ÖBf: Nur klimafitte Wälder können im Klimawandel bestehen Österreichische Bundesforste

© ÖBf-Archiv/Mark Glassner

Der Vorstand der Österreichischen Bundesforste: Georg Schöppl (links), und Rudolf Freidhager

01.06.2022 | 3 min

Trotz Klimakrise: Österreichische Bundesforste AG steigert Betriebsergebnis um mehr als 50 Prozent

Ergebnis vor Steuern (EBT) steigt um 56,6 % auf 27,1 Mio. Euro – Trendwende im Kerngeschäft Forst/Holz eingeleitet – Wachstum in nicht-forstlichen Bereichen – 100 Mio. Euro für Energiewende.

Zwischen Klimakrise, Pandemie und Rohstoffboom: Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen konnte die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf AG) im Geschäftsjahr 2021 eines der besten Ergebnisse in der Unternehmensgeschichte erzielen. „Auch das Jahr 2021 stand im Zeichen der Klima- und Coronakrise. Dank eines weltweiten Rohstoffbooms und der starken Nachfrage nach dem Rohstoff Holz über alle Segmente ist es uns aber gelungen, im Kernbereich Forst/Holz eine Trendwende einzuleiten. In allen nicht-forstlichen Bereichen konnte ein sehr gutes Ergebnis erzielt werden“, resümiert Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher und Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, anlässlich der Bilanzpräsentation. „Ergebnisseitig zeigten 2021 die Vorzeichen deutlich nach oben“, berichtet Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien. So kam die Betriebsleistung mit 251,7 Mio. Euro um 10,8 % über dem Vorjahr (227,1 Mio. Euro) zu liegen, der Gewinn vor Steuern (EBT) stieg um 56,6 % von 17,3 Mio. Euro auf 27,1 Mio. Euro. Auch das EBITDA lag mit 39,7 Mio. Euro um 31,9 % deutlich über dem Vorjahreswert (30,1 Mio. Euro), ebenso wie das EBIT, das um 54,2 % auf 27,6 Mio. Euro angestiegen ist (2020: 17,9 Mio. Euro). „Seit der Neugründung der ÖBf AG im Jahr 1997 konnte jedes Jahr, so auch 2021, ein Gewinn für die Republik erwirtschaftet werden“, so Schöppl.

Größte Herausforderung für das Unternehmen sind der Klimawandel und seine Folgen. Mit 59 % der gesamten Holzerntemenge bzw. rund 1,1 Mio. Erntefestmetern (Efm) blieb das Schadholz 2021 auf dem hohen Niveau der Vorjahre (2020: rund 1,4 Mio. Efm; 2019: rund 1,1 Mio. Efm). „Durch Mehrkosten bei Käferprävention und Holzernte sowie Mindererlöse durch Schadholz betrugen die Klimawandelkosten 2021 rund 31,5 Millionen Euro“, erläutert Schöppl. Hinzu kamen Schäden an der Forstinfrastruktur von deutlich über 5 Mio. Euro durch Starkregenereignisse und Überschwemmungen. „Damit wir die durch den Klimawandel gestiegenen Anforderungen und den Umbau zum klimafitten Wald der Zukunft finanzieren können, brauchen wir à la longue höhere Holzpreise. 2021 ist der Holzdurchschnittspreis zwar nach einem sechs Jahre dauernden Abwärtstrend auf 66,8 Euro gestiegen, aber in Anbetracht der hohen Klimawandelkosten ist dies zu wenig“, gibt Freidhager zu bedenken.

Kernbereich Forst/Holz: Trendwende eingeleitet
Auch wenn die hohen Klimawandelkosten die Profitabilität des Geschäftsbereichs Forst/Holz senken und das Ergebnis dadurch 2021 noch knapp negativ war, konnte die Betriebsleistung um 12,7 % auf 155,8 Mio. Euro gesteigert werden (2020: 138,2 Mio. Euro). Eine starke Baukonjunktur im In- und Ausland führte vor allem zu Beginn des Jahres 2021 zu einem regelrechten Absatzhype in der Sägeindustrie, der auch einen Anstieg der Rohstoffpreise zur Folge hatte. Diese bis ins dritte Quartal andauernde Entwicklung sowie die damit einhergehende erhöhte Nachfrage nach Holz in allen Segmenten trug wesentlich dazu bei, dass im Bereich Forst/Holz eine Trendumkehr eingeleitet werden konnte. Der hohe Lagerstand aufgrund von Schadereignissen der Vorjahre konnte von rund 354.000 Fm im Laufe des Jahres wieder auf ein Normalniveau von ca. 127.000 Fm reduziert werden. „Wir bewirtschaften unsere Wälder naturnah und nachhaltig. Trotz der starken Holznachfrage wurde dem Wald nicht mehr entnommen als wieder nachwächst. Die Holzerntemenge blieb auch 2021 mit 1,78 Millionen Festmetern nachhaltig auf Kurs“, betont Freidhager.

Biomasse nachhaltig genutzt nur begrenzt verfügbar
Mehr als die Hälfte (rund 54 %) der ÖBf-Holzerntemenge ging 2021 in die Sägeindustrie,
31 % entfielen auf Industrieholz (Papier, Zellstoff, Platten) und rund 13 % waren Energieholz. Vor allem die Bioenergie hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Säule der Energieversorgung entwickelt. „Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass auch Waldbiomasse nicht unbegrenzt verfügbar ist. Angesichts der aktuellen Energiekrise erleben wir derzeit zwar einen nie dagewesenen Run auf Biomasse, dennoch können und werden wir den Weg der nachhaltigen Waldbewirtschaftung nicht verlassen. Wir leisten so viel Beitrag wie möglich, aber nur so viel, wie der Wald verträgt“, so Freidhager. Im größten Wald-Biomassekraftwerk des Landes, das die ÖBf (Anteil 33,3 %) gemeinsam mit der Wien Energie betreiben, konnten 2021 mit dem erneuerbaren Rohstoff Holz 120 Gigawattstunden (GWh) Strom und 158 GWh Fernwärme produziert werden.

ÖBf investieren bis 2025 rund 100 Millionen Euro in erneuerbare Energien
Auch im Bereich Erneuerbare Energie hat der Klimawandel 2021 seine Spuren hinterlassen: Ein im Vergleich zum Vorjahr geringeres Wasseraufkommen nach einem schneearmen Winter sowie die Trockenheit im Frühjahr zogen Einbußen in der Stromerzeugung aus Kleinwasserkraft nach sich. „Trotz der trockenen Witterung lag der Geschäftsbereich Erneuerbare Energie unter anderem wegen der höheren Strompreise 2021 im Plus und trug deutlich zum Konzerngewinn bei“, berichtet Georg Schöppl. Die Betriebsleistung stieg 2021 um 3 % auf 16,9 Mio. Euro (2020: 16,4 Mio. Euro). Die Gesamtproduktion an Strom aus den ÖBf-Wind-, Wasser- und Biomassekraftwerken lag bei rund 278 GWh, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rund 80.000 Haushalten und einer CO2-Einsparung von rund 310.000 Tonnen entspricht. „Wir leisten einen Beitrag zur Energiewende und haben in den letzten Jahren bereits rund 100 Mio. Euro in den Bereich Erneuerbare Energie investiert. Diese Investitionen werden wir bis 2025 noch einmal für eine nachhaltige Energiezukunft verdoppeln. Unser Ziel ist es, bis 2025 die Energieproduktion aus Wind, Wasser und Biomasse in Richtung 400 Gigawattstunden pro Jahr zu steigern“, so Schöppl.

Im Bereich Kleinwasserkraft erfolgte 2021 in Tirol plangemäß die Inbetriebnahme des neunten Kleinwasserkraftwerks an der Langer Grund Ache. Weitere Projekte in Hopfgarten in Tirol und in Kainisch in der Steiermark sind in Vorbereitung. „Ein großes Potenzial, um in Österreich unabhängig von Gas zu werden, sehen wir langfristig in der Windkraft“, so Schöppl. Das Windjahr 2021 lag über den Erwartungen. Gute Windverhältnisse sorgten ab Mai für eine überdurchschnittliche Stromproduktion von in Summe rund 96 GWh (2020: 95 GWh). Der Fokus im Bereich Windkraft liegt auf der Erweiterung des Windparks Pretulalpe in der Steiermark um vier Windräder. Die Errichtung der Fundamente ist im zweiten Halbjahr 2022 geplant. Zur Entwicklung neuer Windkraftprojekte wurde darüber hinaus ein Kooperationsabkommen mit der Salzburg AG abgeschlossen.

Immobilien weiterhin auf nachhaltigem Wachstumskurs
Den mit Abstand höchsten Beitrag zum Unternehmenserfolg leistete 2021 erneut das Geschäftsfeld Immobilien. „Die Betriebsleistung ist von 51,1 Millionen Euro um weitere 6,5 % auf 54,4 Millionen Euro gestiegen“, freut sich Georg Schöppl. „Seit Gründung des Bereiches haben wir mit nachhaltigem Wachstum mittlerweile eine Vervierfachung der Betriebsleistung erreicht.“ Die hohe Auslastung im Bau- und Baunebengewerbe hatte 2021 eine deutliche Erhöhung der Baukosten zur Folge, die aber durch die gleichzeitig steigende Nachfrage im Bereich Bodenressourcen ausgeglichen werden konnte. Ebenso erfolgreich verlief das Jahr 2021 im Geschäftsfeld Baurechte, in dem 2021 ein Erlös von 4,3 Mio. Euro und damit eine Steigerung um 6,8 % im Vergleich zum Vorjahr erzielt werden konnte. „Die Nachfrage nach Baurechtsverträgen war 2021 ungebrochen hoch. Mittlerweile betreuen wir in Summe über 600 Verträge“, berichtet Schöppl. Die Bundesforste setzen darüber hinaus verstärkt auf die Entwicklung eigener Projekte mit Fokus auf ökologisch nachhaltige Bauweise. „Bis 2025 wollen wir weitere rund 50 Millionen Euro in den Bereich Immobilien investieren“, so Schöppl. Die Bundesforste betreuen rund 4.200 Objekte, von der Jagdhütte über Wohnhäuser bis hin zum Schloss Eckartsau, und sind damit einer der größten Immobilienbewirtschafter des Landes.

Stabile Entwicklung bei Dienstleistungen
Im Bereich Dienstleistungen betrug die Betriebsleistung insgesamt 15 Mio. Euro und lag damit etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Dies ist im Wesentlichen auf die gute Geschäftsentwicklung des Profitcenters Forsttechnik zurückzuführen. Auch die forstlichen Dienstleistungen, zu deren Aktivitäten vor allem die forstliche Beratung, das forstliche Bauwesen und die Naturraumplanung zählen, konnten an die gute Ergebnisentwicklung der Vorjahre anknüpfen. Rund 19.000 Hektar Wald wurden 2021 für private und kommunale Waldbesitzer*innen bewirtschaftet und u. a. rund 100 Projekte im Bereich Baumbegutachtung und -kontrolle für Kommunen, Hausverwaltungen und Unternehmen betreut. Im Bereich Naturraummanagement, zu dem beispielsweise auch die Betreuung der Nationalparks Donau-Auen und Kalkalpen sowie des Biosphärenparks Wienerwald gehört, erfolgte auch die Erweiterung des Wildnisgebiets Dürrenstein-Lassingtal (STMK/NÖ) auf 3.500 Hektar mit Vertragsnaturschutz.

Ausblick 2022
„Das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld ist derzeit von großen Herausforderungen geprägt, dennoch gehen wir optimistisch in das Geschäftsjahr 2022. Mit der Diversifizierung ist das Unternehmen breit aufgestellt, die Weichen für die Zukunft sind erfolgreich gestellt. Daher erwarten wir – abhängig von den unvorhersehbaren Folgen der Energiekrise und von Schadholzereignissen – sowohl eine positive Entwicklung in allen nicht-forstlichen Bereichen als auch im Kerngeschäft Forst/Holz. Bereits jetzt ist die Holzerntemenge in allen Sortimenten ausverkauft“, beschreibt Rudolf Freidhager die aktuelle Situation. „Mit Blick auf die kommenden Generationen setzen wir uns mit aller Kraft dafür ein, den Wald klimafit zu machen und diesen naturnah und nachhaltig zu bewirtschaften. Denn der Wald ist unser wichtigster Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise. Allerdings kann uns der Wald alleine nicht retten. Das können wir nur gemeinsam, indem wir alle zusammenhelfen und den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren“, so Freidhager abschließend.