Hugo Portisch: Ein Wegweiser!

Hugo Portisch hat Spuren hinterlassen. Wichtige, wertvolle und prägende Spuren. Dies wurde in den letzten Tagen in schöner Weise gewürdigt.

Lesezeit: ca. 1 min

© PantherMedia/Ruletkka

Hugo Portisch steht aber nicht nur für das Bleibende, sondern auch für das Wegweisende. Er hat früher als Andere wesentliche Entwicklungen erkannt und sie zum Ausdruck gebracht. An uns liegt es, diese Wegweiser als Orientierungshilfe für die Zukunft aufzugreifen und damit das Denken, die Ideen und Perspektiven von Hugo Portisch fortzuführen.

Drei davon möchte ich mit Zitaten von Hugo Portisch herausgreifen.

Erster Wegweiser: Afrika

„Was werden wir tun, wenn eine Milliarde Menschen aus Afrika zu uns kommen wollen? Werden wir dann auf diese schießen? Wird es einen Krieg geben gegen diese Flüchtlinge? Nein, wir müssen etwas Gemeinsames tun. Und allen Menschen in Afrika eine Hoffnung geben. Und wenn wir Afrika aufbauen mit Hilfe der Europäer würden sich sehr viele überlegen, ob sie weg wollen aus ihrer Heimat.“

„Die Europäische Union sollte ihre Chance erkennen und in ihr eine neue Mission sehen: einen großen, mit den afrikanischen Ländern gemeinsam durchzuführenden wirtschaftlichen Rettungsplan zu beschließen. Ein großes Hilfswerk für Afrika müsste Fachleute, Planer, Organisatoren, Führungskräfte beistellen und mithelfen bei der Schulung und Ausbildung der Menschen. Vermutlich käme es gar nicht so sehr darauf an, wie schnell und wie umfangreich diese Hilfe umzusetzen wäre, schon allein der Entschluss und die glaubhafte Verkündung eines wirklich großen wirtschaftlichen Hilfsplans würden der jetzigen Hoffnungslosigkeit der Menschen sofort entgegenwirken und viele bewegen, an eine Zukunft im eigenen Land zu glauben und ihre Fluchtpläne aufzugeben. Europäische Steuergelder für ein großes Hilfswerk in Afrika würde auch weitgehend europäischen Unternehmen zugutekommen und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wer Europa retten will, muss Afrika retten.“

Dieser letzte Satz von Hugo Portisch: „Wer Europa retten will, muss Afrika retten.“

Welche großartige, konstruktive, zukunftsorientierte und optimistische Perspektive liegt in diesem Satz. Nicht Angst vor Flüchtlingen, sondern eine kooperative Partnerschaft, dazu einen Bildungs- und Qualifikations-Marshall-Plan in die Wege zu leiten und als großes europäisches Projekt auch umzusetzen. Eine spannende Vision!

Zweiter Wegweiser: Russland

„Es wird notwendig sein, mit Russland auszukommen. Und ich hoffe sehr, dass dies in friedlicher Zusammenarbeit möglich sein wird. Dabei ist für alle etwas zu gewinnen. Für die Europäische Union einen möglichst friedfertigen Nachbarn, der sich nicht einem sich ebenfalls nach Europa orientierenden, agressiven China anschließen wird. Ja, im Gegenteil, der seine geographische Lage und wirtschaftlichen Möglichkeiten nutzen wird, um Europa nicht von Chinas „Seidenstraßen“ abhängig werden zu lassen. Auch ein Nachbar, der daran interessiert sein wird, Europas Westen nicht der amerikanischen Willkür auszuliefern. Mit anderen Worten: Wir stehen vor einer gewaltigen Bewährungsprobe im Zusammenleben der europäischen Völker. Und alle haben dazu beizutragen, dieses Zusammenleben erträglich zu gestalten.“

Ja, Hugo Portisch war durchaus auch kritisch manchen Entwicklungen in Russland gegenüber. Aber man muss mit einem Nachbarn nicht immer einer Meinung sein. Es kommt auf die Form des Meinungsaustausches an. Und da machen wir, und zwar beide Seiten, derzeit viel falsch und nur sehr wenig richtig. Das Richtige besteht im Aufrechterhalten eines Dialogs, einer Gesprächsfähigkeit, einer Wiederherstellung einer Vertrauensbeziehung. Entspannung ist angesagt. Daran gilt es, im Sinne Hugo Portischs zu arbeiten.

Dritter Wegweiser: Europa

„Heute erleben wir, wie rasch oft all das in Europa Erreichte in den Hintergrund gedrängt wird, wie leichtfertig Viele bereit wären, die europäische Gemeinschaft wieder aufzugeben, sich hinter die alten Grenzen zurückzuziehen, in der falschen Annahme, sie hätten unseren heutigen Wohlstand und unsere soziale Sicherheit, unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten in Europa und der Welt auch ganz alleine geschafft, wozu es in Wirklichkeit einer jahrzehntelangen Anstrengung Europas bedurft hat. Vor allem auch der Solidarität und der gegenseitigen Hilfe.“

Dieser Appell Hugo Portischs ist eine Aufforderung, zur Besinnung zu kommen. Was haben wir gemeinsam erreicht, wo wollen wir gemeinsam hin? Welchen Beitrag zur Lösung der großen Probleme unserer Welt, wie Gesundheitssicherung, Bewältigung der Klimakrise, der digitalen Umwälzungen, den internationalen Finanzspekulationen, allen diesen Herausforderungen eine starke, kompetente und wirkungsvolle Antwort zu geben, dazu bedarf es eines starken Europas in einer kooperativen Welt. Hugo Portisch hat es aufgezeigt.

Drei wichtige Zukunftwegweiser. Wie gehen wir damit um? Am besten, indem wir neben den ehrenden Worten und einer lieben Erinnerung auch konkret weiterarbeiten an den Dingen, die Hugo Portisch für unser aller Zukunft so wesentlich erschienen sind.

Christoph Leitl

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