Hinter den Kulissen

Das Mobilfunknetz 5G spaltet die Meinung der Österreicher – und sie wollen auch nicht mehr Geld für neue Technologie ausgeben.

Lesezeit: ca. 4 min

Die Meinungen der heimischen Bevölkerung zum neuen Mobilfunknetz 5G gehen auseinander: Zwar befürwortet die Hälfte die neue Technologie, mehr als ein Drittel befürchtet, aber negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Ein Vorteil des neuen Netzes: Smart-Home- sowie Connected-Car-Systeme werden damit für die breite Masse zugänglicher– und auch der Smartphone-Konsum der Österreicher wird sich zukünftig ändern.

„Der Prozentsatz der 5G-Gegner ist hierzulande erstaunlich hoch“, sagt Nikola Süssl, Partner bei Deloitte Österreich. „Mehr als ein Drittel der Befragten sorgt sich, dass mit dem neuen Netz gesundheitliche Probleme in der Bevölkerung auftreten werden. Es braucht also dringend mehr Aufklärungsarbeit, um den Österreichern die nach wissenschaftlichen Maßstäben unbegründete Angst zu nehmen.“

Nikola Süssl, Partner bei Deloitte Österreich.

© Deloitte

Die Landsleute bedenken jedoch nicht nur die Gesundheitsrisiken, sondern auch die mit 5G verbundenen Kosten. Der Großteil der rund tausend österreichischen Teilnehmer an der Deloitte Studie „Digital Consumer Trends“ will für die neue Technologie nicht tiefer in die Tasche greifen. „Die Hälfte der Befragten hat es nicht eilig, zum neuen Mobilfunknetz zu wechseln“, erklärt Süssl. „Lediglich fünf Prozent verwenden 5G bereits – es ist daher keine Überraschung, dass 53 Prozent der Österreicher nicht bereit sind, für höhere Bandbreiten und niedrigere Reaktionszeiten mehr zu bezahlen.“ Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass 5G in anderen Ländern weitaus weniger Unbehagen verursacht: So glauben im Nachbarland Deutschland nur 20 Prozentder Befragten, dass das neue Mobilfunknetz gesundheitliche Probleme hervorruft. In Großbritannien wird 5G lediglich von 14 Prozent mit Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht, in China nur von 13 Prozent.

Smarte Alltagslösungen werden massentauglich

Aller Skepsis zum Trotz bringt die neue 5G-Technologie neben starken Leistungsverbesserungen doch eine höhere Gerätevielfalt, verbesserte Standorterkennung sowie eine viel schnellere und bessere Datenübertragung. Dadurch könnten zukünftig Smart-Home- und Connected-Car-Systeme der breiten Masse zugänglich gemacht werden.

Herr und Frau Österreicher sind aber noch bei einem weiteren Thema ziemlich skeptisch: Überwachungsmaßnahmen auf privaten Geräten kommen bei der Mehrheit der heimischen Befragten nicht gut an. So lehnen rund 52 Prozent Location-Tracking auf dem eigenen Smartphone gänzlich ab, 58 Prozent sind gegen das Einsehen persönlicher Gesundheitsdaten durch den Staat – auch wenn dies zur Bekämpfung der Covid-19-Krise helfen würde. „Die Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der eigenen Daten spiegeln sich beispielsweise auch in der niedrigen Nutzerzahl der Stopp-Corona-App wider“, kommentiert Süssl. „Datenschutz hat bei den heimischen Konsumenten nach wie vor einen besonders hohen Stellenwert – Unternehmen müssen hier sehr behutsam agieren.“

Für Magenta Telekom Chef Andreas Bierwirth entscheidet sich das Wohl oder Weh der Telekommunikationsunternehmen in den kommenden zwei Jahren.

© Magenta

Mit der Skepsis ist Österreich allerdings nicht alleine. Auch Befragte aus Polen (49) und Deutschland (40 Prozent) lehnen Location-Tracking auf privaten Geräten zum Großteil ab. In Großbritannien (25 Prozent) ist man im Vergleich dazu deutlich lockerer. Kaum Bedenken äußern die Studienteilnehmer aus China: Lediglich neun Prozent sprechen sich hier gegen diese Überwachungsmaßnahme aus.

Während Fitness-Tracker und Virtual-Reality-Brillen sich noch nicht auf dem österreichischen Massenmarkt etabliert haben, sind Smartphones nicht mehr aus dem täglichen Gebrauch wegzudenken. Allerdings haben rund 54 Prozent der Befragten das Gefühl, zu viel Zeit vor dem Smartphone-Bildschirm zu verbringen. Laut Deloitte-Studie ist dabei ein Unterschied zwischen den Geschlechtern zu erkennen: Weibliche Befragte haben eher das Gefühl, ihr Mobiltelefon zu oft zu verwenden. Der männliche Anteil der Studienteilnehmer ist da weniger kritisch. Auch bei den Altersgruppen variieren die Einschätzungen. So sind drei Viertel der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren davon überzeugt, ihr Smartphone zu intensiv zu nutzen. Bei den 65- bis 75-Jährigen sind nur rund elf Prozent dieser Ansicht.

Corona und die Folgen

Magenta Telekom-CEO Andreas Bierwirth erwartet für die Wirtschaft in Österreich einen massiven Digitalisierungsschub nach Corona. Hinsichtlich der Pandemie-Folgen würde die Telekomwirtschaft zwar nicht zu den Verlierern zählen, aber ebenso schwer darunter leiden. Durch den Wegfall von Geschäftsreisen und Tourismus haben sich etwa auch die Roamingumsätze quasi über Nacht pulverisiert, das hat Auswirkungen auf die Ergebnisse. Umgekehrt fordert der Kapitalmarkt durch die zunehmende Digitalisierung, den Trend zu Homeoffice und VideoConferencing, steigende, zumindest aber stabile Gewinne. „Das heißt, wir müssen das, was wir durch Roaming verloren haben, aus uns selber wieder rausschnitzen, durch Kurzarbeit und Kostensenkungsprograme, um durch die nächsten 12 bis 24 Monate zu kommen.“

Hinzu kommt, dass sich das Thema Kostensenkung bei Magenta durch die noch laufende Integration von UPC potenziert. „Im Rahmen des fünfjährigen Mergerplans hätten wir jedes Jahr Kostensynergien“, sagt Bierwirth. „Jetzt müssen wir zusätzlich Kosten senken aufgrund der Corona-Situation.“ Nicht zu vergessen: „Das wichtigste ist natürlich, dass unsere Kunden im Businessbereich auch noch unsere Kunden bleiben, und nicht sozusagen die Krise zwar uns nicht betrifft, aber wir am Ende keine Kunden mehr haben, weil im Frühjahr die große Insolvenzwelle rollt. Dann sind wir natürlich – weiß Gott – nicht stabil. Das betrachten wir mit Sorge.“

Bierwirth zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Was uns sehr gut getan hat, ist, dass die Systemrelevanz der Telkos für das Land klarer wurde. Wir sind ja ein sehr stark regulierter Bereich – siehe Telekommunikationsgesetz, Konsumentenschutz, Auktionen. Hier wird man uns künftig mit sehr viel mehr Augenmaß regulieren. Die Firmen müssen ja weiterhin fähig bleiben, in die Infrastruktur zu investieren.“

Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

© Caro Strasnik

Apropos: Mit der Corona-Krise hat sich die Nutzung digitaler Dienste wie z.B. Video-on-Demand oder Musikstreaming drastisch erhöht und die Telekommunikationsunternehmen haben nun die historische Gelegenheit, sich aus der Rolle des Konnektivitätsanbieters zu befreien und ihr Angebot in Richtung Video-Streaming, Musik und Spiele zu erweitern. Laut der internationalen Studie „NextGen 2020: The Connected Consumer“ der globalen Unternehmensberatung Kearney liegt in Österreich das entsprechende Wachstumspotential bei mehr als 1,2 Milliarden Euro.

55 Prozent und damit mehr als die Hälfte der heimischen Unternehmen sehen die stärkere Nutzung digitaler Technologien als die wichtigste Langfristfolge von Covid-19 – dieser Trend erfordert eine robuste und ordentliche IT-Infrastruktur. „Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht“, fasst Alfred Harl, Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), zusammen. „Österreich muss diesen Digitalisierungsboost nutzen und die Businesschancen realisieren. Doch aus unserer Sicht muss das Breitbandnetz mit Glasfaser bis zu den Firmen und Haushalten so rasch wie möglich ausgebaut werden, besonders im ländlichen Bereich: Kupfer leistet das nicht mehr. Tatsache ist auch, wer aktuell keinen Breitbandanschluss hat, kann in diesen Zeiten nicht mithalten und ländliche Gegenden dürfen nicht benachteiligt werden.“

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