Solide Finanzierung des Mittelstandes in Österreich Creditreform

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Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform und TL-Stimme der Gläubiger.

17.12.2021 | 2 min

Solide Finanzierung des Mittelstandes in Österreich

Covid-Hilfen befeuern den Ertragssaldo auf ein Allzeit-Hoch und weiterhin gute Eigenkapitalausstattung

Vom Corona-Tief des Vorjahres war in den letzten sechs Monaten beim österreichischen Mittelstand nichts mehr zu spüren: So gut wie im Herbst 2021 war die Ertragslage der mittelständischen Unternehmen in Österreich in den letzten zehn Jahren nicht mehr. Das ergibt sich aus einer Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung unter 1.500 heimischen Unternehmen. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Erträgen katapultierte sich im Vergleichszeitraum von minus 23,6 Prozentpunkten auf ein Allzeit-Hoch von plus 9,2 Prozentpunkten. Dies ist besonders der Tatsache geschuldet, dass der Anteil der Bertriebe mit Ertragseinbußen drastisch gesunken ist: von 45,2 auf aktuell 20,4 Prozent. Von Ertragssteigerungen berichteten 29,6 Prozent der Befragten – nach 21,6 Prozent im Vorjahr. Neben den staatlichen Hilfsmaßnahmen ist diese gute und stabile Ertragslage ein Hauptgrund für den Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen in den vergangenen eineinhalb Jahren. Österreichs KMU sind krisenresistent.

Quelle: Creditreform

Dienstleistungen und Bau ziehen an

Die Verbesserung der Ertragslage manifestierte sich im Vergleichszeitraum in der Breite durch einen deutlichen Rückgang bei den Ertragseinbußen. Meldeten bei der Dienstleistungsbranche vor einem Jahr noch 54,5 Prozent der Befragten geringere Erträge, so waren es im Herbst 2021 nur 15,8 Prozent. Beim Verarbeitenden Gewerbe sank der prozentuale Anteil von 47,4 auf 29,2 Prozent und beim Handel von 40,5 auf 22,6 Prozent. Insgesamt entspannte sich die Ertragslage am deutlichsten bei der Dienstleistungsbranche, bei der nicht nur die Zahl der Unternehmen mit rückläufigen Erträgen am stärksten zurückging, sondern auch deutlich mehr Befragte Ertragssteigerungen meldeten (32,2 Prozent). Während es bei der Dienstleistungsbranche hier Zuwächse im zweistelligen Bereich gab (plus 15,3 Prozentpunkte), waren sie bei Bau und Handel einstellig und beim Verarbeitenden Gewerbe auf dem Vorjahresniveau. Diese Zahlen belegen, dass die umfangreichen staatlichen Hilfen bei den Unternehmen angekommen sind und die Ertragslage positiv befeuert haben.

Ertragslage je Hauptbranche

gestiegengleichgebliebengesunken
Verarb. Gewerbe28,1 (28,4)34,8 (20,0)29,2 (47,4)
Bau26,0 (19,2)53,4 (45,2)13,7 (28,8)
Handel29,9 (24,1)38,7 (29,3)22,6 (40,5)
Dienstleistungen32,3 (17,0)42,1 (21,2)15,8 (54,5)
Gesamt29,6 (21,6)41,4 (26,9)20,4 (45,2)
Angaben in % der Befragten, Rest o. A., ( ) = Vorjahresangaben

Eigenkapitalsituation: Positive Entwicklung in der Breite

Die Zahl der eigenkapitalschwachen mittelständischen Unternehmen in Österreich ist in den letzten sechs Monaten deutlicher als in den Vorjahren zurückgegangen. Nur noch 15,9 Prozent der Unternehmen, so wenig wie noch nie in den letzten zehn Jahren, haben eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent. Die Zahl der solide kapitalisierten Unternehmen (Eigenkapital über 30 Prozent) blieb relativ konstant und fiel nur leicht im Vergleich zum Herbst 2020 ab. Die gute Eigenkapitalquote belegt, dass der österreichische Mittelstand auch in Zeiten der Corona-Krise weiterhin auf einem starken Fundament steht.

Quelle: Creditreform

Bis auf die Bauwirtschaft ging in allen Hauptwirtschaftsbereichen die Zahl der unzureichend kapitalisierten Unternehmen zurück. Gleichzeitig sank der Anteil der Betriebe mit einer hohen Eigenkapitalausstattung. Lediglich der Handel konnte in diesem Segment zulegen. Die beste Kapitaldecke hatte das Verarbeitenden Gewerbe. Hier waren im Branchenvergleich die wenigsten Betriebe (4,1 Prozent) unterkapitalisiert, während die meisten eine solide Eigenkapitalausstattung hatten (53,4 Prozent). Auch der Handel war in dieser Hinsicht in den vergangenen sechs Monaten gut aufgestellt.

Höhe des Eigenkapitals

bis 10%bis 20%bis 30%über 30%
Verarb. Gewerbe  4,1 (14,1)20,5 ( 9,8)21,9 (13,0)53,4 (63,0)
Bau22,4 (18,8)16,4 (20,3)19,4 (13,0)41,8 (47,8)
Handel12,0 (16,2)17,9 (17,1)18,8 (21,0)51,3 (45,7)
Dienstleist.23,7 (25,7)24,6 (21,1)23,7 (23,0)28,1 (30,3)
Gesamt15,9 (19,6)20,2 (17,5)21,0 (18,7)42,9 (44,3)
Angaben in % der Befragten, ( ) = Vorjahresangaben

Conclusio

Aufgrund der guten Ertragslage (dank der Covid-Hilfen) und des stabilen Eigenkapitals waren bzw. sind die heimischen Unternehmen krisenresistent. Mit dem sukzessiven Wegfall der staatlichen Hilfen verstärkt sich aber die Insolvenzgefährdung, zusätzlich auch durch derzeit nicht einschätzbare Entwicklungen in der Pandemiebekämpfung sowie durch weitere wirtschaftliche Unsicherheiten wie Inflation/Preisdruck, Fachkräftemangel und Mehrkosten durch die Klimapolitik. Im Jahr 2022 wird es daher zu mehr Insolvenzen und einer „Normalisierung“ des Insolvenzgeschehens auf dem Vor-Pandemie-Niveau kommen.