„Keiner hat aufgegeben“

Exklusiv-Interview mit Benedikt Föger, Verlagsleiter des Czernin Verlags, der vom Vorstand des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels (HVB) erneut einstimmig als Präsident bestätigt wurde.

Lesezeit: ca. 5 min

© Katharina F. Rossboth

Benedikt Föger, Präsident HVB

Am 6. Mai wurde Verleger Benedikt Föger, der seit 2014 als Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels (HVB) firmiert, für die kommenden drei Jahre erneut in seiner Führungsrolle bestätigt. Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels vertritt seit 1859 die Interessen der BuchhändlerInnen, VerlegerInnen, Auslieferer, VerlagsvertreterInnen und Antiquare im In- und Ausland.

Wie er das seit Jahren in gefahrvollen Wassern schlingernde Schiff des österreichischen Buchhandels, das durch Corona noch eine zusätzliche Breitseite abbekam, wieder auf Erfolgskurs bringen will, verrät er hier exklusiv im TOP LEADER-Interview.

Lieber Herr Föger, Anfang Mai hat der Vorstand des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels sie erneut einstimmig als Präsident bestätigt. Sie blicken auf drei turbulente Jahre zurück. Was waren die größten Herausforderungen abseits der Pandemie, die der Buchhandel zu meistern hatte?

National wie international hat sich der HVB um die Anliegen seiner UnternehmerInnen bemüht, vor allem bei der Durchsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie und bei der Umsetzung der ermäßigten Mehrwertsteuersätze auf E- & Audio-Books bewies sich die starke HVB-Interessenvertretung. Besonders betroffen war die Branche von zwei Insolvenzen bei Auslieferungsunternehmen. Mit der Groß-Insolvenz von KNV in Deutschland, aber auch mit der kurz davor insolvent gewordenen österreichischen Auslieferung Hain waren gewaltige Herausforderungen zu meistern. Nahezu alle Teilnehmer an der Buchbranche mussten sich neu orientieren, nicht nur in Österreich, auch in Deutschland und der Schweiz. Generell ist aber zu sagen, dass die Buchbranche in ihrer Entwicklung dennoch stabil geblieben ist.

Stichwort Corona: Wie sehen die Umsatzzahlen des heimischen Buchmarkts nach dem zweiten Lockdown aus? Wie ist der österreichische Buchhandel im Jahr 2020 durch die Krise gekommen? Und was kommen jetzt nach dem zweiten Lockdown für Herausforderungen auf die Buchbranche zu?

Der Buchhandel hat auch während der Lockdowns immer relativ gut funktioniert. Durch engagierte HändlerInnen, die den Spielraum mit click & collect nutzten, die über Ihre Websites Präsenz zeigten und die schon immer durch eigenständige Kundenansprache ihre Stammkunden gut betreuten und sogar Neue gefunden haben. Dabei hat sicher auch die umfassende Kommunikation des HVB eine wichtige Rolle gespielt, es ist uns sehr gut gelungen die Buchbranche in der Berichterstattung medial zu platzieren. Aber dennoch bleibt für das Jahr 2020 ein Minus von total -4,5%. Aktuell ziehen die Zahlen wieder an, wir liegen im Vergleich Jänner-April 2020 vs. 2021 um +9% vorne, aber durch die unterschiedlichen Lockdowns und die damit verbundenen Regeln ist eine Vergleichbarkeit sehr schwierig. Das Wichtigste wird sein, das Kulturgut Buch – auch wenn jetzt wieder alle Kunst- und Kulturgattungen durchstarten – weiterhin hochzuhalten, für Begegnungszonen der AutorInnen mit den LeserInnen zu sorgen und aktuelle Verlags-Neuerscheinungen zu platzieren.

Könnte es sein, dass der großflächige Shut-Down des kulturellen Lebens, der Festivals, Messen, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, mittelfristig für den Buchhandel sogar ein Segen sein könnte, weil er dem Buch – aus Mangel an Alternativen – wieder neue Leserkreise erschließt? Anders gefragt: Geht das Kulturgut Buch als wichtigstes Medium der Welt- und Sinnerfahrung in ein, zwei Jahren vielleicht sogar gestärkt aus der Krise hervor?

Ja, das Buch war und ist zu allen Zeiten konsumierbar. Das war ein Vorteil gegenüber geschlossenen Kultureinrichtungen. Diese Sichtbarkeit beizubehalten und nun auch wieder mit öffentlichen Auftritten bei Buchmessen, Lesungen, Preisverleihungen, Buchpräsentationen, AutorInnenbegegnungen für verstärkte Interaktionen zu sorgen, ist eine Chance das vorhandene Interesse weiter zu steigern. Wir dürfen nur nicht den Fehler machen, uns darauf zu verlassen, ohne selbst nicht ständig Beiträge für die Visibilität von Büchern zu leisten.

© PantherMedia/Federico Caputo

Wo sehen Sie die Stärken des österreichischen Buchmarkts im Vergleich zum großen Nachbarn?

In der Vielfalt der Verlagsszene und im Können der österreichischen VerlegerInnen immer wieder neue AutorInnen zu entdecken und zu platzieren. Da hilft dann die gemeinsame Sprache, da sich der Markt für uns alle vergrößert. Aber genauso haben wir natürlich eine Vielzahl deutscher Bestseller in den Regalen der heimischen Buchhändler, daher braucht es ständigen Kontakt zwischen Verlagen und BuchhändlerInnen und vor allem auch eigenständige Inszenierungen für heimische Bücher, wie sie sie der HVB mit der BUCH WIEN oder auch der Ausrichtung von vielen österreichischen Buchpreisen projektiert.

Wie gehen Verleger, Buchhändler und Autoren mit der aktuellen Situation um? Gibt es Konzepte, die sich bewährt haben?

Ich nehme ein positives Stimmungsbild wahr. Man merkt, dass die Branche geschlossen agiert, und dass der Buchverkauf und die Buchpräsenz funktioniert haben. Als generelles Konzept, das sich bewährt hat, sehe ich den digitalen Zugang, den die Branche gerade jetzt für sich neu entdeckt hat. Gleichgültig ob es verbesserte Online-Präsenzen, -Bestellmöglichkeiten oder -bewerbungen waren. Wir sind gemeinsam sicher ein Stück digital fitter geworden.

Im Vergleich zu anderen Branchen: Wie gut hat sich die Buchbranche in der Krise geschlagen?

Aus meiner Sicht sehr gut. Durch nachhaltige mediale Präsenz und individuelle Konzepte der Krisenbewältigung. Keiner hat aufgegeben, wir sind zueinander gestanden und haben geschlossen – aber nach außen hin offen – als Branche Stärke bewiesen.

Reduktion der Mehrwertsteuer von 10% auf 5% auf Bücher und e-Books/Audio-Books

© PantherMedia/Thomas Hertwig

Inwiefern hat der Staat die österreichische Buchbranche in der Krise unterstützt?

Sehr. Zusätzlich zu den allgemeinen staatlichen Hilfen, die für alle UnternehmerInnen und somit auch die Buchbranche zur Verfügung standen, konnten wir eigene Maßnahmen mit dem BMKOES umsetzen. Die erhöhte Verlagsförderung auf 3 Mio. Euro, die Reduktion der Mehrwertsteuer von 10% auf 5% auf Bücher und e-Books/Audio-Books, eine eigene Digitalförderung für die Buchbranche, die großartige Chance Gastland zu sein auf der Leipziger Buchmesse 2023 und damit einen gelungenen Neustart hinzulegen – wir sind in sehr gutem Kontakt mit Frau Staatssekretärin Andrea Mayer und Ihrem Team und finden Gehör für unsere Anliegen.

Wie ging die Branche mit dem Wegfall der großen Buchmessen und Einzelveranstaltungen seit Beginn der Pandemie um? 

Die Leipziger Buchmesse konnte ja jetzt schon zweimal nicht stattfinden. 

Wie würde es die Branche verkraften, wenn im Herbst auch die Frankfurter Buchmesse wieder Opfer des Virus wird?

Es ist zu früh, um darüber zu spekulieren. Wir können alle nicht abschätzen, was im Herbst noch auf uns zukommen wird. Dazu kommt, dass die Länder Deutschland und Österreich teilweise auch sehr unterschiedlich mit ihren Maßnahmen umgehen. Die Frankfurter Buchmesse ist die größte internationale Messe in unserer Branche und damit verbunden mit einer enormen Reisetätigkeit der Teilnehmer, Aussteller und Besucher. Wir haben es mit der vom HVB veranstalteten BUCH WIEN in der Planung wesentlich einfacher, da wir national agieren, auch wenn wir natürlich auch Aussteller aus anderen Ländern haben.

Gibt es vielversprechende digitale Konzepte, um erneute Umsatzausfälle im Einzelhandel durch weitere Lockdowns zu kompensieren?

Es gibt nicht das eine digitale Wunderkonzept, mit dem man nun unbeschadet durch alle Krisen kommt. Es ist die Summe der einzelnen Maßnahmen, die für jeden individuell funktionieren können. Bei dem einen ist es der neue Webshop, beim anderen ein Newsletter-System und beim nächsten ein Streaming-Projekt. Wichtig ist und bleibt die Kundennähe und „Digital“ als Mittel zum Zweck zu verstehen und zu verwenden.

Was haben Sie sich als Präsident des Hauptverbands für das nächste halbe Jahr zum Ziel gesetzt?

Bücher brauchen Sichtbarkeit und die gilt es gemeinsam umzusetzen. Daher stehen in den nächsten sechs Monaten vor allem die erfolgreiche Planung für die Durchführung des Projektes Gastland Leipzig und die Weiterentwicklung der BUCH WIEN, Österreichs größter Literatur-Veranstaltung, ganz oben auf meiner Agenda.

Wie würden Sie Ihr Leadership beschreiben?

Dem Team einen gemeinsamen Weg vorzeigen und auch nachvollziehbar machen.

Was empfehlen Sie jemandem, der in die Buchbranche einsteigen will?

Im Buchhandel eine Lehre, im Verlagswesen möglichst viele Praktika. In beiden Fällen Fortbildungsveranstaltungen beim Hauptverband besuchen.

Was „gönnen“ Sie Ihren Mitarbeitern?

Ein vertrauensvolles und sicheres Arbeitsumfeld, das von gegenseitigem Respekt getragen ist.

Was inspiriert und was entspannt Sie?

Meine Familie.

Was lesen Sie im Bett? Und auf der einsamen Insel?

Zurzeit „Der Fallmeister“ von Christoph Ransmayr, im Bett jedenfalls nur Literatur anderer Verlage. Auf die Insel würde ich Gedichte mitnehmen, weil man die immer wieder lesen und neu entdecken kann.

Sie können EIN Weltproblem lösen – welches wäre das?

Soziale Gerechtigkeit herstellen.

Der Verleger Albert Eibl vom DVB-Verlag in seinem Büro

© Nini Tschavoll

Das Interview führte Albert C. Eibl, Inhaber und Geschäftsführer des Wiener Verlags Das vergessene Buch, der sich auf die Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Klassiker der deutschsprachigen Literatur spezialisiert hat. Zuletzt in seinem Verlag erschienen: Der im Juli 2020 zum Österreichbesteller avancierte Weltwirtschaftskrimi „Leben verboten!“ von Maria Lazar sowie Carl Laszlos lange verschollene Auschwitzmemoiren „Ferien am Waldsee“ von 1955. Mehr Infos zum aktuellen Verlagsprogramm unter: www.dvb-verlag.at

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