Gerald Mayer

Amag-Chef Gerald Mayer will den Wachstumskurs des Aluminiumkonzerns fortsetzen. Flugzeuge und der Fokus auf Recycling sollen dabei helfen. Als Managementtools im Einsatz: Klarheit und Bescheidenheit.

Lesezeit: ca. 4 min

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Wachstum im Blick

Privat
Gerald Mayer, 48, ist seit März 2019 Vorstandsvorsitzender der Amag. Der gebürtige Mühlviertler ist verheiratet und hat drei Töchter.

Karriere
Bevor Gerald Mayer die Nachfolge von Amag Chef Helmut Wieser antrat, war er zwölf Jahre Finanzvorstand des Unternehmens. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Linz war er zunächst als Steuerberater tätig, ehe er bei VA Technology und Siemens VAI arbeitete. Der Vorstandsvertrag von Mayer läuft bis Ende 2022.

Amag
Die Austria Metall AG (kurz Amag) produziert erstens Primäraluminium in einem Elektrolysewerk in Kanada, an dem sie mit 20 Prozent beteiligt ist, und zweitens Guss- und Walzprodukte am Standort Ranshofen im Innviertel unter anderem Platten und Bleche für Flugzeuge, aber auch Spezialitäten wie Zahnräder für Mountainbikes. Das ehemals staatliche Unternehmen wurde 1996 privatisiert und notiert seit 2011 an der Börse. Seit 2014 hält die B&C Holding die Mehrheit an dem Konzern, der 2017 erst-mals die Umsatzgrenze von einer Milliarde Euro knackte. Im ersten Halbjahr 2019 stiegen Absatz und Umsatz deutlich, wegen niedriger Aluminiumpreise war das Ergebnis allerdings niedriger.

„FÜR MICH IST ES AUCH WICHTIG, MEINE WURZELN NIE ZU VERGESSEN UND MICH NICHT ALLEINE ÜBER DEN JOB ZU DEFINIEREN. WAS ZÄHLT, IST DIE FAMILIE.“

Mag. Gerald Mayer

„Nur keine Angst, das passt schon.“ Gerald Mayer schwingt sich auf den Dachvorsprung in schwindelerregender Höhe. Der schöne Ausblick auf Wien hat unseren Fotografen dazu veranlasst, den Amag-Chef zu dieser sportlichen Aktion zu animieren. Einfach machen, nicht lange herumfackeln das entspricht dem Ruf von Mayer. Seit Frühjahr vorigen Jahres ist der gebürtige Mühlviertler Vorstandsvorsitzender der Austria Metall AG, des größten österreichischen Aluminiumkonzerns. Er hat das Ruder von Helmut Wieser übernommen, der die Amag mit dem Fokus auf Service und Qualität auf Kurs gebracht hat, auf einem Markt mit großen Preisschwankungen und hohem Wettbewerbsdruck. Am ehemaligen Finanzvorstand Mayer wird es nun liegen, den Wachstumskurs fortzusetzen. Ganz leicht ist das nicht, denn die Ansprüche an Werkstoffe ändern sich ständig; Stillstand bedeutet in dieser Branche einen Rückschritt. Aber Mayer will ohnehin nicht stillstehen, er hält am Wachstumskurs fest. Die Grundlage dafür bilden die ständig erweiterten Produktionsanlagen in Ranshofen, wo Walzwerk und Gießereien die Kundenwünsche erfüllen. Mayers Marschrichtung ist klar: „Bei uns steht der Kunde im Mittelpunkt. Den persönlichen Umgang beherrschen wir in Österreich und ganz speziell im Innviertel besonders gut.“ Das komme unter anderem beim wichtigen Bereich der Spezialprodukte zum Tragen – diese werden stets in enger Abstimmung mit den Kunden entwickelt und hergestellt. „Wir sind sehr stark bei Spezialitäten“, sagt Mayer. Dabei analysieren der Vertrieb und die Technologiespezialisten der Amag gemeinsam mit dem jeweiligen Kunden, welche Eigenschaften benötigt werden. „Es geht dabei zum Beispiel um biegsame, zugleich aber feste Bleche für die Automobilindustrie.“ Generell ist diese Branche ein Wachstumstreiber, denn Autos müssen heute leichter werden und Aluminium kann dabei helfen. Der Bedarf soll in diesem Bereich laut Analysen in den nächsten Jahren deutlich steigen.

Bester CFO 2017

Mayer, der 2017 von Deloitte zum besten CFO der börsenotierten österreichischen Unternehmen gewählt wurde, wird unter anderem für seine Führungsqualitäten gelobt. Langes Herumfackeln gibt es bei ihm nicht, seine direkte Art mag nicht immer gut ankommen, aber bei ihm weiß man, woran man ist so der Tenor in der Branche und im Unternehmen. Welche Werte sind für ihn wichtig? „Für mich als Führungskraft zählen das Team, Ehrlichkeit und Authentizität. Es macht nie einer alles alleine das war und ist immer Teil unseres Erfolgs.“ Bei der Zusammenstellung eines Teams gehe es nicht nur um fachliche Kompetenz. „Das Fachliche muss natürlich stimmen, aber was nützt das beste Fachwissen, wenn die Chemie im Team nicht stimmt“, meint Mayer. Das führe dazu, dass die Fluktuation sehr niedrig sei. Man dürfe sich auch nicht davor scheuen, Entscheidungen rasch zu treffen, und nicht jedes Problem endlos analysieren. „Wir hören uns alles an, aber am Ende muss der Vorstand die Entscheidung treffen.“

„DAS FACHLICHE MUSS NATÜRLICH STIMMEN, ABER WAS NÜTZT DAS BESTE FACHWISSEN, WENN DIE CHEMIE IM TEAM NICHT STIMMT?“

Mag. Gerald Mayer
Druck aus China

Für den Betriebswirt Mayer, der unter anderem auch als Steuerberater tätig war, zählt Hausverstand zu jenen Fähigkeiten, die im Management genauso benötigt werden wie betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Bran-chenwissen. Im Gespräch erweist sich der frühere Finanzvorstand nicht unbedingt als Zahlenversessener, sondern eher als Marktkenner, der einen Überblick über die Geschehnisse in den unterschiedlichen Segmenten hat. Mit Hingabe erzählt er über neue Mitbewerber aus China, die wegen ihrer Überkapazitäten die Preise in Europa drücken, und über die Vorteile des Elektrolysewerks in Kanada, wo die Amag ihr Primär-Aluminium kostengünstig und mit sauberem Strom produzieren lässt. Apropos Umwelt: Der Einsatz von wiederverwertetem Aluminium wird wichtiger, bei der Amag beträgt der durchschnittliche Einsatz von Schrott bei allen in Ranshofen erzeugten Endprodukten rund 75 Prozent. „Für Kunden wird es immer wichtiger, dass in der gesamten Wertschöpfungskette Umweltkriterien beachtet werden.“
Nötig ist aber auch ein Gespür für das, was unterschiedliche Branchen erwarten. Denn obwohl Aluminium generell ein wachsender Markt ist (Produktion von 65 Millionen Tonnen jährlich, Wachstumsraten von drei Prozent), ändern sich die Anforderungen ständig: Neue Werkstoffe verdrängen andere Materialien, in einigen Branchen steigt die Nachfrage, in anderen sinkt sie. Und über allem schwebt das Auf und Ab der Aluminiumpreise.

Zukunftsmarkt am Himmel

„Aluminium steht als Werkstoff immer in Konkurrenz zu anderen Materialien, auch im Flugzeugbau. Aber die große Nachfrage nach neuen, effizienten Flugzeugen sorgt für einen weiterhin steigenden Bedarf.“ Die Amag sei aber breit aufgestellt und könne dadurch Dellen abfangen. „Das liegt auch daran, dass wir am Standort Ranshofen massiv investiert haben“, berichtet Mayer. In den vergangenen zehn Jahren waren es Investitionen von insgesamt einer Milliarde Euro, die Kapazitäten wurden verdoppelt. Die Amag sei heute ein „kleiner, gefestigter Player am Markt mit technologischen Stärken und einem klaren Fokus auf Recycling“. Wichtig seien angesichts der Turbulenzen bei den Mitbewerbern, wo es zuletzt einige Übernahmen gab, auch stabile Eigentümerstrukturen. Bei der Amag sorgt die B&C Holding dafür.
In die Öffentlichkeit drängt Mayer nicht unbedingt; als typischer Finanzexperte lässt er offenbar lieber die Zahlen für sich sprechen. „Für mich ist es auch wichtig, meine Wurzeln nie zu vergessen und mich nicht alleine über den Job zu definieren. Was zählt, ist die Familie.“ Er weiß, dass der Druck in dieser Position groß ist, aber auch, dass der Beruf nicht alles sein darf. „Wir haben ja über den Job eine geborgte Macht – du sollst als Mensch aber etwas anderes auch noch haben.“

„WIR HABEN JA ÜBER DEN JOB EINE GEBORGTE MACHT – DU SOLLST ALS MENSCH ABER ETWAS ANDERES AUCH NOCH HABEN.“

Mag. Gerald Mayer

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