Wird ein Impfstoff Gold den Glanz nehmen?

Chris Mahoney, Fondsmanager für Gold und Silber bei Jupiter Asset Management.

Lesezeit: ca. 3 min

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Zum Jahresende gab es ermutigende Nachrichten im Hinblick auf verschiedene erfolgreiche Impfstoffe gegen COVID-19, die uns hoffentlich möglichst bald eine Rückkehr zu einem normaleren Alltag ermöglichen werden. Im November kündigte Pfizer als erstes Unternehmen einen hochwirksamen Impfstoff an und sorgte damit für eine deutliche Wende hin zu mehr Risikobereitschaft an den Finanzmärkten: In der Überzeugung, dass jetzt eine Rückkehr zum „Business as usual“ in greifbare Nähe gerückt sei, gaben Anleger risikoreicheren Anlagen wie Aktien den Vorzug.

Da Gold einen Ruf als sicherer Hafen genießt, mag man sich fragen, wie sich das Edelmetall in einer Phase höherer Risikobereitschaft entwickeln wird. Schließlich war 2020 ein gutes Jahr für Gold: Der Goldpreis (in USD, Stand: 22. Dezember 2020) ist seit Jahresbeginn um über 23 Prozent gestiegen. Allerdings kann Gold, entgegen der landläufigen Meinung, auch in einem risikoreichen Umfeld kräftig zulegen – so etwa 2019, als sowohl Gold als auch der weltweite Aktienindex MSCI World parallel zueinander ein Plus von 18 bzw. 25 Prozent verzeichneten.

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Noch viel wichtiger für die Entwicklung des Goldpreises als die Risikobereitschaft ist die Richtung, in die sich die Realzinsen (d. h. die inflationsbereinigten Nominalzinsen) bewegen. Über lange Zeit entwickelten sich Goldpreis und Realzins gegensätzlich zueinander: Niedrigere Realzinsen bedeuteten einen hohen Goldpreis und umgekehrt. Das ist vollkommen logisch, wenn man bedenkt, dass Gold als Anlageklasse, die keine Erträge abwirft, mit anderen Anlageklassen um Anlegerkapital konkurriert.

Zentralbanken weiterhin auf Lockerungskurs

Der wirtschaftliche Schaden, den die COVID-19-Pandemie angerichtet hat, bedeutet, dass die „Zentralbank der Welt“ – die US-Notenbank Fed –, die ihren Leitzins auf null gesenkt hat, der Wirtschaft noch für eine ganze Weile mit ihrer Nullzinspolitik unter die Arme greifen muss. Ihren eigenen Prognosen zufolge wird die Fed die Zinsen bis 2023 nicht erhöhen, und ich persönlich wäre nicht überrascht, wenn es erst 2025 zu einer ersten Zinserhöhung kommt. Man erinnere sich daran, dass die Fed die Null, auf die sie die Zinsen im Jahr 2008 als Reaktion auf die globale Finanzkrise gesenkt hatte, anschließend für sieben Jahre beibehielt.

Für mich scheint es unvermeidlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren negativen Einlagenzins ebenfalls noch jahrelang beibehalten wird. Die Wirtschaft der Eurozone wurde noch schwerer von der Pandemie getroffen als die der USA, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Erholung in Europa in den kommenden Jahren weniger robust ausfallen wird als in den USA – ganz ähnlich wie nach der globalen Finanzkrise. Anleger lassen natürlich die Möglichkeit nicht unberücksichtigt, dass die EZB in diesem Zyklus die Zinsen noch weiter senken könnte.

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Geldpolitik und Inflation – niedrige Zinsen als Treiber für den Goldpreis

Mithin ist es unwahrscheinlich, dass die Nominalzinsen auf beiden Seiten des Atlantiks in absehbarer Zeit steigen werden. Doch wie sieht es auf der anderen Seite der Realzins-Gleichung aus? Was ist mit der Inflation? In den vergangenen zehn Jahren bewegte sich die Inflation in beiden Regionen innerhalb einer relativ schmalen Spanne auf anhaltend niedrigem Niveau. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird. Doch ist allgemein bekannt, dass sowohl die Fed als auch die EZB gern eine nachhaltig höhere Inflation sehen würden, da sich die Inflation in ihren jeweiligen Regionen bereits lange Zeit unterhalb ihres Zielwertes bewegt hat. Daraus folgt, dass beide Zentralbanken abgeneigt sein werden, der Inflation mit höheren Zinsen entgegenzuwirken, sofern die Inflation nicht ihr Ziel deutlich überschreitet oder problematisch werden sollte. Diese Toleranz für höhere Inflation spiegelt sich in der Anpassung des Inflationsziels der Fed im Sommer von einer Obergrenze von zwei Prozent zu einem Durchschnittswert von zwei Prozent wider, was viele Inflationsspitzen über dieser Marke zulassen würde. Bei ansonsten gleichen Bedingungen bedeutet eine höhere Inflation einen niedrigeren Realzins, was einem höheren Goldpreis zuträglich ist.

Es scheint wahrscheinlich, dass die Realzinsen sowohl in den USA als auch in Europa aufgrund der niedrigeren Nominalzinsen und/oder der höheren Inflation sinken werden, bevor sie wieder steigen. Dementsprechend dürfte Gold meiner Einschätzung nach seinen Glanz durchaus behalten, ob nun in einem mehr oder weniger risikofreudigen Umfeld.

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Herausgegeben von Jupiter Asset Management Limited (JAM), die von der Financial Conduct Authority zugelassen und reguliert wird, mit Firmensitz The Zig Zag Building, 70 Victoria Street, London, SW1E 6SQ.

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