Gerhard Burtscher

Vom Berufsanfänger zum CEO: Gerhard Burtscher ist bei der Bank für Tirol und Vorarlberg die Karriereleiter kontinuierlich nach oben geklettert. Und hat die Bank gleich mitgenommen.

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Banker aus Überzeugung

Privat
In Bregenz geboren, zieht sich der Familienmensch Burtscher er ist verheiratet und hat drei Kinder einen Tag pro Woche in sein Haus im Montafon zurück. Er fährt im Urlaub Ski und wandert gerne.

Karriere
Burtscher absolvierte 1987 die Handelsakademie in Bregenz, trat wenig später in die BTV ein. 2004 gründete er in der Schweiz die erste Aus-landsniederlassung der Bank, die er neun Jahre lang leitete. 2013 zog Burtscher in den Vorstand ein; seit 2016 ist er Vorstandsvorsitzender.

BTV
Anfang 1904 gegründet, eröffnete die Bank für Tirol und Vorarlberg im Sommer ihre Hauptanstalt in Innsbruck. Sie entwickelte sich schnell zu einer mittelgroßen Regionalbank. Heute ist die BTV mit insgesamt 1.438 Mitarbeitern nicht nur mit Standorten in Tirol und Vorarlberg, sondern auch in Wien, Bayern, Baden-Württemberg und der Ost-schweiz vertreten. Seit 2011 tritt sie als „BTV Vier Länder Bank“ auf.

„DAS WICHTIGSTE CREDO IN DER BTV LAUTET: WER WILL UND KANN, DER DARF. ES BRAUCHT ABER ZWINGEND BEIDES.“

Gerhard Burtscher

Solche Karrieren sind selten geworden: Vor drei Jahrzehnten als Berufsanfänger in ein Unternehmen eingetreten – und jetzt dessen Vorstandschef. Gerhard Burtscher hat bei der Bank für Tirol und Vorarlberg genau diese Laufbahn absolviert. Schon ein Jahr nach der Ma-tura an der Handelsakademie in Bregenz trat er in die dortige BTV-Filiale ein und verdiente sich erste Sporen im Anlagegeschäft. Nur wenige Jahre später wurde er Leiter der Wolfurter Zweigstelle. Es folgte Bregenz, dann Regionalleiter Vorarlberg Unterland und schließlich wurde Burtscher Leiter der gesamten Region Vorarlberg im Firmen- und Privatkundengeschäft. Nach einer Zwischenstation in der Schweiz, wo er in Staad die erste Auslandsfiliale der BTV inklusive Filialneubau und Akquise der ersten Kunden komplett umsetzte, zog er 2013 in den BTV- Vorstand ein; 2016 übernahm er den Vorsitz.
Als Vorstandsvorsitzender wird man nicht geboren. Gerhard Burtscher musste immer ein wenig mehr bringen als andere, um sein Ziel zu erreichen. „Es hat mir aber das, was ich getan habe, immer große Freude gemacht. Ich hatte jedoch nie das Ziel, Vorstandsvorsitzen-der der BTV zu werden“, sagt der mittlerweile 52-Jährige, „aber ich wollte immer zu den Besten gehören in der Gruppe, wo ich gerade war – egal ob Firmenkunden -betreuer oder Filialleiter. Und ich habe immer gerne mit Menschen zu tun.“
Offensichtlich ist das ein Erfolgsrezept: Noch Anfang 2016 lagen die Kundenforderungen der BTV bei 6,5 Milliarden Euro; jetzt betragen sie mehr als acht Milliarden. Die betreuten Kundengelder haben im gleichen Zeitraum von 12,7 Milliarden auf 14,7 Milliarden Euro zugelegt. Das Ergebnis vor Steuern lag 2016 bei 73 Millionen und hat sich fast verdoppelt.
„Von den Zahlen her haben wir glücklicherweise eine sehr gute Entwicklung hinter uns“, sagt Burtscher, „das hängt auch damit zusammen, dass wir einen richtig tollen Markt haben: Wir sind in Wien, Tirol und Vorarlberg, Bayern, Baden-Württemberg, der deutschsprachigen Schweiz und Südtirol tätig – da gibt’s einfach sensationelle Unternehmer und sensationelle Unternehmen“, streut Burtscher seinen Geschäftspartnern Rosen.

Fokus auf Unternehmenskultur

Im Unternehmen selbst hat sich der CEO, ganz Banker der neuen Generation, in den letzten drei Jahren intensiv mit der Unternehmenskultur beschäftigt. Die Leitfragen: Wer soll sich bei uns wohlfühlen? Für welche Werte stehen wir? „Es hat sich gezeigt, dass sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden die Themen Vertrauen und Verlässlichkeit eine ganz wichtige Rolle spielen“, analysiert der Bank-Chef. BTV-Mitarbeiter sollen daher für die Prädikate „anständig“, „Handschlagqualität“, „vertrauenswürdig“, „verlässlich“, aber auch für „intelligent und innovativ“ stehen. Allerdings: Unternehmenskultur lässt sich nicht von oben verordnen. „Kultur kannst du vorleben und darauf achten, dass immer mehr Führungskräfte und Mitarbeiter diese Kultur mitleben“, beschreibt Gerhard Burtscher die wichtigsten Themenbereiche seiner Amtsführung.
Trump, Brexit, Negativzinsen: Die Welt ist im Wandel. Und nicht nur die. Auch die Themen Leadership und Führung gehören neu definiert, ist Burtscher überzeugt: „Die Mitarbeiter haben heute andere Anforderungen als früher. Fachkompetenz und Engagement spielen nach wie vor eine ganz große Rolle. Kommunikationsfähigkeit und Empathie waren gestern wichtig und sind es auch noch morgen.“ Aber mitgestalten wollen und Freiräume haben sind durchaus neue Themen. „Das fordert auch die Führungskräfte der Unternehmen“, sagt Burtscher, „in der BTV lautet das wichtigste Credo, das ich auch so erlebt habe und so weitergeben möchte: Wer will und kann, der darf. Es braucht aber zwingend beides.“

Leitplanken festlegen

Er bezweifelt, dass man den Begriff Leadership heute noch so wie früher darstellen kann: „Vor dreißig Jahren gab’s im BWL-Buch Begriffe wie Laisser-faire oder den autoritären Führungsstil. Damals hat sich eine Führungskraft für den jeweiligen Stil entschieden und die Mitarbeiter mussten sich überlegen, ob sie damit zurande kommen wollen oder nicht. Das hat sich geändert.“ Und heute? „Die Kunst ist, auf die Menschen einzugehen und sich ihnen – den Mitarbeitern anzupassen. Wichtig ist mir, dass man Erwartungshaltungen austauscht; dass man weiß, was man voneinander erwarten kann – von der BTV als Arbeitgeber, von mir als Führungskraft, und umgekehrt genauso. Man legt dann gemeinsam Leit-planken fest, innerhalb derer große Freiräume liegen, die man nutzen kann. Aber beide Seiten wissen, wo die Leitplanken sind.“

Auf den Bauch hören

Wenn’s um Entscheidungen geht, hat der BTV-Chef gelernt, ganz intensiv auf seinen Bauch zu hören: „Und doch gibt es Momente, wo gute rationale Gründe für eine Entscheidung sprechen und am Schluss stellt sich heraus: Der Bauch hätte doch Recht gehabt. Das ärgert mich am meisten.“ Der größte Fehler, den man bei der Führung eines Unternehmens machen kann, ist, nicht zu entscheiden, ist Gerhard Burtscher überzeugt.
Extramotivation für seinen Beruf braucht Burtscher, der sich einen Tag pro Woche in sein Haus im Montafon zurückzieht, nicht: „Bankier zu sein ist einer der schönsten Jobs, die man haben kann.“ Die BTV habe Kunden, die jahrzehntelang arbeiten, um 500.000 Euro oder eine Million zu erwirtschaften: „Die sind wirklich froh, einen verlässlichen und vertrauensvollen Partner zu haben, dem sie dieses Geld anvertrauen können.“ Freude bereitet dem CEO auch der Umgang mit Kreditkunden, die tolle Ideen haben und sie umsetzen möchten: „Ob das eine neue Seilbahn ist oder eine Halle für 300 neue Arbeitsplätze – dank unseres Beitrages kommen die Ideen ins Fliegen. Und das macht richtig Spaß!“

„OFT SPRECHEN GUTE RATIONALE GRÜNDE FÜR EINE ENTSCHEIDUNG UND AM SCHLUSS STELLT SICH HERAUS: DER BAUCH HÄTTE DOCH RECHT GEHABT. DAS ÄRGERT MICH AM MEISTEN.“

Gerhard Burtscher
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