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21.01.2019 | 4 min

Reiche Gaben

Immer mehr Superreiche haben ihr Vermögen hauptsächlich ihrem Glück zu verdanken. Nicht, weil sie die sechs Richtigen am Lottoschein angekreuzt haben – sondern weil sie in der richtigen Familie auf die Welt gekommen sind.

Jung und vermögend zugleich zu sein – das war für frühere Generationen­ fast unmöglich. Doch jetzt kommt eine Generation, die ihre Millionen nicht erarbeitet, sondern geerbt hat. Und die keineswegs nur auf Konsum, sondern vielmehr auf Vermögenserhalt und Nachhaltigkeit setzt.

Rund 150.000 Millionäre gibt es in Österreich – und täglich werden es mehr: Laut dem „World Wealth Report“ des Beratungsunternehmens Capgemini steigt die Anzahl der High-net-worth Individuals in Österreich um mehr als zehn Prozent jährlich. Und immer mehr Superreiche haben ihr Vermögen hauptsächlich ihrem Glück zu verdanken. Nicht, weil sie die sechs Richtigen am Lottoschein angekreuzt haben – sondern weil sie in der richtigen Familie auf die Welt gekommen sind. „Während einer Studie zufolge in den USA 13 Prozent der Millionenvermögen aus einer Erbschaft stammen, sind es in Österreich mehr als 50 Prozent“, sagt Waltraud Perndorfer, Leiterin der Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie spürt, dass die Generation der heutigen Erben „doch einen anderen Bezug zum Thema Geld“ hat als ihre Eltern.

Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank

Vorbild Großeltern

Das findet auch Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank: „Die finanzielle Unabhängigkeit verschafft der Enkelgeneration unserer Kunden einen Freiraum zur individuellen Verwirklichung – insbesondere bei der Berufswahl.“ Passend zu jener Rückbesinnung auf „Family Values“, die Millennials nachgesagt wird, ortet er bei den jungen Millionären einen eher konservativen Anlagestil: „Der Erhalt des Familienvermögens ist für die Erben von zentraler Bedeutung. Die Nachfolger orientieren sich bei Investitionsentscheidungen zudem stark am Erfolgsverhalten der Eltern sowie der Großeltern.“

Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank, warnt davor, alle Vertreter der Generation Y in einen Topf zu werfen: Schließlich entscheidet nicht allein das Alter über die Lebensphilosophie. Dennoch gibt es Werte wie den Fokus auf den Vermögenserhalt, die allgegenwärtig sind – zehn Jahre nach der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit keine Überraschung. „Sicher ist, dass die neue Nachfolgegeneration insgesamt mit anderen Möglichkeiten und Abläufen von Geschäften und Maßnahmen aufgewachsen ist“, sagt sie. „Die zukünftigen Erben sind so gut ausgebildet wie nie zuvor und auch wieder bereit, das Vermögen nicht einfach nur zu bewahren, sondern aktiv in eigene Ideen und Unternehmen zu investieren.“ Das bestätigt auch Matthias Albert, Mitglied des Vorstands und Partner der Bank Gutmann: „Insbesondere die jüngeren Kunden wollen mehr in Veranlagungsentscheidungen involviert werden.“

Franz Witt-Dörring, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank

Mit gutem Gewissen anlegen

Unter den jungen Millionären sind besonders viele Immobilienbesitzer – laut Capgemini ist etwa ein Drittel aller Millionenvermögen in Österreich fest in Grund und Boden verankert und hat von den Preisanstiegen der vergangenen Jahre ordentlich profitiert. Wer in den 90er-Jahren ein Zinshaus in Wien-Simmering erbte, konnte sich mit dem Verkaufserlös höchstens ein Fertigteilhaus im Speckgürtel leisten – heute kann man das geerbte Zinshaus in der Vorstadt ohne weiteres gegen eine Villa im Nobelbezirk samt Ferrari in der Garage eintauschen. Oder – passend zum Trend zu nachhaltigen Investments bei der Generation Y – mit sozialer Verantwortung investieren, wie Witt-Dörring berichtet: „Nachhaltige Angebote gewinnen gerade bei jüngeren Kunden immer mehr an Bedeutung. Dies zeigt sich einerseits in der Nutzung digitaler Medien zur ressourcenschonenden Kommunikation, andererseits sind auch in der Veranlagung vermehrt nachhaltige Produkte gefragt.“

Auch laut Gutmann-Experte Albert betrachten Vertreter der Erbengeneration das Thema Rendite nicht nur als Prozentangabe am Depotauszug, sondern auch im Sinne eines Mehrertrags für die Gesellschaft: „Das Bewusstsein, dass jedes Investment eine Auswirkung auf die Welt hat, in der unsere Kinder aufwachsen, nimmt zu. Mit dem Ansatz des Impact Investing ist dazu ein eigener Anlageansatz entstanden, um messbare soziale und ökologische Veränderungen zu fördern und gleichzeitig finanzielle Renditen zu erzielen.“ Nicht nur die Erben, sondern auch ihre Eltern setzen heutzutage auf Nachhaltigkeit, so Höllinger. „Dabei werden auch ganz gezielt Teile des Vermögens in Start-ups, nachhaltige und innovative Unternehmen investiert. Was von zukünftigen Erblassern als Förderung der jungen Generation gesehen wird, ist bei den Jungen das Investment in die eigene zukünftige Firma.“

Matthias Albert, Mitglied des Vorstands und Partner der Bank Gutmann

Privatstiftung: Kein Auslaufmodell

Der Fokus liegt aber auch bei Unternehmensgründungen und Beteiligungen in Start-ups auf Vermögenserhalt – wobei internationale Kunden durchaus höhere Renditevorstellungen haben, wie Albert weiß: „Wir betreuen neben Kunden aus dem deutschsprachigen Raum auch viele aus Zentral- und Osteuropa und sind auch in Budapest und Prag vertreten. Unsere Erfahrung ist, dass internationale Kunden höhere Renditeerwartungen haben, dafür auch eine höhere Risikoeinschätzung in Kauf nehmen und zusätzlich auf geringere Veranlagungszeiträume setzen.“

Um das Vermögen gegen etwaige Fehlentscheidungen in Sachen Geldanlage zu schützen, haben sich Privatstiftungs-Konstruktionen bewährt – auch wenn es in den letzten Jahren kaum Neugründungen bei den eigennützigen Stiftungen gab. Laut den Privatbank-Experten liegt das vor allem am Wegfall besonderer steuerlicher Begünstigungen. „All das ändert aber nichts daran, dass Privatstiftungen weiterhin ein geeignetes Instrument sind, um Vermögen über Generationen hinweg zusammenzuhalten“, so Höllinger. „Besonders wenn es sich dabei um Unternehmens- und Immobilienbeteiligungen handelt, denen bei einer Aufsplittung infolge einer Erbschaft große Nachteile erwachsen könnten.“ Das findet auch Witt-Dörring: „Die Privatstiftung nimmt im Zusammenhang mit dem generationenübergreifenden Fortbestand von Familienunternehmen eine bedeutende Rolle ein.“ Daher bleibt die Stiftungslösung auch für Millennials das ideale Instrument. Vor allem dann, wenn es darum geht, die geerbten Millionen sicher zu bewahren – für die nächste Erbengeneration.