Immerhin: Gute Vorsätze

Während der Wintertagung des Ökosozialen Forums wurden „blinde Flecken aus dem Green Deal entfernt“ – zunächst einmal rhetorisch.

Lesezeit: ca. 3 min

© PantherMedia/DLeonis

Die Corona-Pandemie mit geschlossenen Grenzen und leeren Supermarktregalen hat klar vor Augen geführt, wie wichtig die Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist. Die Menschen haben gesehen: Die Landwirtschaft ist nicht nur systemrelevant, sie ist relevant für das Überleben. Denn die Supermärkte stellen zwar Regale auf, aber mit frischen regionalen Lebensmitteln füllen diese die Bäuerinnen und Bauern.

© PantherMedia/gpointstudio

Die 68. Wintertagung des Ökosozialen Forums Ende Jänner war die größte Diskussionsveranstaltung der österreichischen Agrarbranche. Heuer diskutierten die Experten zum Thema „Gemeinsam is(s)t man besser. Gemeinsam aus der Krise lernen. Gemeinsam zukunftsfit werden.“ die Folgen von Covid-19 sowie Chancen und Zukunftsperspektiven für die Bäuerinnen und Bauern. Dass das Thema der heurigen Wintertagung des Ökosoziales Forums u.a. mit FAO-Generaldirektor Qu Dongyu, EU-Kommissar Johannes Hahn und der deutschen Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, den Nerv der Zeit traf, zeigten die Anmeldungen: Mit 7.000 Teilnehmern gab es einen neuen Rekord.

Präsident des Ökosozialen Forums Österreich & Europa, Stephan Pernkopf.

© Philipp Monihart

Green Deal darf Feuer im Amazonas nicht anheizen

„Europa muss jederzeit und ganz besonders in der Krise in der Lage sein, sich selbst zu versorgen“, forderte der Präsident des Ökosozialen Forums Österreich & Europa, Stephan Pernkopf. „Die Corona-Pandemie ist dabei ein Game Changer für die heimische Landwirtschaft. Sie zeigt uns klar, dass wir die Lebensmittelversorgung am eigenen Kontinent sichern und als Teil der strategischen Autonomie Europas erhalten müssen.“

So sei der Green Deal der Europäischen Kommission zwar prinzipiell zu begrüßen, da bei der Lösungssuche die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet wird. „Aber der Green Deal, der nun am Tisch liegt, verkennt die Zeichen der Zeit“, kritisierte Pernkopf. „Er ist ein Deal aus der alten Welt vor Corona, macht unsere Volkswirtschaft verwundbar und schwächt unsere Selbstversorgung. Denn unter diesem grünen Deckmantel versucht besonders der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, die Stilllegung von landwirtschaftlichen Flächen zu erreichen.“

Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans.

© Europäische Union, 2020/Dati Bendo

So würden laut Berechnungen des US-Landwirtschaftsministeriums die Produktion um zwölf Prozent und die landwirtschaftlichen Einkommen für die europäischen Bauern gar um 16 Prozent sinken. Flächen still zu legen, gefährdet damit die bäuerlichen Betriebe und die Selbstversorgung mit Lebensmitteln, erhöht die Abhängigkeit von anderen Ländern und erhöht den Hunger auf der Welt.

Zudem wird nirgendwo so umweltgerecht produziert wie in Europa. Pernkopf nennt mehrstöckige Schweinefarmen in China mit 150.000 Tieren oder das Niederbrennen von Regenwäldern für Palmöl und Rinderfarmen als Negativbeispiele, wie außerhalb Europas produziert wird. Die steigenden Importe aus diesen Ländern würden den Green Deal samt Farm to Fork- und Biodiversitätsstrategie zur Sackgasse machen. Pernkopf: „Wir hätten zwar Blühstreifen von Portugal bis Lettland, aber dafür kommen unsere Lebensmittel aus Südamerika. Dieser Deal würde das Feuer im Amazonas weiter anheizen. Diese falsch verstandene Blühstreifenpolitik darf nicht am Ende zu mehr Kondensstreifen führen. Erdbeeren und Rindfleisch müssen nicht fliegen.“

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

© Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Nachhaltige Investierung

Die Farm to Fork-Strategie habe ihren Namen eigentlich nicht verdient, stellte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger klar. „Eine Strategie, die Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette vorschlägt, kann nicht ohne eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auskommen. Kurze Transportwege sind das erste, an das man denkt, wenn man vom Acker bis zum Teller hört. Unsere Bauern produzieren aber auch unter höheren Klima- und Umweltstandards und regionaler Qualität. Das muss für die Konsumenten auch transparent erkennbar sein. Unsere Bauern liefern, was wir täglich brauchen.“

Die österreichische Landwirtschaft hat das in der Corona-Krise eindrucksvoll bewiesen: Sie sichert die Lebensmittelversorgung und deckt damit den Tisch. Köstinger: „Wir müssen den Weg der Selbstversorgung immer gemeinsam mit den Bauern gehen. Billigimporten durch Freihandelsabkommen wie Mercosur darf niemals der Vorzug gegenüber der heimischen Produktion gegeben werden. Es braucht ein klares Bekenntnis gegen unfaire Freihandelsabkommen und Lebensmittel, die über den halben Erdball transportiert werden.“

© PantherMedia/Elmar Gubisch

Das Ökosoziale Forum forderte ein Umdenken und das Modell der nachhaltigen Intensivierung, das sich in Österreich bewährt hat. Pernkopf: „Nachhaltige Intensivierung bringt Produktion und Natur in Einklang und sichert das Einkommen für die Bauern, die damit nachhaltig agieren können. Das ist der ökosoziale Gedanke: Arbeit schaffen, Wirtschaft stützen und gleichzeitig die Umwelt schützen.“ Und noch einmal Köstinger: „Die Corona-Krise hat uns allen vor Augen geführt, wie wichtig die Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln ist. Unser Weg, bei der Lebensmittelversorgung auf Familienbetriebe und nicht auf die Agrarindustrie zu setzen, war und ist der einzig richtige. Was es daher in Zukunft für die Versorgungssicherung braucht, sind unsere kleinen Strukturen. Nur wenn wir die Wertschätzung für die harte Arbeit der Bauern erhöhen, werden diese auch eine Zukunft in der Landwirtschaft sehen. Wir brauchen daher den Schritt von einer Wertschöpfungs- hin zu einer Wertschätzungskette.“

Bleibt zu hoffen, dass aus den guten Vorsätzen auch konkrete Verbesserungen werden …

News

E-Fuels statt höherer Steuern für Verbrennungs-Motoren

Nachhaltige Kraftstoffe ermöglichen den CO2-neutralen Betrieb von Verbrennungsmotoren. Nur auf E-Mobilität zu setzen und für Motoren massiv Steuern zu erhöhen, sei weder zielführend noch sozial gerecht, so die Experten.

Lesezeit: ca. 2 min

© VBV/Tanzer

Was sich 3.000 Führungskräfte für den Standort wünschen

Familienfreundliche Rahmenbedingungen haben für den Wirtschaftsstandort höchste Priorität, Bildung und Ausbildung Richtung Ökologie müssen gefördert werden.

Lesezeit: ca. 2 min

Innovation für ein gesundes Leben

Österreichische Top-Unternehmen gründen einen regionalen Innovationshub unter dem Dach von EIT Health, dem größten europäischen Gesundheitsnetzwerk.

Lesezeit: ca. 4 min

© Microsoft

Internationale Studie unter Führungskräften zeigt: In Krisensituationen hilft digitale Einsatzbereitschaft

Die Corona-Pandemie sorgt in Unternehmen weltweit für stärkere Konzentration auf das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen und auf gesellschaftlich relevante Themen

Lesezeit: ca. 4 min

© Renault Communications

RENAULT PRÄSENTIERT NEUE CSR-STRATEGIE – GESELLSCHAFTLICHE UND SOZIALE VERANTWORTUNG IM FOKUS

Auf ihrer Hauptversammlung am 23. April hat die Renault Group ihre neue CSR-Strategie (CSR = Corporate Social Responsibility) vorgestellt. Sie ist Teil des Strategieplans Renaulution und fußt auf drei Säulen: Ökologischer Wandel, Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern sowie Inklusion. Mit klar definierten Zielen und konkreten Aktionsplänen will das Unternehmen seine gesellschaftliche und soziale Verantwortung weiter stärken.

Lesezeit: ca. 4 min

© PantherMedia/majorosl66

Tourismus-Comeback: Marketing-Kampagnen starten wieder

47 Prozent der einen Urlaub Planenden aus Österreich und gleich 60 Prozent aus Deutschland wollen so bald wie möglich eine längere Reise von mehr als fünf Tagen unternehmen.

Lesezeit: ca. 2 min

© PantherMedia/DedMityay

Verkehrsmanagement in Buenos Aires mit Austro-Technik

Der Transportsektor ist weltweit der am schnellsten wachsende Emittent klimaschädlicher Treibhausgase mit einem Anteil von rund 25 Prozent des globalen CO2- Ausstoßes.

Lesezeit: ca. 2 min

© RLB NÖ-Wien/Karin Steppan

Windkraft ist in Österreich bisher nur ein Lüfterl

Weltweit wurde 2020 so viel Windkraftleistung errichtet wie nie zuvor. „Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz könnte bei uns ein Windkraft-Turbo sein“, ist Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, überzeugt.

Lesezeit: ca. 2 min

TOP LEADER Premium-News, kostenlos abonnieren!

Jetzt registrieren