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22.11.2021 | 5 min

Konzernbericht zum 3. Quartal 2021 Mayr-Melnhof Karton AG

Strategische Akquisitionen Kwidzyn und Kotkamills im 3. Quartal abgeschlossen. Ergebnis durch Einmaleffekte aus Transformation MM Board & Paper geprägt. Zeitversetzte Weitergabe massiver Inputkosten-Inflation drückt temporär auf Margin. Notwendige Preiserhöhungen werden durchgesetzt. Weiterhin hoher Auftragseingang in beiden Divisionen. Verstärktes Investitionsprogramm in Effizienz und Wachstum auf Plan.

Das Unternehmen hat im 3. Quartal 2021 mit dem Abschluss der Akquisitionen der Karton- und Papierwerke Kwidzyn in Polen und Kotkamills in Finnland eine strukturelle Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
vollzogen und eine attraktive Plattform für weiteres Wachstum bei nachhaltigen und innovativen faserbasierten Verpackungslösungen geschaffen. MM hat mit den Zukäufen im Frischfaserbereich nicht nur
die Position als der führende Karton- und Faltschachtelerzeuger in Europa gefestigt, sondern auch zwei
neue Kernprodukte, Kraftpapiere und ungestrichene Feinpapiere, erworben. Als Teil der Transformation
wurden die beiden kleineren Kartonwerke, Baiersbronn und Eerbeek, veräußert. Darüber hinaus wurde
Ende September restrukturierungsbedingt die Produktion an einem Verpackungsstandort in Deutschland eingestellt. Die Erfolgsrechnung zum 3. Quartal beinhaltet daher wie erwartet eine Reihe von
Einmaleffekten.

Im laufenden Geschäft der ersten drei Quartale 2021 stand einer anhaltend starken Nachfrage nach Kartonverpackungen und Papieren und damit hoher Auslastung in beiden Divisionen ein in Vehemenz bisher einzigartiger Anstieg bei Rohstoff- und Energiekosten gegenüber. Die in den ersten neun Monaten
realisierten Preiserhöhungen konnten den fortdauernden Kostenanstieg bisher nicht ausgleichen. Daher
wurde, wo möglich, für das vierte Quartal eine neuerliche Kartonpreiserhöhung fixiert und ein weiterer
Preisschritt für alle Kartonsorten ab Jahresbeginn 2022 angekündigt.
Die Erhöhung des betrieblichen Konzernergebnisses der ersten drei Quartale 2021 um 4,7 % resultiert
im Wesentlichen aus Einmaleffekten im Bereich MM Board & Paper, während MM Packaging eine recht
robuste laufende Entwicklung verzeichnete.

Zielsetzung für die kommenden Monate ist es, den anhaltenden Kostenanstieg bei Rohstoffen und Energie durch weitere Preisanpassungen und strukturelle Kostensenkungen zu kompensieren, um bei den
Margen wieder aufzuholen.

Gewinn- und Verlustrechnung

Die konsolidierten Umsatzerlöse des Konzerns erhöhten sich im Wesentlichen akquisitionsbedingt um
10,7 % bzw. 203,6 Mio. EUR auf 2.107,1 Mio. EUR (Q1-3 2020: 1.903,5 Mio. EUR).
Mit 177,2 Mio. EUR lag das betriebliche Ergebnis um 4,7 % über dem Vorjahreswert (Q1-3 2020:
169,3 Mio. EUR). Die ersten drei Quartale enthalten Einmalaufwendungen in Höhe von 58,0 Mio. EUR:
Aus der Erstkonsolidierung der Werke Kwidzyn und Kotkamills 31,9 Mio. EUR, welche insbesondere auf
Akquisitionsnebenkosten inklusive Transaktionssteuern sowie Aktivierung von Auftragsständen und die
Vorratsbewertung zurückzuführen sind; und in der Division MM Packaging 26,1 Mio. EUR Restrukturierungskosten. Dem steht ein vorläufiger Einmalertrag aus dem Verkauf der Werke Eerbeek und Baiersbronn in Höhe von 50,1 Mio. EUR gegenüber. Die Operating Margin des Konzerns betrug somit 8,4 % (Q1-3 2020: 8,9 %).

Finanzerträge beliefen sich auf 1,9 Mio. EUR (Q1-3 2020: 1,0 Mio. EUR). Der Anstieg der Finanzaufwendungen von -5,4 Mio. EUR auf -16,8 Mio. EUR resultiert vor allem aus der Aufnahme von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen zur Finanzierung der Akquisitionen und organischer
Wachstumsprojekte. Das „Sonstige Finanzergebnis – netto“ veränderte sich insbesondere fremdwährungsbedingt von -4,2 Mio. EUR auf 0,1 Mio. EUR.

Mit 162,4 Mio. EUR lag das Ergebnis vor Steuern leicht über dem Vorjahr (Q1-3 2020: 160,6 Mio. EUR).
Die Steuern vom Einkommen und Ertrag beliefen sich auf 34,0 Mio. EUR (Q1-3 2020: 44,3 Mio. EUR), woraus
sich ein effektiver Konzernsteuersatz von 20,9 % (Q1-3 2020: 27,6 %) ermittelt. Die Reduktion gegenüber
dem Vorjahr ist vor allem auf steuerfreie Erträge aus den Unternehmensverkäufen zurückzuführen.
Der Periodenüberschuss erhöhte sich demnach von 116,3 Mio. EUR auf 128,4 Mio. EUR und der Gewinn je Aktie von 5,78 EUR auf 6,37 EUR

Vermögen, Kapitalausstattung, Liquidität

Das Gesamtvermögen des Konzerns lag per 30. September 2021 mit 3.904,3 Mio. EUR um 1.504,7 Mio. EUR
über dem Vergleichswert zum 31. Dezember 2020 (2.399,6 Mio. EUR). Diese Zunahme resultiert im Wesentlichen aus der Erstkonsolidierung der Neuakquisitionen. Das Konzerneigenkapital stieg ergebnisbedingt von 1.547,1 Mio. EUR auf 1.606,9 Mio. EUR.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Kaufpreisallokation aus den Akquisitionen zum Veröffentlichungstermin dieses Berichtes noch nicht abgeschlossen ist und die Werte damit vorläufigen Charakter haben.
Weitere Konsolidierungsdetails sind für die Folgeberichterstattung zum Jahresende vorgesehen.
Die Finanzverbindlichkeiten haben großteils langfristigen Charakter und erhöhten sich von 268,4 Mio. EUR
zum Ultimo des Vorjahres auf 1.414,9 Mio. EUR per 30. September 2021. Diese Zunahme ergibt sich
insbesondere aus der Aufnahme von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen in Höhe
von 1.125,0 Mio. EUR. Bei Zahlungsmitteln des Konzern in Höhe von 358,0 Mio. EUR (31. Dezember 2020:
146,2 Mio. EUR) stieg die Nettoverschuldung somit auf 1.056,8 Mio. EUR (31. Dezember 2020:
122,2 Mio. EUR). Mit einer Eigenkapitalquote von 41,2 % (31. Dezember 2020: 64,5 %) bleibt die
MM Gruppe weiter solide finanziert.
Die langfristigen Vermögenswerte erhöhten sich vor allem akquisitionsbedingt von 1.397,9 Mio. EUR auf
2.380,5 Mio. EUR. Analog verzeichneten auch die kurzfristigen Vermögenswerte einen Anstieg gegenüber dem Jahresende 2020 von 1.001,7 Mio. EUR auf 1.523,8 Mio. EUR.

Cash Flow Entwicklung

Der Cash Flow aus der Geschäftstätigkeit belief sich auf 165,8 Mio. EUR nach 223,7 Mio. EUR in den
ersten drei Quartalen des Vorjahres. Diese Differenz resultiert vor allem aus dem niedrigeren cashwirksamen Ergebnis.
Der Cash Flow aus der Investitionstätigkeit lag bei -806,0 Mio. EUR nach -99,4 Mio. EUR. Diese Veränderung stammt im Wesentlichen aus der Bezahlung der vorläufigen Kaufpreise für den Erwerb der Werke
Kwidzyn und Kotkamills in Höhe von rund 872,0 Mio. EUR, welchen Einzahlungen aus dem Verkauf der
Werke Eerbeek und Baiersbronn in Höhe von vorläufig rund 151,8 Mio. EUR gegenüberstanden. Auszahlungen für den Erwerb von Sachanlagen und immateriellen Vermögenswerten betrugen 185,9 Mio. EUR
nach 107,7 Mio. EUR. Investitionsschwerpunkte betrafen in beiden Divisionen technologische Modernisierungen sowie Erweiterungen.
Der Cash Flow aus der Finanzierungstätigkeit veränderte sich vor allem infolge der Aufnahme von Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen im 1. und 3. Quartal 2021 von -126,7 Mio. EUR auf
851,3 Mio. EUR.

Verlauf des 3. Quartals

Neben den strukturellen Veränderungen bei MM Board & Paper kennzeichneten stark steigende Inputkosten, die über höhere Verkaufspreise nur teilweise kompensiert werden konnten, die Entwicklung im 3. Quartal 2021. Die konsolidierten Umsatzerlöse lagen mit 817,5 Mio. EUR vor allem akquisitionsbedingt über dem
Wert des Vorquartals (648,3 Mio. EUR) wie auch dem Vorjahresniveau (Q3 2020: 637,0 Mio. EUR).
Das betriebliche Ergebnis des Konzerns erreichte 85,1 Mio. EUR nach 30,9 Mio. EUR im 2. Quartal 2021
und 46,8 Mio. EUR im 3. Quartal des Vorjahres. Dem vorläufigen Ertrag aus dem Verkauf der Werke
Eerbeek und Baiersbronn in Höhe von 50,1 Mio. EUR standen Einmalaufwendungen aus der Akquisition
der Werke Kwidzyn und Kotkamills in Höhe von 31,9 Mio. EUR gegenüber. Die Operating Margin des
Konzerns betrug damit 10,4 % (Q2 2021: 4,8 %; Q3 2020: 7,3 %). Der Periodenüberschuss belief sich auf
66,2 Mio. EUR (Q2 2021: 18,3 Mio. EUR; Q3 2020: 31,4 Mio. EUR).
Die Kapazitätsauslastung der Division MM Board & Paper lag im 3. Quartal mit 95 % vor allem aufgrund
der geplanten jährlichen Wartungsstillstände bei Kwidzyn und Kotkamills niedriger als im Vorquartal
(Q2 2021: 99 %; Q3 2020: 95 %). Bedingt durch Einmalerlöse erhöhte sich die Operating Margin der Division auf 9,5 % (Q2 2021: 4,6 %; Q3 2020: 3,5 %).
MM Packaging schloss mit einer Operating Margin von 10,4 % an den Wert im 1. Quartal 2021 an und
lag damit auch über dem durch Restrukturierungsaufwendungen belasteten Wert zum 2. Quartal in
Höhe von 4,5 %, sowie dem Vorjahresniveau (Q3 2020: 9,3 %).

Ausblick

Nachfrage und Auftragslage zeigen sich für beide Divisionen weiterhin in guter Verfassung. Angesichts
bestehender Kapazitätsbeschränkungen kann das Absatzvolumen aktuell aber nur geringfügig steigen.
Die zuletzt in mehreren Werken von MM Packaging in Angriff genommenen Erweiterungen werden jedoch ab Anfang nächsten Jahres schrittweise mehr Geschäft ermöglichen. Bei MM Board & Paper, wo der Investitionsschwerpunkt auf Effizienzsteigerungen und Optimierung des Produktportfolios liegt, werden die expansiven Effekte erst ab 2023 sukzessive zum Tragen kommen.
Angesichts der anhaltenden Kosteninflation bei Rohstoffen und Energie bleibt der Fokus darauf gerichtet, die Belastung durch möglichst zeitnahe Erhöhung der Verkaufspreise und strukturelle Kostensenkungen zu kompensieren, um bei den Margen wieder aufzuholen. Nachdem MM Board & Paper, wo möglich, eine neuerliche Kartonpreiserhöhung für das vierte Quartal fixiert hat, wurde für den Jahresbeginn 2022 eine weitere Preiserhöhung für Karton und Papier angekündigt. Steigende Karton- und Papierpreise bedeuten im Gegenzug neuerliche Kostenbelastungen für MM Packaging, welche erst zeitversetzt weitergegeben werden können.
Die operative Performance der neu erworbenen Werke Kwidzyn und Kotkamills entspricht den Erwartungen. Ähnlich wie in der gesamten MM Board & Paper Division wird die Profitabilität im 4. Quartal vor allem durch die außergewöhnlichen Energiepreissteigerungen und verzögerte Weitergabe bei den
Verkaufspreisen belastet.

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