Unser Anspruch muss sein: Besser als vorher

Wir sind in der Zielgeraden des Pandemie-Marathons. Mit den richtigen Werkzeugen und besten Ideen kann Österreich nicht nur die Krise hinter sich lassen, sondern zu den Spitzenstandorten weltweit aufschließen.

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© IV/Michalski

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).

Der größte globale Aufschwung seit fünf Jahrzehnten steht nicht nur vor der Tür – er läuft bereits. Das gilt zumindest für die beiden größten Volkswirtschaften der Welt, die USA und China. Europa trottet leider eher gemächlich hinterher. Die EU wird nach jetzigem Stand nur ein vergleichsweise kleines Stück vom Wachstums-Kuchen erwirtschaften und 2021 bestenfalls etwas mehr als die halbe Aufschwungsdynamik wie die beiden globalen Wachstumslokomotiven USA und China schaffen.

Es heißt also endlich die Segel zu setzen. Corona hat uns lange beschäftigt und tut es noch. Aber wir dürfen nicht auf die Zukunft vergessen. Wenn Europa und Österreich nicht als Museum der Vergangenheit für Touristen enden wollen, müssen wir uns jetzt die Grundsteine setzen, damit der Standort in der Zeit nach der Krise strategisch optimal positioniert ist. Mit welchen Werkzeugen und Maßnahmen kann das gelingen? Mittelmaß und eine bloße Rückkehr auf das Vor-Krisen-Niveau werden jedenfalls nicht ausreichen, um langfristig Arbeitsplätze, Wohlstand und Lebensqualität zu sichern. Der Produktionssektor und hoch entwickelte Dienstleistungen sind Basis dafür – diese brauchen klare Perspektiven und optimale Bedingungen für die anstehenden Herausforderungen wie Digitalisierung oder ökologische Transformation. Wir brauchen ein Europa und ein Österreich, das sich durch höchste internationale Wettbewerbsfähigkeit auszeichnet, das Standort für moderne Produktion, für High-Tech, für Schlüsseltechnologien und damit für eine prosperierende Zukunft ist.

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Unser Anspruch muss also sein: Sich nicht mit dem Vor-Krisen-Niveau begnügen, sondern darüber hinauswachsen. Ohne ein Klima der Investitionsfreundlichkeit und der Entlastung für Menschen und Unternehmen wird dies nicht gelingen. Drehen wir daher die Belastungsschraube – etwa bei Körperschaftsteuer und Lohnnebenkosten – nach unten. Stärken wir das Eigenkapital, um unsere Unternehmen resilienter zu machen. Entlasten wir den Faktor Arbeit und machen wir Investitionen in den Standort und die Schaffung neuer Arbeitsplätze attraktiv! Bekämpfen wir den Fachkräftemangel, setzen wir auf Qualifizierung und schaffen wir ein gesundes Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Die Industrie hat in diesem Zusammenhang etwa eine strategische Steuerung des Themas Fachkräfteentwicklung mithilfe einer Fachkräfteagentur vorgeschlagen. Auch in Bezug auf den Megatrend Digitalisierung – um ein weiteres dringliches Handlungsfeld zu nennen – wird Österreich Boden gut machen müssen, wenn wir bis 2030 unter den Top-3-Digitalisierungsvorreitern in Europa liegen wollen. Zur Erreichung dieses Ziels liegen eine Reihe strategischer Konzepte auf dem Tisch – auch von der österreichischen Industrie.

Die Bundesregierung hat neben der Präsentation eines kurzfristigen Comebackplans für Österreich Anfang Mai den Startschuss für die Erarbeitung eine Standortstrategie 2040 gegeben – mit dem Ziel Österreich unter die besten 10 Wirtschaftsstandorte der Welt zu führen. Die Strategie soll bis November gemeinsam mit vielen Stakeholdern entwickelt werden. Das ist der richtige Ansatz…doch wie immer gilt: Der Goldstandard ist die Umsetzung – kurzfristig & mittelfristig! Das wird darüber entscheiden, ob wir am globalen Aufschwung teilhaben können, oder uns mit Mittelmaß zufriedengeben müssen.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV)

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