Laut Umfrage von LGT und EY ist die Übergabe bei den meisten Familienunternehmen noch nicht geregelt LGT Bank Österreich EY

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17.12.2021 | 2 min

Laut Umfrage von LGT und EY ist die Übergabe bei den meisten Familienunternehmen noch nicht geregelt

Die KMU-Forschung Österreich erhob, dass in Österreich rund 157.000 Familienunternehmen angesiedelt sind, die über 1,8 Mio. Erwerbstätige beschäftigen und Umsätze von rund 414,1 Mrd. Euro erwirtschaften.

Im Auftrag der LGT Bank Österreich und der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY wurde per Studie des Market Instituts erhoben, ob und welche Nachfolgeregelungen in heimischen Familienbetrieben bestehen. Interviews mit Mitgliedern der Eigentümerfamilien aus unterschiedlichen Generationen ergaben: Bei 60% der Familienunternehmen ist die Übergabe noch gar nicht geregelt. Meinhard Platzer, CEO LGT Bank Österreich: „Der Stellenwert der Nachfolgeplanung für den nachhaltigen Unternehmenserfolg wird aktuell noch unterschätzt. Wir gehen jedoch davon aus, dass jene Unternehmen mit klarer Nachfolgeregelung und Strategie sowie einer ausformulierten Family Governance von dieser Schlagkraft noch stärker profitieren.“

Beide Generationen erachten immerhin eine gemeinsame Übergangsphase sowie ein gemischtes Führungsteam aus internen und externen Mitarbeitern als sinnvoll. Sowohl die Führungsgeneration (71%) als auch die Nachfolgegeneration (76%) empfindet einen reibungslosen Übergang als guten Ansatz. Trotzdem wird der konkrete Übergang aktuell noch zu wenig geplant. Daher überrascht es wenig, dass beachtliche 75% der Befragten nicht mit dem Einsatz einer Familienverfassung vertraut sind. Nur bei einem Fünftel der teilnehmenden Unternehmen ist eine solche im Einsatz.

Meinhard Platzer, CEO LGT Bank Österreich

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Einstiegshürden überwinden

Darüber hinaus verlief und verläuft der Einstieg von Familienmitgliedern ins Unternehmen nicht immer reibungslos. Die derzeitige Führungsgeneration hatte mit einer „Junior-Chef-Wahrnehmung“ (20%), fehlender Akzeptanz (18%) oder „fehlendem unternehmensinternen Know-how“ (11%) zu kämpfen.

Deutlich besser ergeht es der Nachfolgegeneration. Hier mussten und müssen nur 48% Hürden überwinden. Aber auch diese kämpft mit einer Junior-Chef-Wahrnehmung (58%). Aktive Maßnahmen wie Mentoring und Coaching haben aber immerhin 62% der Unternehmen gesetzt, um der Nachfolgegeneration den Einstieg zu erleichtern.

Erich Lehner, Managing Partner Markets und Verantwortlicher für Familienunternehmen bei EY Österreich: „Familienunternehmen sind ein ganz wesentlicher Wirtschaftsmotor in Österreich und bilden das Rückgrat unserer Wirtschaft. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen wie der Pandemie sind Familienunternehmen mit ihrem langfristigen Denken, viel Weitblick und einer guten Balance aus Tradition und Innovation essenzielle Eckpfeiler. Die erfolgreiche Übergabe des Betriebs an die nächste Generation ist daher nicht nur für die Unternehmen selbst, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort notwendig.“

„Familienunternehmen stehen aktuell auch vor der zentralen Herausforderung, strategisch die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen“, so Erich Lehner, Managing Partner Markets.

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Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Übergabe

Eine essentielle Voraussetzung für den Einstieg in das Familienunternehmen ist bei beiden Generationen der klare Wille Unternehmer sein zu wollen. 38% der aktuellen Führungsgeneration und sogar 52% der Nachfolgegeneration sehen das so. Für die Nachfolgegeneration ist zudem wichtig, dass sie ein Unternehmen übernimmt, das eine Zukunftsperspektive hat (48%), und dass der Übergabezeitpunkt vor großen Veränderungen in der Unternehmensausrichtung liegt (48%). „Familienunternehmen stehen aktuell auch vor der zentralen Herausforderung, strategisch die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Die wesentlichen Treiber sind dabei Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Insbesondere aus Sicht der Nachfolgegeneration sind diese Veränderungen in der Unternehmensausrichtung ein guter Anlass, die Übergabe einzuleiten und gemeinsam generationenübergreifend und mit Einbeziehung von Externen an der Weiterentwicklung oder Neuausrichtung des Geschäftsmodells zu arbeiten“, so Erich Lehner.

Generationenkonflikt bei der Ausbildungs-Frage

Große Unterschiede ergeben sich bei den Qualifikationen. Während die Nachfolgegeneration eine breite Ausbildung (40%) als wichtig erachtet, so ist das nur für 13% der Führungsgeneration wichtig. Diese sieht besonders das vorhandene Interesse an der Branche (24%) als entscheidenden Faktor an. Beide Gruppen erkennen aber die Wichtigkeit, das eigene Unternehmen von Grund auf kennenzulernen. Während sich 80% der Nachfolgegeneration eine frühe Einbindung wünscht, so sehen das nur 40% der derzeitigen Führungsgeneration so. Zudem wäre der Nachfolgegeneration eine klare Kommunikation (44%) sowie eine strikte Trennung von Familie und Unternehmen (28%) wichtig. Auch wünscht sich die Nachfolgegeneration gemeinsame Gespräche und einen regelmäßigen Austausch (56%). Bei der aktuellen Führungsgeneration ist das nur 18% wichtig.

Überraschend ist, dass ein sofortigen Rückzug der Vorgängergeneration für 68% der Befragten aus der Nachfolgegeneration nicht in Frage kommt. Lehner: „Wie man bei der Übergabe Konflikte erfolgreich vermeidet, sind sich beide Generationen einig: Was zählt ist eine frühzeitige Einbindung und klare Kommunikation. Während aber nur 38% der aktuellen Führungsgeneration konkrete Aufgabenverteilung als wichtig erachten, so würden sich 48% der Befragten aus der Nachfolgegeneration eine solche wünschen.“

Die aktuelle Studie zeigt deutlich, dass Familienunternehmen vollen Einsatz erfordern. Grund: Das geschäftliche Leben hat großen Einfluss auf das Privatleben der Familienmitglieder. Die Unternehmensagenden haben bei der derzeitigen Führungsgeneration (67%), aber auch bei der Nachfolgegeneration (66%) einen Einfluss auf den Familienalltag.

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