Vorsicht vor der Pleitewelle!

Weg mit der Förder-Gießkanne! Die Schweiz wäre ein gutes Vorbild. Denn der Pendeleffekt droht bereits …

Lesezeit: ca. 2 min

© Advicum Consulting

Advicum Equity-Partner Daniel Knuchel.

Die Zahl der Insolvenzen ist in Österreich im Pandemiejahr um 40 Prozent
gesunken, in der Schweiz dagegen nur um 19 Prozent.

Kein Grund zur Freude, wie eine vergleichende Analyse der Wiener
Unternehmensberatung Advicum Consulting zeigt. Denn was die Schweiz mit ihrem liberalen Wirtschaftsweg in den vergangenen zwölf Monaten bereits verarbeitet hat, rollt nun geballt auf Österreich zu.

„Wir sollten uns auf schwierige Zeiten einstellen, die in den nächsten ein
bis zwei Jahren vor uns liegen, bis unser Wirtschaftsgefüge wieder in die
Normalität einschwingt“, fürchtet Advicum Equity-Partner Daniel Knuchel.
Er fordert so rasch wie möglich zielgerichtete Fördermaßnahmen für
Unternehmen mit Potenzial und Transformationswillen, so dass die
vorhandenen Mittel optimal für die Zukunft eingesetzt werden.

© PantherMedia/Mactrunk

Wann dreht sich der Pendeleffekt?

Wer ist bisher besser durch die Krise gekommen? Die Schweiz rechnet mit
einem Wirtschaftsrückgang im ersten Quartal 2021 von rund einem bis 1,5
Prozent. Deutschland sagen die Wirtschaftsweisen einen Rückgang von rund zwei Prozent voraus.

Für Österreich schauen die Prognosen nicht besser aus – die
Lockdown-Politik hat unserer Wirtschaft bereits nachhaltig geschadet. Die
veröffentlichten Zahlen weisen sogar ein Minus von rund acht Prozent für
die ersten zehn Wochen des heurigen Jahres aus. „Österreichs
Insolvenzstatistik hat sich währenddessen vom ‚echten‘ Leben völlig
entkoppelt und ist nur durch die unspezifisch großzügigen und immer wieder verlängerten Stundungs- und Fördermaßnahmen zu erklären“, heißt es in der Advicum-Analyse. Die Frage sei nur noch: Wann dreht sich der Pendeleffekt?

© PantherMedia/ruskpp (YAYMicro)

Schweiz funktioniert anders als Österreich

Die Schweiz funktioniere aus mehreren Gründen anders als Österreich,
betonen die Advicum-Experten. Zum einen verfolgt sie einen liberalen
Wirtschaftsweg und rettet in der Krise nicht alle und jeden, unabhängig
von dessen vorhandener Leistungskraft. Die Schweizer Förderpolitik setzt
auf freie Wirtschaft und Unternehmertum. In diesem Umfeld wurden
Zombie-Unternehmen nicht so stark geschützt wie hierzulande, und die
Insolvenzstatistik spiegelt dies wider.

Zum anderen ist die Schweizer Wirtschaft durch eine gewisse Robustheit
gekennzeichnet, sie verfügt auch in Krisenzeiten über
Selbstreinigungskraft. „Dies kann im Naturell der Schweizer liegen oder
einfach an der Überzeugung, dass dieser Prozess immer dazugehört“, so
Knuchel. Jedenfalls zeigen die Zahlen, dass die Schweizer Wirtschaft
während der Pandemie insgesamt besser läuft als die österreichische.

Pleitewelle wird immer wahrscheinlicher

„Immer wieder Appelle und Durchhalteparolen samt quartalsweisem
Insolvenzaufschub kann nicht des Rätsels Lösung sein“, ist man bei Advicum überzeugt. Die Gefahr eines Insolvenz-Tsunamis erhöhe sich von Tag zu Tag, bestätigen die Unternehmensberater die Einschätzung zahlreicher Gläubigerschützer und Wirtschaftsexperten.

Ein Blick auf unsere westlichen Nachbarn lohnt sich daher: Die Schweiz
hält an ihrem verhältnismäßig liberalen Kurs fest und setzt im Vergleich
zu Österreich und Deutschland relativ „leichte“ und „kurzlaufende“
Maßnahmen. Auch angesichts der dritten Corona-Welle hat sich die Schweizer Regierung recht ruhig und gelassen verhalten. Österreich und Deutschland haben dagegen die Corona Maßnahmen weiter verschärft und versucht, auf diese Weise die Welle zu brechen. Aber um welchen Preis für die Zukunft der Wirtschaft?

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