Von wegen Umweltmusterland

Die Europäische Umweltagentur stellt schlechtes Zeugnis aus: Rund 80 Prozent der bewerteten Arten und Lebensräume in Österreich sind in „keinem guten Zustand“.

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© PantherMedia/AntonMatyukha

Auf Basis offizieller Berichte der Mitgliedsstaaten bewertet die Europäische Umweltagentur alle fünf Jahre den Zustand von Tier- und Pflanzenarten sowie ihrer Lebensräume im Ländervergleich. Eine Analyse der Ranking-Daten durch die Naturschutzorganisation WWF Österreich zeichnet ein alarmierendes Bild der Lage heimischer Ökosysteme: 83 Prozent der bewerteten Arten weisen einen „mangelhaften“ bis „schlechten Zustand“ auf, womit Österreich nur auf dem vorletzten Platz von 28 untersuchten Ländern liegt. Zudem befinden sich 79 Prozent der bewerteten Lebensräume in keinem „guten Zustand“ – auch hier landet Österreich mit Platz 18 nur im hinteren Mittelfeld.

„Österreichs oft strapazierte Rolle als Umweltmusterland ist ein reiner Mythos“, kritisiert WWF-Naturschutzexperte Arno Aschauer.

© Walther Gastinger/WWF

„Österreichs oft strapazierte Rolle als Umweltmusterland ist ein reiner Mythos“, kritisiert WWF-Naturschutzexperte Arno Aschauer. „Im Europavergleich sind wir nur noch Nachzügler, weil wir Natur im großen Stil verbauen, verschmutzen und übernutzen. Die Antwort auf dieses Armutszeugnis muss ein ambitionierter Aktionsplan zum Schutz der biologischen Vielfalt und eine Reduktion des viel zu hohen Bodenverbrauchs sein!“ Zehn bedrohte Tierarten hierzulande sind beispielsweise Luchs, Wolf, Seeadler und das Große Mausohr (eine Fledermausart), aber auch Schwarzspecht (der größte Specht Europas), Bachforelle, Feldhamster, Feldlerche, der Große Eichenbock (unser größter Käfer) und – es muss immer wieder betont werden – die Wildbienen mit etwa 700 Arten.

Wir bauen viel zu viel

Hauptsächliche Belastungsfaktoren für Arten und Lebensräume in Österreich sind die Übernutzung und Verschmutzung der Natur – etwa durch intensive Land-, Forst- und Wasserwirtschaft – sowie die viel zu starke Verbauung des Landes. Der WWF Österreich sieht daher die Bundesregierung und die Bundesländer in der Pflicht, einen konkreten Aktionsplan vorzulegen. „Die neue Biodiversitätsstrategie muss verpflichtende Ziele, Vorgaben und Zuständigkeiten enthalten, damit sie nicht wieder zu einem zahnlosen Papiertiger verkommt“, fordert Aschauer. „Dafür braucht es auch eine ausreichende Finanzierung und ein deutlich besseres Monitoring geschützter Lebensräume und Arten – derzeit gibt es hier massive Defizite!“

Besonders dringend ist die Reduzierung des Bodenverbrauchs: Der Flächenfraß hat längst jedes naturverträgliche Maß überschritten! Tagtäglich verlieren wir rund 13 ha Grünflächen, was maßgeblich zum schlechten Zustand vieler Arten und ihrer Lebensräume beiträgt. „Letztlich leidet auch unsere Gesundheit und Ernährungssicherheit darunter, wenn Österreich weiter rücksichtslos zubetoniert wird“, warnt Aschauer. Eine WWF-Petition gegen den Flächenfraß unter dem Motto „Natur statt Beton“ hat binnen weniger Wochen bereits über 9.000 Unterschriften gesammelt. Darin wird ein Bodenschutz-Vertrag gefordert, den die Bundesregierung mit Ländern und Gemeinden vereinbart, um den Bodenverbrauch auf maximal einen Hektar pro Tag zu reduzieren.

Auch das WWF-Jugendnetzwerk Generation Earth fordert die Politik zum raschen Handeln auf. „Sauberes Wasser, saubere Luft und gute Lebensmittel hängen unmittelbar vom strengen Schutz der Natur ab“, erklärt Magdalena Prieler, Sprecherin von Generation Earth. „Gesunde Lebensräume und eine hohe Artenvielfalt sind die unverzichtbare Lebensgrundlage für uns Menschen. Die Politik darf unsere Zukunft nicht aufs Spiel setzen und muss dem Schutz der Biodiversität viel mehr Gewicht geben!“

Die Petition „Natur statt Beton. Stoppt die Verbauung Österreichs!“ kann online unterzeichnet werden:

www.natur-statt-beton.at/petition

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