Ich schaffe das!

Egal, wie hart die Zeiten sind: Ziele sind dafür da, um erreicht zu werden. Leichter fällt es mit diesen sechs Ansätzen.

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ich kann es, wortgemachte Magnete

Unternehmer wissen genau, wie man sich Ziele steckt. Und auch, wie man sie erreicht. Doch nach einem Jahr Pandemie zeigen sich auch bei manchem Fels in der Brandung erste Zeichen der Zermürbung. Der Wille ist ja da, aber die Kraft lässt nach. Hier sind sechs Ansätze, wie man wieder in die Spur kommt – oder sie gleich gar nicht verliert. Der erste Ansatz ist, sich mit motivierenden Menschen zu umgeben. Mit Florian Gschwandtner etwa, Start-up-Legende und telegener Investor. Im Interview sprüht er vor Energie. „Alles geht in deinem Kopf los“, stürmt er los. Das distanzierende „Sie“ hat er sofort abgeschüttelt. „Es geht um deine Grundeinstellung. Egal, wie betroffen du von der Krise bist, deine Einstellung muss sein: Ich bin vorne mit dabei, sobald es wieder aufwärtsgeht!“

Gschwandtner, der Motivationscoach? Man nimmt es ihm ab. Schon schießt er Zahlen, Daten, Fakten nach, denen zufolge der Krise ein großer Aufschwung folgen wird, weshalb „du jetzt um 30 Prozent besser sein musst als dein Mitbewerb, damit du ready bist, wenn es wieder nach oben geht“. Wenn Motivation das aktive Streben des Menschen nach seinen Zielen ist, ist Jammern und Wehklagen das genaue Gegenteil: „Diese Einstellung, ich bin ein Opfer, die Welt ist gegen mich.“ Ihr kann er gar nichts abgewinnen: „Wenn ich ins Ausland schaue, gibt es außer in Deutschland nirgends so viel Denk nicht, der Staat muss sich um dich kümmern – kümmere dich selbst. Florian Gschwandtner, Investor Unterstützung wie in Österreich. Kurzarbeit, Stundungen, Härtefallfonds, Fixkostenzuschuss … Ich kenne Gastronomen, die sagen, sie haben noch nie so gut verdient wie im November mit dem Umsatzersatz.“ Jetzt zitiert er John F. Kennedy: „Frag’ nicht, was dein Land für dich tun kann, frag’, was du für dein Land tun kannst.“ In Gschwandtners Übersetzung: „Denk nicht, der Staat muss sich um dich kümmern – kümmere dich selbst!“

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WISSEN, WARUM MAN ETWAS TUT

Wie das geht, hat Gschwandtner längst erarbeitet. Eben gründete er zusammen mit Thomas Kleindessner, seinem Leiter des Produktteams bei runtastic, ein Start-up. „Leaders21“ heißt es und hat den ehrgeizigen Anspruch, einen neuen Leadership-Stil in Unternehmen zu etablieren. Das Beste aus allen Welten verspricht er, einen Mix aus traditioneller Führung von Peter Drucker bis John P. Kotter und modernen agilen Methoden. Damit sind wir beim zweiten Ansatz angekommen, wie Menschen ihre Ziele erreichen. Hier kommen Simon Sinek und sein Golden Circle ins Spiel. Ihm zufolge braucht alles ein Warum. Warum gibt es unser Unternehmen? Warum machen wir das, was wir machen? Warum strengen wir uns jetzt an? Aus dem Warum folgt das Wie, aus dem Wie folgt das Was. Wenn alle Mitarbeiter wissen, wofür das Unternehmen steht, muss man ihnen nur noch sagen, was man als Nächstes vorhat. Wie man dorthin gelangt, kann ihnen überlassen werden. Sie werden das Richtige tun. Man erinnere sich an die „Herr der Ringe“-Trilogie: Sie wäre eine öde Aneinanderreihung sinnbefreiter Schlachtszenen, würde nicht alle dieselbe Mission einen – das Vernichten des bösen Rings.

Doch üblicherweise wird diese Kausalität falsch herum aufgezogen: Erst sagen wir den Mitarbeitern, was sie tun sollen, dann sagen wir ihnen, wie sie es tun sollen, und wenn sie Glück haben, sagen wir ihnen danach auch, warum. Auf den einzelnen Unternehmer umgelegt, der sich am eigenen Schopf aus der Krise ziehen will: Warum will ich das eigentlich? Was, außer das wirtschaftliche Überleben, treibt mich an? Welchen Sinn hat mein Tun? Erst wenn das geklärt ist, kommen Ziele ins Spiel. Gschwandtner setzt hier auf Objectives & Key Results (OKR). Objectives, also Ziele, sind hier keine leblosen Kennzahlen, sondern inspirierende Karotten, die alle Teams gemeinsam erreichen wollen. Ergebnisse, also Key Results, sind jene Maßnahmen, die sich die Teams selbst ausdenken, um die großen Objectives zu erreichen und natürlich untereinander abzustimmen.

Gschwandtner illustriert das anhand des Launches von Leaders21: „Wir haben im November festgelegt, dass wir am 4. Februar launchen wollen. Das, Objective lautete: Go life and be relevant!“ Die passenden Key Results erarbeitete jedes Team für sich. Das der Marketingtruppe lautete: „50 Medien anschreiben, alle medialen Inhalte aufbereiten, Fotoshooting erledigen, Blog-Artikel schreiben, allen Social- Media-Plattformen Content liefern.“ Nun, dieses Interview kann Gschwandtner abhaken.

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MINDSET: BLOSS NICHT STILLSTEHEN

Sich Ziele zu stecken ist eines – sie auch zu erreichen, etwas ganz anderes. Womit wir beim dritten Ansatz sind, dem Mindset. Diese Denk- und Handlungslogik von Menschen wie auch von Organisationen bestimmt, wie wir etwas wahrnehmen, interpretieren, kommunizieren und welche Entscheidungen wir daraus ableiten. Es gibt kein Richtig oder Falsch, ein Mindset kann in einem Kontext passen und im nächsten nicht. Dazu gibt es einen kurzen Test. Welcher Satz geht Ihnen leichter über die Lippen? „Du bist eben schlau“ oder „Du hast dich richtig gut entwickelt“? Laut Stanford-Professorin Carol Dweck lässt der erste Satz auf ein statisches Mindset schließen: Jeder ist, wie er ist, und bleibt auch so. Der zweite Satz geht davon aus, dass jeder Mensch sich entwickeln und verändern kann, wenn er nur will. Das ist das dynamische Mindset. Dass man darüber nicht zum Fähnchen im Wind wird, dafür sorgt Immanuel Kants Kategorischer Imperativ: Handle immer so, dass man daraus ein allgemeingültiges Gesetz ableiten könnte. Anders gesagt: Bleib sauber.

QUICK WINS: DIE FREUDE AM SCHNELLEN ERFOLG

Jetzt wird es praktisch. Dazu machen wir einen Sprung in die Steiermark. Dort weiß Jasmin Überbacher, 200 harte Männer gut zu führen. Überbacher ist die Chefin von Roth: Die Handwerksmeister. Deren USP ist es, Professionisten – Maler, Elektriker, Fliesenleger – koordiniert einzusetzen. Ihr Patentrezept und unser vierter Ansatz ist, sich selbst und seine Teams auch mit sehr kurzfristigen Zielen bei Laune zu halten. „Da hat man schnelle Erfolgserlebnisse. Und im Notfall kann man gut korrigieren.“ Quick Wins eignen sich wunderbar, demotivierte oder müde Belegschaften wieder erfolgshungrig zu machen. Ist der Bann mit dem ersten Erfolg gebrochen, will man sofort mehr davon. Besonders junge Mitarbeiter springen darauf an. Sich selbst sieht Überbacher „immer in Vorwärtsbewegung, niemals stillstehend“. Und wenn doch einmal etwas schiefgeht: „Aufstehen, Krone zurechtrücken, weitergehen.“ Ihr persönlicher Trick, die Dinge nicht zu schwer zu nehmen, sind zwei Fragen, die sie sich in harten Zeiten stellt: „Gibt es genug zu essen? Und ist die medizinische Versorgung sichergestellt? Alles andere wird mich nicht umbringen.“ Solche Vergleiche mit wirklichen Problemen relativieren.

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SCHEITERN IST KEINE OPTION

Bevor wir zur nächsten Protagonistin und zum fünften Ansatz kommen, ein paar Zahlen: 30 Millionen, 25 Millionen, 40 Millionen, 100 Millionen. Das sind die Umsätze bzw. Umsatzziele von Eveline Pupeter, Chefin der oberösterreichischen Emporia Seniorenhandys. 30 Millionen Euro Umsatz erzielte sie 2018/19, im Jahr vor Corona (ihr Geschäftsjahr geht von 1. Juli bis 30. Juni). Im hässlichen Coronajahr kam sie „mit einem blauen Auge“ und einem Einbruch von 5 Millionen Euro davon. Für heuer peilt sie 40 Millionen an, Krise hin oder her. Und für 2023 sagenhafte 100 Millionen – wie soll das gehen?

„Das Ziel ist nicht erst jetzt entstanden“, lacht Pupeter, „wir halten eisern daran fest.“ Das große Ziel laute „Digitalisierung der 65+“, also Senioren von Smartphones zu überzeugen. Ihre persönliche Stärke sei, auch in schwierigen Zeiten eine klare Position zu vertreten. Auf diese Konsequenz verließen sich Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten – sie werde sie nicht enttäuschen. Eine solche Einstellung gibt Kraft. Als ihr der scharfe Coronawind ins Gesicht blies, gab Pupeter nicht auf, sondern ließ sich einiges einfallen. Sie installierte für eine belgische Bank deren App schon vorab auf einigen tausend Smartphones als neuen Service. Sie spielte die Corona- Tracing-App auf zigtausende Smartphones für die Deutsche Bank, um den künftigen Usern den Einstieg so leicht wie möglich zu machen. Sie dachte sich ein Rundum-Sorglos-Paket für MediaSaturn aus. Ideen muss man haben. Und sie durchziehen. Weil Scheitern keine Option ist. Trotzdem: Wie will sie demnächst 100 Millionen stemmen? „Ganz einfach“, lacht Pupeter, „viele Senioren wechseln jetzt von einem Tasten- zu einem Smartphone. Das kostet viermal so viel.“

WIE SAG’ ICH’S MEINEN LEUTEN

Fassen wir zusammen: Um auch in schwierigen Zeiten unsere Ziele zu erreichen, umgeben wir uns mit motivierenden Menschen. Wir suchen ein Warum, einen großen Sinn, der uns vorwärtstreibt. Wir akzeptieren Veränderung dank eines dynamischen Mindsets. Wir sorgen für Quick Wins, bleiben aber unseren großen Zielen konsequent treu. Und dennoch: Oft pfuschen uns lähmende Glaubenssätze dazwischen, dieses alte „Das schaffe ich nie“.

Die Wiener Executive-Coachin Regina Maria Jankowitsch kennt es zur Genüge: „Viele sagen: Es geht mir schlecht und wegen Corona habe ich keine Chance, da herauszukommen. Dann bringen sie auch nichts weiter.“ Der sechste und letzte Ansatz ist, einem Profi zuzuschauen, wie er seine Klienten aus diesem Tal herausholt. Jankowitsch lässt sich erst einmal die Lage genau schildern, sachlich und möglichst emotionsbefreit: „Oft startet schon beim Hervorholen der Fakten ein Reflexionsprozess.“ Sie vergleicht das mit Tagebuchschreiben. Das bringt ebenfalls Klarheit, kann allerdings keinen Sparringpartner ersetzen. Auch ein vertrautes Gespräch unter Freunden ist nicht immer die Lösung. Empathische Freunde stimmen leicht ins Wehklagen ein. Man fühlt sich verstanden, aber das ändert nichts am Problem.

Das ist der Vorzug eines Coaches. „Beim bloßen Schildern des Problems wird vielen Unternehmern bewusst, dass sie ihren Gestaltungsspielraum noch gar nicht ausschöpfen“, sagt Jankowitsch. Ihr Patentrezept: den Klienten seine Möglichkeiten ausloten lassen, Szenarien erarbeiten, priorisieren und To-do-Listen schreiben lassen. Der große Knackpunkt kommt erst danach, die Wortwahl und Argumentation gegenüber den Mitarbeitern. Die müssen stimmig sein, auch in der Körpersprache, sonst nehmen einem die Teams den Gedanken nicht ab. „Es ist ein Riesenunterschied, ob man sagt, wir machen das, wir können das machen, wir könnten das machen oder ich würde vorschlagen, dass wir das machen.“ Bei den letzten beiden Varianten nimmt man das mögliche Scheitern vorweg und reduziert prophylaktisch die Klarheit der Sprache. Dann lässt Jankowitsch unterschiedliche Formulierungen ausprobieren, bis der Text gut und überzeugend über die Lippen geht: „Wenn es sich richtig anfühlt, stimmt auch die Körpersprache überein.“ Dann steht der Umsetzung nichts mehr im Weg.

Autor/in: MARA LEICHT

Ersterscheinung: https: //www.die-wirtschaft.at

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