Mühleisen folgt Marihart

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Markus Mühleisen, Vorstandsvorsitzender der AGRANA Beteiligungs-AG

16.05.2022 | 3 min

AGRANA erzielte bei 2,9 Mrd. € Konzernumsatz ein deutlich über Vorjahr liegendes operatives Ergebnis – aber hoher Abschreibungsbedarf aufgrund Ukraine-Krieg

Die Umsatzerlöse der AGRANA-Gruppe im Geschäftsjahr 2021|22 lagen mit 2.901,5 Mio. € deutlich über dem Wert des Vorjahres. Das operative Ergebnis stieg um 18,3 % auf 86,5 Mio. € an. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) betrug 2021|22 24,7 Mio. € und lag damit sehr deutlich unter dem Vorjahreswert von 78,7 Mio. €.

Der EBIT-Rückgang ist auf ein Ergebnis aus Sondereinflüssen in Höhe von -69,8 Mio. € (Vorjahr: -11,9 Mio. €), primär bedingt durch Wertberichtigungen in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, zurückzuführen. Der Kriegsausbruch in der Ukraine am 24. Februar 2022 fiel noch ins Geschäftsjahr 2021|22 und stellte für AGRANA somit ein werterhellendes Ereignis dar, das intern Werthaltigkeitsprüfungen auslöste.

„Bis zum Kriegsausbruch waren wir für die Erreichung unserer Ziele voll auf Kurs und hätten
ohne negatives Ergebnis aus Kriegssondereinflüssen unseren prognostizierten deutlichen
EBIT-Anstieg erreicht. Denn operativ verlief das Geschäftsjahr 2021|22 sehr zufriedenstellend.
Im Segment Frucht hat eine gute Apfelverarbeitungskampagne 2021 zu einer Erholung des
Fruchtsaftkonzentratgeschäftes geführt und im Segment Stärke waren historisch hohe
Ethanolnotierungen der Hauptgrund für eine v.a. im zweiten Halbjahr 2021|22 sehr starke
EBIT-Entwicklung. Im Segment Zucker gab es durch eine erhöhte Rübenmenge eine
verbesserte Auslastung der Fabriken“, erklärte AGRANA-Vorstandsvorsitzender Markus
Mühleisen.

Das Finanzergebnis betrug im Geschäftsjahr 2021|22 -16,1 Mio. € (Vorjahr: -18,5 Mio. €),
wobei die positive Veränderung v.a. aus einem verbesserten Währungsergebnis resultierte.
Auch das Zinsergebnis zeigte sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das Ergebnis vor
Ertragsteuern fiel von 60,2 Mio. € im Vorjahr auf 8,6 Mio. €. Nach einem Steueraufwand von
20,9 Mio. €, dem eine Steuerquote von 241,7 % (Vorjahr: 8,7 %) entspricht, betrug das
Konzernergebnis -12,2 Mio. € (Vorjahr: 55,0 Mio. €). Das den Aktionären der AGRANA
zurechenbare Konzernergebnis lag bei -12,6 Mio. € (Vorjahr: 59,8 Mio. €), das Ergebnis je
Aktie (EPS) ging auf -0,20 € (Vorjahr: 0,96 €) zurück.
Bei einer im Vergleich zum Vorjahr moderat gestiegenen Bilanzsumme zum 28. Februar 2022
von 2,64 Mrd. € (28. Februar 2021: 2,47 Mrd. €) lag die Eigenkapitalquote bei 48,5 % (28.
Februar 2021: 53,8 %). Die Nettofinanzschulden zum 28. Februar 2022 lagen mit 532,0 Mio. €
um 88,5 Mio. € über dem Wert des Bilanzstichtages 2020|21. Das Gearing zum Stichtag betrug
folglich 41,5 % (28. Februar 2021: 33,4 %).
Basierend auf AGRANAs langfristig ausgerichteter Dividendenpolitik wird der Vorstand der
Hauptversammlung heuer die Ausschüttung einer Dividende von 0,75 € je Aktie vorschlagen
(Vorjahresdividende: 0,85 € je Aktie).

Der Umsatz im Segment Frucht stieg im Vorjahresvergleich moderat um 7,2 %.
Ausschlaggebend dafür waren gestiegene Verkaufspreise sowohl bei Fruchtzubereitungen als
auch bei Fruchtsaftkonzentraten. Das Ergebnis aus Sondereinflüssen, primär aufgrund von
Goodwill-Wertberichtigungen infolge des Krieges in der Ukraine, betrug -67,7 Mio. € und
verminderte das EBIT im Segment Frucht maßgeblich.

In einem von der COVID-19-Pandemie beeinflussten Marktgeschehen stieg der Umsatz im
Segment Stärke sehr deutlich auf 1.010,4 Mio. €. Größte Umsatztreiber waren angepasste
Verkaufspreise im gesamten Produktportfolio. Extrem gestiegene Rohstoff- und Energiekosten,
primär im zweiten Halbjahr 2021|22, erforderten die Weitergabe der gestiegenen
Herstellungskosten. Diese konnten nur teilweise durch Verkaufspreisanpassungen an die
Kunden weitergegeben werden und belasteten die Margen.
Hohe Energiepreise unterstützten wiederum die Ethanolnotierungen, die mit 812 € pro m3 im
Jahresdurchschnitt um rund 228 € pro m3 über dem Vorjahreswert lagen. Die sehr hohen
Ethanolpreise konnten die massiv gestiegenen Produktionskosten überdecken und der
Geschäftsbereich Ethanol trug damit auch entscheidend zur positiven Ergebnisentwicklung des
Segmentes bei. Das EBIT im Segment Stärke stieg deutlich um 10,6 %.

Im Segment Zucker übertraf der Umsatz jenen im Vorjahr um 14,6 %. Der Absatz der
Zuckerprodukte im Geschäftsjahr 2021|22 lag deutlich über dem Vorjahreswert, wobei sich die
AGRANA-Zuckermärkte unterschiedlich entwickelten. Im Retailbereich konnten deutliche
Mengensteigerungen in Ungarn, Rumänien und auch Bulgarien erzielt werden, während im
Industriesektor die Absätze in Österreich, Tschechien und der Slowakei deutlich erhöht werden
konnten.
Das EBIT lag unter dem schwachen Vorjahreswert und war folglich noch immer negativ.
Höhere Zuckerverkaufsmengen und -preise konnten die gestiegenen Rohstoffkosten und v.a.
die deutlich höheren Energiepreise nur zum Teil kompensieren. Ein Ergebnis aus
Sondereinflüssen in Höhe von -2,1 Mio. € in Zusammenhang mit
Forderungswertberichtigungen gegenüber der Beta Pura GmbH (ausgelöst durch den Krieg in
der Ukraine) belastete das EBIT des Segmentes zusätzlich.

Ausblick

AGRANA rechnet für das Geschäftsjahr 2022|23 mit einem sehr deutlichen Anstieg beim
Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT). Beim Konzernumsatz wird von einem deutlichen Anstieg
ausgegangen. Dieser Prognose liegt die Annahme zugrunde, dass der Krieg in der Ukraine temporär und
regional begrenzt bleibt, die physische Versorgung mit Energie und Rohstoffen gewährleistet
ist und sich im neuen Geschäftsjahr die Absatz- und Beschaffungsmärkte wieder teilweise
normalisieren können.
AGRANA erwartet auch, die insbesondere im Rohstoff- und Energiebereich deutlich
gestiegenen Preise in angepassten Kundenkontrakten weitergeben zu können. Das
Investitionsvolumen in den drei Segmenten soll in Summe mit rund 115 Mio. € zwar über dem
Wert von 2021|22, jedoch unter den geplanten Abschreibungen in Höhe von rund 120 Mio. €
liegen.

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