik, Automobil oder Ökoenergie.

Standortsuche per Knopfdruck

Die Suche nach einem geeigneten Unternehmensstandort funktioniert per Knopfdruck. Die Standortdatenbank standortooe.at, eine Kooperation von Business Upper Austria und der Wirtschaftskammer OÖ, gibt eine Übersicht über die brachliegenden Flächen und leer stehenden Gebäude. Mehr investiert wird derzeit auch ins Brachflächenmanagement. Besonderes Augenmerk gilt Flächen mit bestehender Widmung, die mehr als drei Jahre leer stehen – beispielsweise ehemalige Produktions- und Lagerflächen oder ungenutzte Gewerbeflächen. Aktuell gibt es in Oberösterreich rund 102 solcher Flächen mit einem Gesamtausmaß von 68 Hektar.

Für zukünftige gut ausgebildete Mitarbeiter, zum Beispiel in Technik und Naturwissenschaften sorgt die ­Johannes Kepler-Universität Linz. Die Kunst-Universität Linz ist an den Schnittstellen zu Design und Medien aktiv. Die Fachhochschulen in Linz, Wels, Steyr und Hagenberg decken wichtige Branchen wie Informatik, Management oder Medizintechnik ab. 

Daten Oberösterreich

Einwohner 2019: 1.486.141
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 759.500
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +13,5 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 4,8 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 5.422
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 3,46

Steiermark: Heimat der Daniel Düsentriebs

Die Steiermark besticht durch Innovationen. In keinem anderen Bundesland werden so viele innovative Produkte und Dienstleistungen auf den Markt gebracht wie hier. Mit einer F&E-Quote von rund fünf Prozent ist die Steiermark sogar unter den Regionen Europas top platziert. Eine Grundlage für diesen Erfolg sind sicherlich die verschiedenen Universitäten mit mehr als 65.000 Studierenden, ergänzt durch die beiden Fachhochschulen Campus 02 und Joanneum. 

Breites Spektrum an Kompetenzzentren

Um Wissenschaft und Wirtschaft zu verknüpfen, wurden die steirischen Kompetenzzentren ins Leben gerufen. Von den österreichweit 47 Kompetenzzentren befinden sich 23 in der Steiermark. Wie zum Beispiel das Austrian Research Centre of Industrial Biotechnology (acib), das sich als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie versteht und derzeit ein Netzwerk aus etwa 200 Partnern auf dem Gebiet der industriellen Biotechnologie bildet. Das „K2 Digital Mobility“-Zentrum setzt wiederum einen besonderen Schwerpunkt auf die Entwicklung von komplexen, sicherheitskritischen und Software-intensiven Technologien, die für automatisierte Fahrfunktionen im Straßen- und Schienenverkehr erforderlich sind.

In den fünf Clustern des Landes vernetzen sich die Unternehmen untereinander. Der Mobilitätscluster ACstyria ist ein Netzwerk von rund 300 Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Aerospace und Rail Systems. Die Kreativwirtschaft sammelt sich im Cluster Creative Industries Styria. 

Höchste Empfehlung für Start-ups

Rahmenbedingungen wie diese waren ausschlaggebend dafür, dass die Steiermark die höchste Standortempfehlung für Start-ups erhielt. Laut Austrian Startup Monitor (ASM) liegt das Bundesland an dritter Stelle bei Start-ups – nach Wien und OÖ. 20 Prozent der Start-ups in der Steiermark sind „Spin-offs“, die im Zuge eines akademischen Dienstverhältnisses oder aus einer akademischen Ausbildung heraus gegründet wurden. Österreichweit liegt diese Zahl bei 14 Prozent. 

Neben diesen infrastrukturellen Vorteilen können Unternehmen auch auf finanzielle Unterstützung zählen. Die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (SFG) wickelte 2019 in Summe 2.479 Förderungsfälle mit einem Förderungsvolumen von 70,4 Mio. Euro ab. Die Wirtschaftsabteilung der steiermärkischen Landesregierung hat zusätzlich Förderungen in der Höhe von 2,3 Mio. Euro ausgezahlt.

Daten Steiermark

Einwohner 2019: 1.244.474
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 614.900
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +14,2 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 6,0 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 5.931
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 4,91

Tirol: Am Weg zum Technologieland

Saftiges Grün, schöne Berge, weite Natur – das sind wohl eine der ersten Assoziationen, wenn das Stichwort Tirol fällt. Doch inmitten der beeindruckenden Naturlandschaften hat sich Tirol zu einem beachtlichen Technologieland entwickelt. Das haben auch schon internationale Unternehmen entdeckt, die darüber hinaus von der interessanten Lage zwischen den drei starken europäischen Ballungszentren Süddeutschland, Schweiz und Norditalien profitieren. Beispiele dafür sind die Bionorica Research GmbH, die Firmengruppe Kathrein oder auch die Leitner AG, die hier ihre Generatoren für Windkraftwerke produziert.

Hidden Champions zeigen auf

Unter den rund 40.000 Unternehmen finden sich aber auch einige Hidden Champions, wie Single Use Support aus Kufstein, die mechatronische Anlagen für die Pharmaindustrie entwickeln und erzeugen. Oder auch das Fintech-Unternehmen Bluecode, das so wie das Life-Science-Unternehmen Oroboros Instruments Unterstützung durch EU-Förderungen erhalten hat. „Unser regionales Innovationssystem ist hoch entwickelt und bietet gute Voraussetzungen für Unternehmen. Um diese Innovationen zu ermöglichen, offerieren Land, Bund und EU frische Fördermittel. Wir helfen Betrieben beim Umsetzen von Ideen und beim Einwerben dieser Mittel. Jüngste Beispiele sind die Millionen-Investments in die heimischen KMU Oroboros Instruments und Bluecode“, sagt Marcus Hofer, Geschäftsführer der Standortagentur Tirol. 

Die Innovationskraft wird nicht nur finanziell, sondern auch intellektuell genährt. Insgesamt 47.000 Studierende und über 6100 Lehrende und Forscher sind in Tirol aktiv – an drei Universitäten, drei Fachhochschulen und zwei pädagogischen Hochschulen. 

Hubs für digitale Transformation

Eine wichtige Rolle spielen diese Bildungsstätten bei den Digital Innovation Hubs (DIH). Im DIH West können Westösterreichs KMU für ihre digitale Transformation über vier sogenannte Digitalzentren an den Standorten Dornbirn, Innsbruck, Kufstein und Salzburg auf das Digitalisierungs-Know-how der heimischen Forschungseinrichtungen zugreifen. Das Angebotspaket richtet sich sowohl an Digitalisierungseinsteiger als auch Profis unter den KMU. Kooperationsmöglichkeiten finden Unternehmen in den sechs Clustern, die von der Standortagentur Tirol betreut werden: Erneuerbare Energien, IT, Life Science, Mechatronik, Wellness und kreativland.tirol.

Daten Tirol

Einwohner: 2019: 755.695
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 389.600
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +16 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 4,5 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 2.880
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 2,87

Vorarlberg: Kraft durch Familienunternehmen

Hier wird es familiär. Und das nicht nur, weil Vorarlberg das flächen- wie bevölkerungsmäßig zweitkleinste Bundesland Österreichs ist. Ein Wesenszug der Wirtschaftslandschaft sind nämlich die zahlreichen Familienunternehmen. Stolze 93 Prozent aller Unternehmen sind in Familienhand. Und diese machen das Ländle zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas mit exportierten Waren im Wert von rund 10,8 Mrd. Euro im Jahr 2019. Der Exportwert pro Einwohner ist in Vorarlberg mit rund 27.400 Euro österreichweit damit am höchsten.

Mehr als nur Textil

Neben der Industrie- und Exportstärke beeindruckt die Branchenvielfalt Vorarlbergs. War vor 50 Jahren die Textilindustrie fast einseitig die treibende Wirtschaftskraft, finden sich starke Marken heute sowohl in der Metall-, Maschinen- und Elektroindustrie als auch im Lebensmittel- und Kunststoffbereich. Die großen Player sind auch international bekannt, wie etwa Blum, Alpla, Gebrüder Weiss, Doppelmayr oder auch Rhomberg Bau. In Vorarlberg sind in den letzten Jahren darüber hinaus hochkarätige Business- und Technologieparks entstanden, wie zum Beispiel der Campus V in Dornbirn, der in den kommenden Jahren noch erweitert wird. Rund 70 nationale und internationale Technologie- und Dienstleistungsunternehmen nutzen die Vernetzungsmöglichkeiten im Millennium Park in Lustenau. 

„Flexibilität, Vielseitigkeit und Innovationsfreude prägen den Standort. Diese Stärken kommen der Wirtschaftsregion gerade jetzt zugute. Denn aus der Branchenvielfalt und leistungsstarken Netzwerken über Wertschöpfungsstufen hinweg entstehen gefragte Lösungen. Das bietet auch künftig interessante Perspektiven, sowohl für Fachkräfte als auch für Investitionen“, sagt Jimmy Heinzl, Geschäftsführer der Wirtschafts-Standort Vorarlberg GmbH (WISTO). 

Regionaler Förderexperte

Die WISTO ist eine Servicegesellschaft mit dem Ziel, die Innovations- und Wirtschaftsdynamik in der Region Vorarlberg zu stärken. Als regionaler Förderexperte unterstützt sie Unternehmen auch bei der Erschließung von Fördermitteln. Fördergeber sind in Österreich die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) und die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws). Zudem existieren Fördermöglichkeiten der Europäischen Union (EU).

Die FH Vorarlberg wird bis 2025 weiter ausgebaut. Nach Abschluss der Erweiterungsarbeiten liegt die Kapazität bei über 1800 Studienplätzen. Seit Herbst 2019 wird dort mit „Informatik – Digital Innovation“ ein weiterer neuer berufsbegleitender Studiengang angeboten, der IT-Know-how mit wirtschaftlichen Inhalten verknüpft.

Daten Vorarlberg

Einwohner 2019: 395.949
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 203.700
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +16,7 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 5,3 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 1.350
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 1,81

Wien: Alle 55 Minuten ein neues Unternehmen

Diese Rekordserie reißt nicht ab. Bereits zum achten Mal in Folge hat Wien einen Rekord bei der Ansiedlung internationaler Unternehmen eingefahren. 266 neu angesiedelte internationale Unternehmen bedeuten 731 Millionen Euro an Investitionen und knapp 2000 neue Arbeitsplätze. Oder anders ausgedrückt: Alle 55 Minuten wird in der Hauptstadt ein neues Unternehmen gegründet. 

Dass Wien offenbar wie ein Magnet auf Unternehmen wirkt, hat viele Gründe. Die Bundeshauptstadt ist in vielerlei Hinsicht eine Drehscheibe im CEE-Raum. Flughafen und Hauptbahnhof sind schnell erreichbar, neben der kulturellen Nähe zu den östlichen Nachbarländern ist auch die wirtschaftliche Verknüpfung intensiv. 

200 internationale Headquarter

Darüber hinaus wächst Wien weiter und ist mittlerweile die fünftgrößte Stadt der EU – nach Berlin, Madrid, Rom und Paris. Die mehr als 200 internationalen Headquarter schaffen eine große Nachfrage an Anbietern von unternehmensnahen Dienstleistungen, von Rechtsanwälten über Werbegrafiker bis hin zu Logistik-Dienstleistungen und Facility Management. 

„Stabilität und Sicherheit sind die Faktoren, mit denen unsere Stadt trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen durch die Corona-Krise international in Verbindung gebracht wird – ein erhebliches Asset gerade in Krisenzeiten. Das wirkt sich auch positiv auf die internationale Positionierung Österreichs aus“, meint Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. 

Bald medizinische Welt­spitze?

Ein besonderer Fokus soll künftig auf die Gesundheitsbranche gelegt werden. Mit einem Umsatz von 20 Mrd. Euro erwirtschaftet diese 24,4 Mrd. Euro an Bruttowertschöpfung und hat einen Anteil von 28 Prozent am gesamten Bruttoregionalprodukt. „Die Gesundheitsbranche ist international ein Wachstumsbereich und gleichzeitig ein Stärkefeld am Standort Wien. Jeder vierte Job in Wien ist direkt oder indirekt mit der Gesundheitsbranche verbunden. Spitzenmedizin aus Wien ist auf der ganzen Welt gefragt, die Wiener Pharmaindustrie zählt zu den innovativsten“, erklärt der Wiener Standortanwalt Alexander Biach. Das Ziel ist, den Standort Wien an die medizinische Weltspitze zu bringen. „Es schaut gut aus, dass wir demnächst eine internationale Zulassungsstelle für Medizinprodukte bekommen. Das wäre ein starker Anreiz für Unternehmen auf Standortsuche“, so Biach.

Daten Wien

Einwohner 2019: 1.903.240
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 875.800
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +13,1 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 11,7 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 9.131
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 3,56

Burgenland: Drehscheibe zwischen Ost und West

Die geografische Lage des Burgenlands bietet wirtschaftlich interessante Perspektiven. Durch die direkte Nachbarschaft zur Slowakei, Ungarn und Slowenien ist das Bundesland einerseits Drehscheibe zwischen Ost und West. Die Hauptstädte Wien, Bratislava und Budapest mit rund 4,1 Mio. Einwohnern sind in nicht einmal zwei Autostunden erreichbar. Andererseits befinden sich im Umkreis von nur 100 km auch drei internationale Flughäfen: Wien-Schwechat, Bratislava und Graz-Thalerhof. 

9.000 Beschäftigte in der Industrie

Derzeit gibt es im Burgenland rund 160 Industriebetriebe, die mehr als 28 Prozent der Wertschöpfung erwirtschaften. Die größten Branchen dabei sind die Metalltechnische Industrie, die Nahrungs- und Genussmittelindustrie und die Holz- und Sägeindustrie. In Summe haben die Unternehmen über 9000 Beschäftigte.  

Seit 1997 sind im Burgenland sechs Technologiezentren in Neusiedl am See, Eisenstadt, Neutal, Pinkafeld, Güssing und Jennersdorf entstanden. Zu den prominenten Mietern unter den insgesamt 110 dort angesiedelten Unternehmen zählen Siemens, Santander Consumer Service GmbH, Enercon, das Europäische Zentrum für Erneuerbare Energie und das Postverteilerzentrum der Post AG.

Wirtschaftsparks ziehen Unternehmen an

Auch die vier burgenländischen Wirtschaftsparks Kittsee, Parndorf/Neusiedl am See, Müllendorf und Heiligenkreuz bieten die passenden infrastrukturellen Voraussetzungen für Unternehmen. „Dass das Burgenland als Wirtschaftsstandort für nationale und internationale Unternehmen interessant ist, beweisen die zahlreichen Betriebsansiedlungen der letzten Zeit wie beispielsweise die PADO Galerien, das Outdoor Center Parndorf, das XXXLutz-Logistiklager in Zurndorf, die Firma TS Altotec GmbH sowie das Fachmarktzentrum K2 im Businesspark Kittsee“, meint Harald Zagiczek, Geschäftsführer der Wirtschaft Burgenland GmbH.

Die Fachhochschule Burgenland hat zwei Standorte: Der Standort in Eisenstadt spezialisiert sich auf Informationstechnologie, Soziale Arbeit und Wirtschaft, der in Pinkafeld auf Energie- und Umweltmanagement sowie Gesundheit. Weitere Ausbildungsstätten sind die Pädagogische Hochschule Burgenland und das Joseph-Haydn-Konservatorium.

Daten Burgenland

Einwohner 2019: 293.861
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 136.600
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +14,8 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 7,3 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 1.586
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 0,85

Salzburg: Mix von Global Playern und KMU

Die Liste der Global Player, die in Salzburg einen Standort haben, ist lang. Sie reicht von Porsche, Red Bull, Spar, Sony DADC über Alpine Bau bis zu Lidl. Zur wirtschaftlichen Stütze zählen aber besonders auch die zahlreichen Klein- und Mittelbetriebe. Rund 30.000 Unternehmen schaffen mehr als 200.000 Arbeitsplätze. Knapp die Hälfte dieser Unternehmen hat weniger als zehn Mitarbeiter. 

Die Salzburger Industrie spielt trotz der Dominanz des Dienstleistungssektors eine nicht zu unterschätzende Rolle. Jeder vierte Arbeitsplatz wird in einem Industriebetrieb gesichert. Viele Salzburger Betriebe sind in ihrer Branche sogar Weltmarktführer. Dazu zählen der Kranhersteller Palfinger oder die Firma Geislinger, die Drehschwingungsdämpfer für Großdieselmotoren produziert. 

Platz 2 bei der Wirtschaftsleistung

Insgesamt beläuft sich die Wirtschaftsleistung Salzburgs auf rund 20 Milliarden Euro im Jahr. Das sind zwar lediglich rund sieben Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes, bezogen auf die Einwohnerzahl bedeutet dies mit mehr als 41.300 Euro pro Einwohner jedoch nach Wien die zweithöchste Wirtschaftsleistung aller Bundesländer. Auf Platz 2 nach Wien-Schwechat befindet sich auch der Flughafen Salzburg, gemessen an der Anzahl der Flugbewegungen. Durch die Nähe zu Bayern bieten sich Kooperationen mit den dort ansässigen Forschungseinrichtungen wie der Hochschule Landshut mit dem Kompetenzzentrum Leichtbau oder der Hochschule ­Rosenheim an. 

Junge Forschungslandschaft

Salzburg selbst verfügt über eine verhältnismäßig junge Forschungslandschaft, mit vier Universitäten, einer Fachhochschule, einer Pädagogischen Hochschule und mehreren außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In den vergangenen Jahren kam es zu einer deutlichen Stärkung und Ausweitung der Salzburger Forschungsstrukturen. Die Stärken liegen unter anderem in den Bereichen Life Sciences, angewandte Gesundheitsforschung und Biowissenschaften, den Informations- und Kommunikationstechnologien und auch in der Kreativwirtschaft im Bereich Design und Gestaltung. Die Initiative Startup Salzburg unterstützt seit 2016 Gründer bei ihrem Start. Neben den vier Trägerinstitutionen des Inkubationsnetzwerks – der ITG (Innovationsservice für Salzburg), Wirtschaftskammer Salzburg, FH Salzburg und Universität Salzburg steht ein Netzwerk von über zehn Kooperationspartnern hinter dem Programm.

Daten Salzburg

Einwohner 2019: 556.627
Erwerbstätige 2019 (Jahresdurchschnitt): 286.900
Beschäftigungsentwicklung 2010–2019: +11,6 Prozent
Arbeitslosenquote 2019 (Jahresdurchschnitt): 4,6 Prozent
Unternehmungsgründungen 2019: 2.408
Forschungsquote in % des BRP, 2017: 1,6

Text: Markus Mittermüller

Ersterscheinung: www.die-wirtschaft.at

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