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„Man wird bescheiden“

Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice, über kleine Erfolge bei Jugendlichen, einer drohenden halben Million Arbeitsloser und Qualifikation als Gegenrezept.

Lesezeit: ca. 2 min

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Mit 409.000 Arbeitslosen Ende September bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Stehen wir vor einer zweiten Welle?

Mit diesen Zahlen kann man natürlich nicht zufrieden sein. Aber mit wir sind jetzt doch deutlich unter dem Höchstwert von 530.000 Personen, die Mitte April arbeitslos gemeldet oder in Schulungen waren. Ende September lagen wir um 22 Prozent über dem Wert des Vorjahres, das ist immer noch viel zu hoch, aber besser als in den Vormonaten – man wird ja bescheiden. Von einer „zweiten Welle“ am Arbeitsmarkt kann erfreulicherweise nicht gesprochen werden, trotzt strengerer Gesundheitsmaßnahmen. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit hat sich reduziert. Und auch die Sommersaison im Tourismus ist in vielen Regionen besser gelaufen als befürchtet.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung, was kommt da auf uns zu?

In den Wintermonaten kommen erfahrungsgemäß rund 100.000 Saisonarbeitslose auf den Arbeitsmarkt, vor allem aus den Branchen Bau und Tourismus. Diese mit eingerechnet, erwarte ich für Jänner mit rund einer halbe Million Personen, die arbeitslos gemeldet oder in Schulungen sind.

Die Bundesregierung will 700 Millionen in Umschulung und Weiterbildung von Arbeitslosen investieren. Ist das der richtige Ansatz?

Diese zusätzlichen Mittel – und das ist wirklich ein großes Paket – sind absolut sinnvoll. Denn in Zeiten, in denen der Arbeitsmarkt stark belastet ist, ist es am besten, in Qualifizierung und Weiterbildung zu investieren. Sobald die Konjunktur wieder anzieht, werden genau diese ausgebildeten Fachkräfte benötigt. Deshalb war es auch wichtig, dass wir die Zahl der angebotenen Lehrstellen von 10.000 auf 13.000 erhöhen konnten.

Es gibt mehr Arbeitslose als sonst, trotzdem fehlt es in manchen Branchen an Fachkräften. Ist Corona ein Anlass, mal wieder über eine Verschärfung von Zumutbarkeitsregelungen nachzudenken?

Ich sehe dieses Thema derzeit nicht. Das ist eher relevant, wenn das Angebot an Arbeitskräften gering ist. Aber natürlich gilt auch jetzt: Wer mobil ist, hat bessere Chancen auf einen neuen Job.

Droht uns eine höhere Sockelarbeitslosigkeit von Menschen, die dauerhaft arbeitslos sind?

Leider hat die Vergangenheit gezeigt, dass solche Krisen auf die Langzeitarbeitslosigkeit einen negativen Effekt haben. Das ist auch dieses Mal zu befürchten. Denn jetzt werden bevorzugt Personen eingestellt, die aus der Kurzarbeit kommen – mit dem Effekt, dass die „mittleren“ Arbeitslosen in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen. Auch da hilft nur Qualifikation.

Der Chef des Instituts für Höhere Studien, Martin Kocher, erwartet, das wir erst 2024 wieder auf das Vor-Krisen-Niveau bei der Arbeitslosigkeit herunter kommen. Sehen Sie das auch so pessimistisch?

Es ist schwer, das so genau zu prognostizieren. Aber ich erwarte auch, dass uns die Probleme, die wir jetzt aufbauen, die nächsten zwei bis drei Jahre beschäftigen werden. Es hängt alles davon ab, wie schnell wir aus der Talsohle wieder herauskommen. Und natürlich auch davon, wie lange die finanziellen Ressourcen der Unternehmen noch reichen, diese kritische Phase durch zu tauchen. Nach der Finanzkrise 2009 ist es recht schnell wieder nach oben gegangen. Ich wünsche mir, dass das jetzt auch wieder gelingt.

Autor/in: Mag. Arne Johannsen

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