Krisenvorsorge

Die österreichische Bevölkerung setzt auf den Staat, weniger auf Eigenvorsorge – eine gefährliche Illusion.

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© PantherMedia/Boris Zerwann

Ein Großteil der Bevölkerung hat völlig unrealistische Erwartungen in den Staat und gefährdet damit nicht nur sich selbst. Eine aktuelle Studie der Universität Wien belegt einmal mehr, was seit Jahren bekannt ist: „Die österreichische Bevölkerung bringt den staatlichen Einrichtungen großes Vertrauen bei der Krisenvorsorge entgegen und erwartet, dass der Staat selbst in einem akuten Katastrophenfall, wie etwa nach einem europaweiten Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall („Blackout“), die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln, die medizinische Versorgung, die öffentliche Sicherheit sowie die Energie- und Wasserversorgung gewährleisten kann. Nur ein Drittel der Bevölkerung hätte im Katastrophenfall ausreichend Lebensmitteln und Medikamenten für mehrere Wochen vorrätig.“

Doch wie und mit welchen Ressourcen soll der Staat eine hoch arbeitsteilige Logistik im Krisenfall ersetzen können? Wer soll Millionen Menschen versorgen können? Wie im Beitrag „Nach dem Lockdown ein Blackout?“[1] dargestellt, geht es bei einem Blackout, dass binnen der nächsten Monate bis wenigen Jahre zu erwarten ist, nicht nur um einen Stromausfall, sondern um einen völligen Zusammenbruch der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern, welche im besten Fall in der zweiten Woche wieder anlaufen wird können. In vielen Bereichen wird es Wochen und Monate dauern, bis wieder eine halbwegs stabile Versorgung sichergestellt werden kann.

[1] https://top-leader.at/nach-dem-lockdown-ein-blackout/

Viele kleine Einzelstörungen wirken sich massiv auf die globalen Logistikketten aus.

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Dies wird durch zahlreiche aktuelle Beispiele untermauert. So musste etwa am 15. Februar 2021 eine große Chipfabrik in Texas durch eine behördliche Anordnung abgeschaltet werden, um ein Blackout zu verhindern. Der Normalbetrieb konnte erst wieder im Juni hergestellt werden. Vier Monate Wiederanlaufzeit und keine Möglichkeit, den Ausfall aufzuholen, was sich zeitverzögert in vielen Branchen bemerkbar machen wird. In der Autoindustrie gibt es bereits seit Monaten Lieferschwierigkeiten durch Verfügbarkeitsprobleme bei elektronischen Bauteilen. Die Suezkanal-Blockade Ende April 2021 hat ebenfalls massive Folgewirkungen ausgelöst. Viele kleine Einzelstörungen, die sich aber massiv auf die globalen Logistikketten auswirken. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn es in weiten Teilen Europas zu einem chaotischen Ausfall kommen sollte. Dass dann nach wenigen Tagen wieder eine Normalität herrschen wird, ist wohl ausgeschlossen. Wir verdrängen das gerne, weil sich niemand wirklich vorstellen will, was das für unsere moderne Strom- und IT-abhängige Gesellschaft bedeuten würde. Das Problem verschwindet damit nicht. Weder für den Einzelnen noch in Unternehmen oder anderen Organisationen.

Eine wesentliche Voraussetzung, damit wir nach einem solchen Ereignis wieder möglichst rasch eine Grundversorgung aufbauen können ist, dass sich möglichst viele Menschen zumindest zwei Wochen selbst versorgen können, damit die Strukturen wieder anlaufen können. Denn wenn die MitarbeiterInnen zu Hause ein Problem haben, kommen sie nicht in die Arbeit. Ein Teufelskreis, den wir nur durch eine rasche Aufklärung und Vorsorge durchbrechen können. Zugleich wird die Verantwortung im Kreis geschoben und niemand fühlt sich dafür verantwortlich. Doch es geht hier um uns alle und jede und jeder Einzelne von uns trägt eine große Verantwortung. Egal, ob als Einzelperson, Führungskraft oder UnternehmerIn. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Jeder einzelne Schritt ist wichtig. Beginnen wir damit, Dinge kritisch zu hinterfragen und verlassen wir uns nicht weiterhin auf vorgegaukelte Scheinsicherheiten.

Text: Herbert Saurugg, internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV), Autor zahlreicher Fachpublikationen sowie Keynote-Speaker und Interviewpartner zum Thema „ein europaweiter Strom-, Infrastruktur- sowie Versorgungsausfall (‚Blackout‘)“.

Saurugg beschäftigt sich seit rund einem Jahrzehnt mit der steigenden Komplexität und Fragilität lebenswichtiger Infrastrukturen sowie mit möglichen Lösungsansätzen, wie die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wieder robuster und antifragiler gestaltet werden kann. Saurugg betreibt einen umfangreichen Fachblog und unterstützt Gemeinden, Unternehmen und Organisationen bei der Blackout-Vorsorge:
www.saurugg.net

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