So will das Mühlviertel „Berge versetzen“

Internationale Forschungskooperation, zukunftsfitte Infrastruktur, regionales Mobilitätsmanagement.

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© PantherMedia/olinchuk

Oberösterreich gilt als führend bei der Nutzung von Wasserkraft und Photovoltaik und ist auch Standort vieler innovativer Energietechnologie-Unternehmen. Ein Musterbeispiel dafür ist WWS Wasserkraft in Neufelden im Bezirk Rohrbach. In diesem Mühlviertler Vorzeigebetrieb bündeln sich jahrzehntelange Erfahrungen im Kraftwerksbau mit innovativem Erfindergeist. WWS Wasserkraft konnte im Rahmen des internationalen Forschungsförderungsprojektes Eureka in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern in Norwegen eine kompakte und modulare Kleinkraftwerkturbine entwickeln. Diese Wasserturbine ermöglicht eine unkomplizierte und kostengünstige Aufrüstung von Kleinkraftwerken, auch in schwer zugänglichen Regionen auf der ganzen Welt.

Energie aus Wasserkraft ist mit etwa 10.000 GWh pro Jahr nach der Biomasse die mengenmäßig bedeutendste heimische Energieform. Es gibt in Oberösterreich neben den größeren Wasserkraftwerken mehr als 600 Kleinwasserkraftwerke, inklusive der Kleinstanlagen sind es rund 900. Gerade in diesem Bundesland sind Technologieanbieter wie WWS Wasserkraft wichtige Bausteine der Energiewende, da sie ständig die Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien weiterentwickeln, optimieren und auch exportieren. Wasserkrafttechnologien nützen damit nicht nur dem Klima, sondern es profitieren davon auch viele oberösterreichische Unternehmen, die weltweit tätig und erfolgreich sind. WWS Wasserkraft hat bereits aufgrund der Investitionsprämie des Bundes viele heimische Aufträge erhalten, das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz mit einem geplanten Investitionsvolumen von zehn Milliarden Euro bis 2030 wird dem Unternehmen noch einen zusätzlichen Schub bringen.

Neu entwickelte Turbine als Erfolgsprojekt

Die binnen drei Jahren neu entwickelte Turbine kann sich individuell an die Wassermenge des jeweiligen Gewässers anpassen. Die Turbine ist äußerst kompakt und deshalb besonders leicht zu transportieren. Dieses Alleinstellungsmerkmal ermöglicht auch einen Einsatz in schwer zugänglichen Regionen wie z.B. in Patagonien (Chile). „Die Chance zur internationalen Forschungszusammenarbeit hat es uns in den letzten Jahren ermöglicht, wertvolle Kontakte zu Partnern und potentiellen Kunden auf der ganzen Welt zu knüpfen“, sagt WWS Wasserkraft-Geschäftsführer Christoph Wagner. „Das Forschungsnetzwerk Eureka ist dafür eine große Bereicherung und die gewonnenen Kontakte sind in unserem Unternehmen nicht mehr wegzudenken.“

WWS Wasserkraft betreibt ein Testkraftwerk am Unternehmensstandort und hat mittlerweile bereits mehr als 25 Turbinen in Oberösterreich in Betrieb genommen. Hauptabnehmer der kleinen und sehr flexibel einsetzbaren Wasserturbinen sind auch Länder wie Norwegen und Deutschland. Für die Zukunft sehen die Vertreter von WWS Wasserkraft auch Chancen, diese Turbinen für die ländliche Entwicklung und Elektrifizierung in infrastrukturschwachen Gebieten einzusetzen, da sie leichter einzubauen sind als herkömmliche Turbinen.

Eisenbahnbrücke in Linz

Das große Brückeneinschwimmen

115 Jahre lang prägte die Eisenbahnbrücke das Stadtbild von Linz. Ihre Nachfolgerin ist rund dreimal so breit und gilt als Grundvoraussetzung, um den öffentlichen Verkehr in der und zur Landeshauptstadt zukunftsfit ausbauen zu können. Noch im März wurde der südliche Brückenbogen auf Pontonschiffe verladen, dann erfolgte die 90-Grad-Drehung und schließlich wurde das letzte, gigantische Puzzlestück auf dem südlichen Brückenpfeiler abgesetzt. Es ist der vorerst letzte Akt, der die Neue Linzer Donaubrücke komplettiert. Im Zuge eines gewaltigen Logistikprozesses wurden dabei 2.800 (!) Tonnen Stahl millimetergenau eingeparkt. Das Einschwimmen des südlichen Brückenbogens verlief im Wesentlichen synchron zum bereits montierten Brückenbogen. Sobald das Tragwerk in seiner Endposition über dem Flusspfeiler eingeschwommen war, wurden die Schwimmplattformen geflutet, um das Tragwerk abzusenken. Anschließend kümmerten sich Spezialisten um die Verbindung von Pfeiler und Brückentragwerk. Mit Ausnahme der Fahrbahn und einiger abschließender Detailarbeiten ist die neue Brücke damit komplett.

Dabei dient die neue Donaubrücke nicht „nur“ dem Individualverkehr, sondern ist gleichzeitig das wichtigste Element zur Realisierung des Stadtbahnkonzepts und mit den beiden S-Bahnlinien S6 und S7 wird das Mühlviertel mit der Landeshauptstadt vernetzt. Im Herbst 2021 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen und das Nachfolgebrückenwerk der Eisenbahnbrücke für den Verkehr freigegeben werden.

Regionales Mobilitätsmanagement startet durch

Und noch ein drittes Projekt (auch) im bzw. für das Mühlviertel sorgt für einiges Aufsehen: Seit Mitte 2018 kommen regionale Mobilitätsmanager zum Einsatz. In den Regionen sind sie der erste Ansprechpartner bei der Planung und Ausgestaltung von Mobilitätskonzepten. Betreut werden die Regionen Mühlviertel, Innviertel-Hausruck, und Vöcklabruck-Gmunden von je einem regionalen Mobilitätsmanager. Nachdem auch der oö. Zentralraum vor großen Herausforderungen steht, unterstützt seit November 2019 ein eigener Zentralraummanager die Region und koordiniert die Umsetzung des Mobilitätsleitbildes Region Linz.

Die Tätigkeitsfelder eines regionalen Mobilitätsmanagers umfassen u.a:

  • Beratung und Prozessbegleitung der Region und der Gemeinden in Mobilitätsfragen
  • Entwicklung kommunaler und interkommunaler Mobilitätsprojekte und -konzepte im Bereich der „Sanften Mobilität“
  • Entwicklung von Maßnahmen zur Förderung der Nahmobilität
  • Beratung bei Förderprogrammen und Fördermöglichkeiten

Die Finanzierung des regionalen Mobilitätsmanagements wird in Form einer Förderung abgewickelt, die vom Infrastrukturressort übernommen wird. Für das Geschäftsjahr 2021 werden rund 471.000 Euro in die Mobilitätsförderung des regionalen Raumes investiert. Mittelfristiges Ziel ist es, die Strukturen weiter auszubauen, um flächendeckende Beratungsleistungen gewährleisten zu können: Wenn gemeindeübergreifende Mobilitätskonzepte mit jenen des Landes vernetzt werden, entstehen Win-Win-Situationen und alle profitieren.

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