Neues von der Pleitefront

Unternehmens-Health-Check prüft Gesundheit von Unternehmen – Fitch belässt Österreich-Rating bei AA+

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Das Bild, das Experten zeichnen, lässt einen Tsunami befürchten: 2020 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren zurückgegangen. Spätestens im zweiten Halbjahr 2021, wenn die Covid-19-Unterstützungsmaßnahmen auslaufen, könnte aber – so die einhellige Meinung – eine große Pleitewelle auf Österreichs Wirtschaft zurollen.

Jetzt können Firmen jeder Branche mit dem Unternehmens-Health-Check den Gesundheitszustand ihrer Organisation überprüfen und bei Bedarf sofort die richtigen Schritte einleiten. Mit dem Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen Grant Thornton sowie der internationalen Anwaltssozietät Taylor Wessing analysieren zwei starke Partner die Belastbarkeit der wirtschaftlichen und finanziellen Basis von Unternehmen unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Dadurch sollen rechtzeitig mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt werden.

„Viele Firmen setzen aktuell noch auf das Prinzip Hoffnung“, sagt Gerda Leimer, Partnerin bei Grant Thornton.

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Rechtzeitiges Handeln ist das Um- und Auf

Denn spätestens mit dem Auslaufen der Stundungen, also Ende Juni 2021, könnte es für viele Unternehmen zu massiven Liquiditätsengpässen kommen. Auch von der Corona-Blase, die platzen wird, ist vielfach bereits die Rede.

Diese Ansicht teilt auch Gerda Leimer, Partnerin bei Grant Thornton:
„Viele Firmen setzen aktuell noch auf das Prinzip Hoffnung. Doch je früher sich Betroffene im Detail mit der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens auseinandersetzen, desto mehr Handlungsspielraum bleibt, um konkurrenzfähig aus der Krise zu kommen oder gar einer möglichen Insolvenz gegenzusteuern.“

„Im Rahmen einer ganzheitlichen Analyse gelangen wir zu einer Früherkennung allfälliger Risken und können darauf aufbauend mögliche Handlungsoptionen erarbeiten“, so Raimund Cancola, Managing Partner bei Taylor Wessing CEE.

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Unterstützung aus professioneller Hand

Der Unternehmens-Health-Check soll es Unternehmern möglichst einfach machen, den tatsächlichen „Gesundheitszustand“ ihrer Firma festzustellen und vor allem auch zu erfahren, wie es weitergehen kann. Raimund Cancola, Managing Partner bei Taylor Wessing CEE: „Im Rahmen einer ganzheitlichen Analyse, die betriebswirtschaftliche, finanzielle, rechtliche und steuerliche Themen miteinbezieht, gelangen wir zu einer Früherkennung allfälliger Risken und können darauf aufbauend mögliche Handlungsoptionen erarbeiten. Unser Auftraggeber erhält Unterstützung aus einer Hand“.

Nach einem Erstgespräch und der Bereitstellung notwendiger Unterlagen starten die Experten von Grant Thornton und Taylor Wessing umgehend mit der Analyse, dem „Health-Check“. Die Ergebnisse werden innerhalb kurzer Zeit gemeinsam mit möglichen Handlungsalternativen in einem Bericht dargestellt und dem Auftraggeber im Rahmen eines Gesprächs präsentiert.
Die Kosten für den Unternehmens-Health-Check sollen dabei für Unternehmen auf leistbarer Basis bleiben.

Die Schuldenstruktur des Staates ist mit einer durchschnittlichen Laufzeit von rund elf Jahren sowie niedrigen und sinkenden Kreditkosten günstig, so die Ratingagentur Fitch.

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Die Republik auf gutem Wege

Derweil hat die internationale Ratingagentur Fitch die Einstufung der Republik Österreich mit der Note AA+ und einem stabilen Ausblick bestätigt. Unser Land profitiert von einer geringen Verschuldung des Privatsektors und soliden Außenfinanzen, begründet Fitch diese Rating-Einschätzung. Der stabile Ausblick spiegle die Erwartung wider, dass die Staatsverschuldung nach dem starken Anstieg im Vorjahr wieder sinken wird.

Die Staatsverschuldung Österreichs sei zwar im Vergleich zu anderen Ländern hoch und noch im Steigen begriffen, erklärte die Agentur – erst 2022 werde die Verschuldung ihren Höhepunkt erreichen. Jedoch sei die Schuldenstruktur des Staates mit einer durchschnittlichen Laufzeit von rund elf Jahren sowie niedrigen und sinkenden Kreditkosten günstig.

Nach zwei Jahren mit Haushaltsüberschüssen – 2018 und 2019 – habe die österreichische Regierung beträchtliche finanzielle Unterstützung bereitgestellt, um die Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Wirtschaft zu mildern, so Fitch. 2020 hätten sich die direkten und vorübergehenden Maßnahmen für die Wirtschaft auf rund 21 Mrd. Euro bzw. 5,5 Prozent des BIP belaufen. Zudem hätten eingebaute automatische Stabilisatoren und die Senkung der ersten Einkommensteuertarifstufe von 25 auf 20 Prozent dazu beigetragen, die Auswirkungen der Pandemie abzufedern und die Haushaltseinkommen vor allem von Geringverdienern zu stützen, erklärt die Ratingagentur.

Im Gesamtjahr 2020 sank die Zahl der Insolvenzen um 39 Prozent auf 3.001 – viele Konkurse sind durch CoV-Wirtschaftshilfen aber nur aufgeschoben.

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(Zu) wenig Insolvenzen?

Anfang 2021 hat es bekanntlich deutlich weniger Fälle von Zahlungsunfähigkeit als ein Jahr davor gegeben. Im ersten Quartal registrierte die Statistik Austria laut aktuellen Zahlen nur 484 Insolvenzen, um 57 Prozent weniger als die 1.118 Fälle von Jänner bis März 2020. Der Rückgang bedeutet jedoch nicht, dass es der Wirtschaft gutgehe, heißt es von Fachleuten. Im Gesamtjahr 2020 sank die Zahl der Insolvenzen um 39 Prozent auf 3.001 – viele Konkurse sind durch CoV-Wirtschaftshilfen aber nur aufgeschoben.

Besonders stark war der Rückgang bei den Insolvenzen laut Angaben der Statistik Austria im Bereich persönliche Dienstleistungen mit 74 Prozent auf 30 Fälle, gefolgt von Information und Kommunikation mit minus 71 Prozent auf 13. In Beherbergung und Gastronomie gab es mit 54 Insolvenzen um 69 Prozent weniger, in der Sachgütererzeugung mit 24 um 67 Prozent weniger. Am schwächsten gesunken ist die Zahl der Insolvenzen mit 27 Prozent auf 134 im Sektor Bau, der – anders als im Gesamtjahr 2020 – absolut die höchste Zahl stellte.

Rückgang vor allem wegen ausgesetzter Antragspflicht

Der starke Rückgang der Insolvenzen um 57 Prozent bis März sei vor dem Hintergrund der seit 1. März 2020 ausgesetzten Insolvenzantragspflicht bei einer Überschuldung erfolgt, so Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas. Bei den Analysten des Finanzdienstleisters Bisnode Dun & Bradstreet Österreich heißt es, dass das Minus eine Folge der Milliarden sei, die der Staat in die Wirtschaft gepumpt habe. Viele Konkurse würden damit nur in die Zukunft verschoben, aber nicht aufgehoben. Das betreffe vor allem „Zombie“-Unternehmen, die bei normalem Geschäftsverlauf schon hätten aufgeben müssen, nun aber durch Zuschüsse und Sonderregelungen weiter künstlich am Leben erhalten würden. Der Anstieg der Insolvenzen werde im Herbst langsam beginnen, 2022 und 2023 werde sich der Anstieg fortsetzen.

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