„Wir müssen Klimaschutz und positive Wirtschaftsentwicklung gemeinsam schaffen!“

Exklusiv-Interview mit Harald Hauke, seit Oktober als Nachfolger von Werner Knausz ARA-Vorstand sowie weiterhin AGR-Geschäftsführer.

Lesezeit: ca. 4 min

© ARA

Per Oktober 2020 hat die ARA einen neuen Vorstand bekommen: Dr. Harald Hauke (53) folgte auf Werner Knausz, der weiterhin der ARA beratend zur Seite steht. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Dr. Christoph Scharff agiert Hauke als Ansprechpartner für alle Akteure der Kreislaufwirtschaft. Hauke bleibt außerdem wie schon seit 2012 Geschäftsführer der ARA Tochter Austria Glas Recycling. Davor war er rund zwei Jahrzehnte vorwiegend in multinationalen Unternehmen – zuletzt in einer globalen Position beim größten Nahrungsmittelkonzern der Welt – aktiv.

Wie sieht Ihr Rückblick auf die berühmten „ersten 100 Tage“ als Vorstand der ARA aus?

Die ersten 100 Tage waren herausfordernd, aber auch sehr erfolgreich. Wir konnten unsere Position als Marktführer weiter ausbauen, haben die Weichen für einige Projekte im Bereich Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung für 2021 gestellt und hatten zum Glück keine Covid-19-Fälle in unserem Team.

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Weiters bin ich immer noch GF der Austria Glas Recycling. Ich verfüge zum Glück über ein sehr kompetentes Team, das mich in diesem Geschäftsfeld bei allen wichtigen Aufgaben sehr gut unterstützt.

Apropos. Hat Corona Auswirkungen auf Ihr Business?

Die Pandemie hat auch unser Jahr 2020 wesentlich geprägt. Wir halten uns sehr streng an die Empfehlungen der Bundesregierung und legen großen Wert auf die Schutzmaßnahmen. Es wurden knapp 1,1 Mio. Tonnen Verpackungen und Altpapier gesammelt – alle Österreicher sammelten weiterhin wie gewohnt auf sehr hohem Niveau. Die Zusammenarbeit mit allen Partnern hat trotz Covid-19 hervorragend funktioniert.

© ARA/Lukas Maximilian Hüller

Die Österreicher gelten als „brave“ Recyler. Welche Ziele haben ARA bzw. AGR für 2021 bzw. bis 2025?

Unser Hauptziel besteht darin, dass alle Verpackungen wieder in den Kreislauf zurückkommen und keine Verpackung im Restmüll landet. Mittelfristig sind unsere Weichen klar in Richtung Digitalisierung in der Kreislaufwirtschaft gestellt: ARA Circular Design, Abfall- und Stoffstrommanagement, Recycling Insights und verschiedene Plattform-Konzepte. Das sind einige der Themen, mit denen wir uns für die Zukunft intensiv beschäftigen.

Wie gehen Sie mit Ihren Kunden und Partnern um?

Wir haben in den letzten knapp drei Jahrzehnten ein sehr enges und vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Kunden aufgebaut, haben regelmäßig unsere Innovations- und Problemlösungsstärke unter Beweis gestellt und zeichnen uns vor allem auch durch unsere kundenorientierten Service- und Dienstleistungen aus.

Für viele unserer Partner aus der Wirtschaft sind wir ein Teil der eigenen Nachhaltigkeitsagenda. Themen wie digitales Abfall- und Stoffstrommanagement, hochwertige Sekundärrohstoffe, Compliance, SDGs, Insights zum Konsumentenverhalten, unsere Nähe zur Scientific Community und anderen Stakeholdern und das Non-Profit-Prinzip der ARA runden unser Angebot ab.

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In einem „früheren Leben“ waren Sie für doch eher anders gelagerte Interessen bzw. Ziele „unterwegs“ (Konsumgüter, Medien etc.). Hatten Sie da ein „Saulus/Paulus“-Erlebnis?

Nein, das würde ich nicht sagen. Das Thema Nachhaltigkeit begleitet mich schon sehr viele Jahre. Ich denke, man muss beide Seiten verstehen. Es geht um Klimaschutz und eine positive Wirtschaftsentwicklung; das müssen wir gemeinsam schaffen. Nach 20 Jahren Tätigkeit in der Wirtschaft – davon einem Großteil in multinationalen Konzernen – und nach knapp zehn Jahren im Bereich Kreislaufwirtschaft kenne ich beide Seiten sehr gut. Es wird nur miteinander gehen, nicht gegeneinander.

Wie beschreiben Sie Ihr Leadership?

Ich pflege einen sehr offenen Führungsstil, gebe grundsätzlich viel Verantwortung an meine Mitarbeiter ab und versuche mit klaren Zielvorgaben und einer zukunftsorientierten Vision zu motivieren.

Was empfehlen Sie einem Bewerber?

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass sich Bewerber zu wenig mit unserem Unternehmen beschäftigt haben und sich vor einem Gespräch nicht überlegen, wie und wo man uns am besten unterstützen kann. Gute Vorbereitung macht immer einen guten Eindruck.

Was inspiriert, was entspannt Sie und worauf sind Sie besonders stolz?

Ich habe vor einigen Jahren mit Yoga begonnen und bin mittlerweile auch zertifizierter Yogalehrer. Yoga ist aufgrund der jahrtausendealten Philosophie Inspiration und gleichzeitig Quelle für Kraft und Entspannung.

Besonders stolz bin ich natürlich auf meine Familie und meine Freunde – und auch auf die vielen Begegnungen aus den vergangenen Jahrzehnten, die auch heute noch Kontakt zu mir haben.

Sie können EIN Weltproblem lösen – welches wäre das?

Schwierige Frage … kaum zu beantworten … Mit der Umsetzung der Agenda 2030 – den Sustainable Development Goals – wäre sicher sehr vielen geholfen.

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ARA im Fokus

Aus Sicht der EU-Kommission bildet die Kreislaufwirtschaft – neben Energiewende und Digitalisierung – einen der wichtigsten Entwicklungspfade der Zukunft. Darauf hat sich auch Österreichs Wirtschaft längst eingestellt. „Mit Blick in die Zukunft arbeiten wir bereits jetzt intensiv, z.B. im Rahmen von ARA Circular Design“, erklärt Harald Hauke. „Gemeinsam mit unseren Kunden schaffen wir optimales Verpackungsdesign für morgen. Oder wir optimieren mit jeweils individuellen Lösungen das Stoffstrommanagement von Betrieben im Hinblick auf Abfallströme sowie die Verfügbarkeit von hochwertigen Rezyklaten.“

Auch die durchgeführte Marktforschung bestätigt die Schwerpunkte des heimischen Marktführers der Sammel- und Verwertungssysteme mit mehr als 15.000 Kunden: ARAplus – sowie die Wirtschaftskammer – nehmen nach wie vor die Führungsposition ein, wenn man die österreichischen Unternehmen nach der Kompetenz im Bereich Circular Economy fragt.

AGR im Fokus

Ein neuerliches Plus beim Sammelergebnis 2020 und effizienzsteigernde Maßnahmen sichern die Zukunft des österreichischen Glasrecyclingsystems. Kreislaufwirtschaft wird neben Digitalisierung und Erneuerbaren Energien zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in der EU. Auch alle notwendigen Optimierungen zur Effizienzsteigerung konnten erneut plangemäß umgesetzt werden.

„Das Glasrecyclingsystem unseres Landes gilt international als best practice“, sagt Harald Hauke. „Die Staaten der EU setzen sich mit dem Kreislaufwirtschaftspaket hohe Ziele, um Wirtschaftswachstum bei geringerem Ressourcenverbrauch zu ermöglichen. Ich sehe darin große Chancen für unsere Technologieunternehmen.“

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